Fußball

Fall Leistner: Selbstjustiz ist auch im Stadion verboten

Foul: Toni Leistner vom HSV foult hier einen Spieler von Dynamo Dresden - nach der Partie flippte er aus.

Foul: Toni Leistner vom HSV foult hier einen Spieler von Dynamo Dresden - nach der Partie flippte er aus.

Foto: Getty Images

Essen.  Toni Leistner vom Hamburger SV ist nach dem Pokalspiel in Dresden ausgeflippt. Dass nun der DFB ermittelt, ist richtig. Ein Kommentar.

Handyvideos gibt es viele von dieser Szene - und das aus allen Blickrichtungen. Und jedes einzelne verstört: Toni Leistner, Fußballprofi des Hamburger SV, stürmt nach der 1:4-Niederlage im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden in die Dresdner Fankurve, schnappt sich einen Dynamo-Fan am Kragen, drückt ihn zu Boden. Er muss von mehreren Personen zurückgedrängt werden, damit nichts Schlimmeres passiert. Der DFB ermittelt nun gegen Leistner. Und das ist richtig.

HSV-Profi flippt nach dem Spiel aus

Dass die Sprache in einigen Bereichen der Fußballstadien schon einmal deftiger ist - das ist seit Jahrzehnten bekannt. Auch persönliche Beleidigungen kommen oft vor. Das ist nicht schön, und wenn es zu schlimm wird, sollte es auch Konsequenzen geben. Dafür gibt es allerdings Personen in der Kurve selbst. Ordner zum Beispiel, die eingreifen können. Und vor allem die Anhänger, die neben den Pöblern in der Kurve stehen und beruhigen könnten. Ein wenig mehr Respekt in den Fankurven - das ist schon seit vielen Jahren der Wunsch. Mal sind gegnerische Vereinsverantwortliche dran, mal andere Fangruppen, mal Spieler. Es gibt so viele Möglichkeiten, Kritik vernünftig zu äußern - stumpfe Beleidigungen müssen nicht sein.

Was aber auch nicht sein darf: Dass ein Fußballprofi ausflippt und den direkten Weg zum Übeltäter sucht. Auch Fußballstadien sind kein Ort für Selbstjustiz. Und Beleidigungen sind kein Grund, sofort mit Wut gewalttätig auf andere Menschen loszugehen. Das heißt nicht, dass sich Leistner alles gefallen lassen muss - aber auch er hätte erst Ordner ansprechen können.

Dass sich Leistner danach für seine Tat entschuldigte, ist zwar okay - und doch wäre eine Sperre angebracht. Der DFB könnte sich an einer Entscheidung aus England orientieren. Dort war Nationalspieler Eric Dier nach einem Pokalspiel im März mit Tottenham bei Norwich City ebenfalls auf die Tribüne gestürmt, nachdem er sich beleidigt fühlte. Dier musste vier Spiele aussetzen. Angemessen wäre das auch für Leistner.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben