Kommentar

Videobeweis in der Kritik: Es ist nur noch ermüdend

Der Videobeweis soll eigentlich für mehr Gerechtigkeit sorgen. Ein Schiedsrichter und ein Kamera-Operator überprüfen Szenen in Zeitlupe.

Der Videobeweis soll eigentlich für mehr Gerechtigkeit sorgen. Ein Schiedsrichter und ein Kamera-Operator überprüfen Szenen in Zeitlupe.

Foto: dpa

Essen.  Ob nur ein oder mehrere Fehler: Woche für Woche wird über die gedachte Hilfe diskutiert. Allein: Es ändert sich nichts. Ein Kommentar.

Den Zorn über den Einsatz und die Auslegung des Videobeweises vorherzusagen, fällt mittlerweile so leicht wie in den vergangenen Jahren die Prognose für den Deutschen Meister. Wie sicher man bisher sein konnte, dass die Spieler des FC Bayern am Ende die Schale in den Händen halten würden, so erwartbar ist an nahezu jedem Bundesliga-Wochenende inzwischen die Aufregung über die einst als Hilfestellung angedachte Entscheidungsfindung nach Studium der Zeitlupen.

Es ist sogar unerheblich, ob es nur in einer Szene oder wie am 19. Spieltag geballt in fünf Situationen in Berlin, Dortmund, Gladbach, Wolfsburg und Mainz zu Unstimmigkeiten zwischen beteiligten Teams und Unparteiischen kommt: Die Diskussion ist nur noch ermüdend, nein: Sie ist kurz davor, unerträglich zu werden.

Das wird auch in Kreisen derer empfunden, die sich der Technik aufgeschlossen gegenüber sehen, in ihr mehr sinnvolle Gerechtigkeit denn Abschaffung von Traditionen erkennen. Denn: Es ist kein Fortschritt zu erkennen. Trotz des Bemühens um mehr Transparenz. Wenn an kalibrierten Linien gefühlt über die Länge der Zehennägel Abseitsstellungen erkannt werden wollen, klar ersichtliche Foul- und Handspiele aber nicht zu den folgerichtigen Sanktionen führen, weiß der Fan nicht mehr, was wofür gepfiffen wird. Und ganz ohne Zynismus: Das kann nicht das Sinn des Videobeweises sein.

Wobei auch mal mit einem Missverständnis aufgeräumt werden muss. Die Überprüfung im Kölner Keller bedeutet nicht zugleich die Fehlerlosigkeit der Schiedsrichter. Wer in Echtzeit auf dem Rasen aus nur einer Perspektive entscheiden muss, kann gar nicht alles richtig sehen. Wer Wiederholungen auf einem Bildschirm vor sich laufen hat, sollte es zumindest in den häufigsten Fällen. Ist das dann aber immer noch nicht der Fall, stellt sich die Frage: Liegt es nun an der Qualität dieser Schiedsrichter oder an einer nicht klar vorgegebenen Auslegung der Regeln?

Neutrale Fußballanhänger sind erfreut, dass die Münchener sich in dieser Saison nicht wie der automatische Meister präsentieren, dass Borussia Dortmund die Überraschung schaffen kann. Inzwischen ist es wünschenswert, dass auch die Schiedsrichter in der neuen Spielzeit mal verblüffen können. Es soll ja sogar Bayern-Fans geben, denen ausnahmsweise etwas Abwechslung gefällt.

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