VfB Stuttgart

Dennis Aogo: Eine Fußball-Karriere mit Höhen und Tiefen

Dennis Aogo

Dennis Aogo

Foto: Getty

Stuttgart.  Der Ex-Schalker macht gerne Selfies beim Rauf- und Runterfahren. Mit Stuttgart steckt er im Keller fest. Sonntag geht es nach Mönchengladbach.

Um den Menschen Dennis Aogo zu beschreiben, nutzt man am besten seinen Aufzug. Mit dem fährt der Fußball-Profi immer dann, wenn er seine Wohnung verlässt. Etwa zum Training des VfB Stuttgart. Jedesmal schaut er dann in einen großen Spiegel, zückt nicht selten sein Smartphone, fotografiert sich und verbreitet das Bild im Internet.

Fotos aus dem Aufzug für einen guten Zweck

Bei Twitter existiert deswegen sogar ein Account mit dem Namen „Aogos Aufzug“. Hier werden die vielen modischen Selfies gesammelt, die einen vermeintlich oberflächlichen Fußball-Millionär präsentieren. Nur: Irgendwann wurde auch Aogo auf seinen Aufzug-Account aufmerksam, lachte darüber. Und suchte sich anschließend sogar einen namhaften Fahrstuhl-Hersteller als Sponsor, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Grund genug also, hinter das Spiegelbild zu schauen.

Denn dann lernt man einen 31-Jährigen kennen, der vieles erlebt hat. Auch seine Karriere gleicht der Fahrt mit einem Aufzug. Gerade ist er mal wieder im Keller steckengeblieben. Abstiegskampf mit dem VfB Stuttgart, Tabellenplatz 16. Am Sonntag (18 Uhr/Sky) spielt er mit seiner Mannschaft beim Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach. Dort steht der VfB unter Druck. Aber: „Ich habe in meiner Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt, deswegen bringe ich mittlerweile eine gewisse Stressresistenz mit“, erklärt Aogo im Gespräch mit dieser Zeitung.

Führungsspieler unter Weinzierl

Deswegen gilt er in Stuttgart auch als Führungsspieler, der neue Trainer Markus Weinzierl setzt auf ihn. Was auf Schalke noch anders war, wo beide in der Saison 2016/17 schon gemeinsam gearbeitet haben. Jetzt sei der Trainer aber „offener und zugänglicher“ geworden, meint Aogo. Trotzdem startete Weinzierl katastrophal, verlor nach seinem Amtsantritt im Oktober die ersten drei Spiele. Am vergangenen Wochenende gelang ihm mit dem 1:0 über den FC Augsburg endlich der erste Heimsieg. Aogo absolvierte da zudem sein 250. Bundesliga-Spiel. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagt er. Vor allem nicht nach den vielen Turbulenzen.

Die Karriere des gebürtigen Karlsruhers startete eigentlich beschaulich. In Freiburg. Wo man, um beim Aufzug-Bild zu bleiben, zwar auch häufig im Keller feststeckt, aber weiß, dass man nie höher als in die zweite Etage fahren wird. 2008 aber zog es Aogo zum Hamburger SV. Ein Verein, der mit dem Aufzug am liebsten in das oberste Stockwerk rattern will, dafür jedoch schon lange nicht mehr den richtigen Knopf gefunden hat. So wie auf Schalke, wo es Aogo 2013 hinzog. Auch hier erlebte er ein Auf und Ab. „Aber ich habe den Verein gelebt“, erklärt er. Trotzdem wurde sein Vertrag vor einem Jahr nicht verlängert.

Bindeglied vor der Abwehr

Jetzt trägt er also das Stuttgart-Trikot, fungiert auf dem Platz als Bindeglied zwischen Viererkette und dem Mittelfeld. So will es Weinzierl. Er ist auch schon wieder der dritte Trainer, der Aogo in Stuttgart Anweisungen erteilt. Rund 20 Trainerwechsel hat er in seiner Karriere schon erlebt. „Dabei bin ich eigentlich ein Freund von Kontinuität.“ Doch beeinflussen kann er dies nur schwer.

Anders gestaltet sich seine Welt neben dem Fußballplatz. Hier versucht Aogo, aktiv Einfluss zu nehmen. „Ich bin total überzeugt davon, dass es, wenn wir alle einen kleinen Teil dazu beitragen, anderen besser geht. Dann wird ein großer Teil daraus“, meint der Fußballprofi. Deswegen beteiligt sich der Mittelfeldspieler auch an der Initiative „Common Goal“, spendet zwei Prozent seines Gehalts.

Er weiß, das Leben hat noch andere Dinge zu bieten als Fußball. Auch wenn Aogo gerne noch etwas mitfahren will im Aufzug, der seine Bundesliga-Karriere beschreibt. „Die Marke von 300 Spielen will ich schon noch knacken“, sagt er.

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