Kommentar

Bayern in Budapest vor Fans: Ignoranz der Uefa ist unfassbar

Die Bayern beim Abschlusstraining am Mittwoch in Budapest noch vor leeren Rängen - das wird am Donnerstagabend anders sein.

Die Bayern beim Abschlusstraining am Mittwoch in Budapest noch vor leeren Rängen - das wird am Donnerstagabend anders sein.

Foto: BERNADETT SZABO / AFP

Essen/Budapest.  Ungarns Hauptstadt Budapest ist ein Corona-Risikogebiet. Dennoch zieht die Uefa den Supercup als Pilotprojekt durch. Ein Kommentar

Supercup – tolles Wort. Klingt gigantisch, als gäbe es nichts Größeres. Die Wahrheit ist: Der FC Bayern bräuchte den Titel nicht einmal für seinen Briefkopf. Dieses Spiel zwischen den Gewinnern der Champions League und der Europa League ist nichts anderes als eine aufgeblasene Werbeveranstaltung. Die Europäische Fußball-Union will bei TV-Anstalten und Sponsoren abkassieren.

Für die Idee, die Partie in Budapest unbedingt vor 20.000 Zuschauern austragen zu lassen, und die Trotzhaltung, alle mahnenden Einwände in den Wind zu schlagen, verdient die Uefa einfach nur Verachtung. Wie kann ein Fußballverband so verantwortungslos handeln? Die Corona-Lage in Ungarns Hauptstadt ist bedrohlich. Der entscheidende Richtwert, die Sieben-Tage-Inzidenzzahl je 100.000 Einwohner, liegt über 100 – und ist damit rund doppelt so hoch wie in München, wo am vergangenen Freitag das Bundesliga-Auftaktspiel gegen Schalke zum Geisterspiel deklariert wurde.

Söder und Rummenigge warnen vor „Fußball-Ischgl“

Verständlich, dass die Bayern-Delegation am Mittwoch mit einem unguten Gefühl nach Budapest aufbrach – eine Reise, die sich der Klub unter den gegebenen Umständen lieber erspart hätte. Schon der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte vor einem drohenden „Fußball-Ischgl“ gewarnt, auch FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge benutzte nun diesen Begriff. Ischgl steht als Synonym für Unvernunft und Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Virus, seit es sich im März von dem österreichischen Ski- und Party-Ort aus rasant weiterverbreiten konnte.

Hartnäckig auf das höchst fragwürdige Pilotprojekt zur Rückkehr von Zuschauern zu bestehen, zeugt von einer unfassbaren Ignoranz der Europäischen Fußball-Union, die Doppelpass spielt mit der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban. Der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony sprach sich vergeblich für ein Geisterspiel aus. Stadtteil-Bürgermeister Csaba Horvath schimpfte sogar: „Es ist ein Menschenversuch!“ Ja, genau das ist es.

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