Champions League

FC Bayern München auf der Treibjagd zum Triple

Heiß auf Barca: (v.l.) Thiago Alcantara, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Torjäger Robert Lewandowski.

Heiß auf Barca: (v.l.) Thiago Alcantara, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Torjäger Robert Lewandowski.

Foto: Firo

Lissabon  Für Hansi Flick ist das Duell mit Barcelona sein wichtigstes Spiel. Der Bayern-Trainer muss sich auf allerhöchstem Niveau beweisen.

Am Donnerstagabend stand in Lissabon das Abschlusstraining im Estádio da Luz an, das dafür bekannt ist, dass vor Benficas Heimspielen ein Adler vor dem Publikum seine Runden dreht, ehe dieser auf dem pokalähnlichen Klubemblem landet. An diesem Freitag im Viertelfinale der Champions League des FC Bayern gegen den FC Barcelona (21 Uhr/Sky) wird im Stadion des Lichts weder ein größeres Publikum noch ein Adler zugegen sein. An den Fernsehgeräten aber werden Millionen Zuschauer auch auf den Münchener Trainer Hansi Flick blicken. Für ihn geht es um den Nachweis, auf allerhöchstem Niveau erfolgreich zu coachen.

Flick fehlen noch drei Siege

Als Flick Anfang November als damaliger Co-Trainer die Nachfolge von Niko Kovac antrat, trauten ihm die wenigsten zu, mehr als eine Übergangslösung sein zu können. Er galt wegen seiner acht Jahre als loyaler Assistent von Bundestrainer Joachim Löw als der nette Hansi, der wohl kein Typ für die erste Reihe sei. Gut neun Monate nach seinem Amtsantritt schreibt der 55-jährige Flick weiter an seiner Geschichte.

Wenn es beim Finalturnier in Lissabon läuft, wie sie sich das beim FC Bayern zum Ziel gesetzt haben, ist es die Geschichte des Trainers Flick, der auf seiner ersten Profistation als Chefcoach von Null auf Hundert in Rekordzeit die Titel in Bundesliga, Pokal und Champions League gewonnen hat. Drei Siege fehlen noch zum zweiten Triple der Vereinsgeschichte nach 2013 – und für Flick zum Status der Klublegende.

Bei den Bayern bleibt jede Position besetzt

Wie das gelingen soll, ließ sich beim 4:1 gegen den FC Chelsea im Rückspiel des Achtelfinals in München beobachten. Trotz des 3:0-Siegs aus dem Hinspiel hetzte Flicks rote Meute die Gäste wie auf einer Treibjagd in die Falle. Mehrfach wiesen sich die Spieler untereinander an, in der Abwehr höher zu stehen. Und als Linksverteidiger Alphonso Davies nach einem Flügelsprint gerade auf dem Rückweg war, riefen ihm die Kollegen zu, sofort wieder vorne draufzugehen. Das war auch deshalb möglich, weil der eigentliche Flügelspieler Ivan Perisic absicherte. Ähnlich lief es auf rechts, wenn Joshua Kimmich nach vorne stürmte. Für ihn rutschte Leon Goretzka auf die Position des Rechtsverteidigers. Viele flexible Wechsel sind Teil von Flicks Vorgaben, und das funktioniert auch deshalb, weil jede Position dabei besetzt bleibt.

„Wir alle wissen jetzt wieder genau, was wir auf dem Platz machen wollen“, sagte Thomas Müller jüngst in der SZ, „ähnlich klar geregelt war unser Spiel zuletzt unter Pep Guardiola.“ Und so, wie die Außenverteidiger wissen, dass sie nach vorne stürmen können, weil die Kollegen sie absichern, wissen auch die Offensivspieler wie Müller, was situativ als nächstes kommt. „Wenn wir Spieler wechselseitig aufeinander reagieren und in den Schlüsselmomenten allen klar ist, was gleich passieren wird“, dann greife ein Rädchen ins andere. In Lagos ließ Flick 30 Rechtecke auf den Rasen zeichnen, um das Gefühl für Raum und Position weiter zu verbessern.

Pässe auf Messi verhindern

Gegen Barcelona steht Flick vor seinem bisher größten und wichtigsten Spiel. Der typische Pressingstil soll die Bayern eine Runde weiter Richtung Triple führen, gerade wegen Barças Lionel Messi, zu dem die Pässe schon frühzeitig abgewürgt werden sollen, damit er seine Solokünste gar nicht erst entfalten kann. „Die Mannschaft weiß, dass es bei der Turnierform auf die Tagesform ankommt. Wir wollen das Glück erzwingen“, sagt Flick.

Aus Münchener Sicht folgen bestenfalls zwei noch größere Spiele. Im Halbfinale mit einiger Wahrscheinlichkeit gegen Guardiolas Manchester City und als ultimativer Höhepunkt im Finale, vielleicht gegen Thomas Tuchels Paris Saint-Germain. Den ehemaligen Dortmunder und Guardiolas Bruder im Geiste wollte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor Kovac zum FC Bayern lotsen. Nun sind sie mit Cheftrainer Flick mehr als glücklich.

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