Bundesliga

Ex-Schalker Simon Cziommer spricht über Stürmer Mark Uth

Komm’ in meine Arme: Mark Uth (links) und Simon Cziommer (rechts) jubeln mit Mitspieler Mikhail Rosheuvel über ein Tor für Heracles Almelo.

Foto: Joep Leenen

Komm’ in meine Arme: Mark Uth (links) und Simon Cziommer (rechts) jubeln mit Mitspieler Mikhail Rosheuvel über ein Tor für Heracles Almelo. Foto: Joep Leenen

Gelsenkirchen.   Simon Cziommer, der von 2003 bis 2006 auf Schalke unter Vertrag stand, hat mit Mark Uth, der im Sommer zum S04 kommt, in Almelo zusammengespielt.

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Simon Cziommer ist am Dienstagvormittag im Auto unterwegs. Als Mitglied der Spielerberatungsagentur „Stars & Friends“ sind die Niederlande sein Revier. Hier kennt sich der Ex-Schalker bestens aus. In der Eredivisie, der höchsten Liga des Nachbarlandes, spielte er unter anderem für Twente Enschede, Roda Kerkrade und AZ Alkmaar. Die letzte Station seiner Karriere war Heracles Almelo - bei den Schwarz-Weißen kickte er auch mit Mark Uth zusammen, der ab der nächsten Saison das Schalker Trikot tragen wird.

Noch steht Uth im Aufgebot der TSG Hoffenheim, mit zwölf Toren in 23 Pflichtspielen ist der 26-Jährige der derzeit torgefährlichste deutsche Stürmer der Bundesliga. Ab Sommer gilt sein Vertrag dann für vier Jahre auf Schalke, der gebürtige Kölner kommt ablösefrei.

Simon Cziommer hat es nicht gewusst, aber er hat es zumindest geahnt, dass sich Mark Uth für einen Wechsel nach Schalke entscheiden wird. Und er freut sich sehr darüber. „Auf Schalke gelten besondere Gesetze. Mark hat aber das Durchsetzungsvermögen, um eine große Verstärkung zu werden“, sagt Cziommer, der für die Schalker Profis zwischen 2003 und 2005 in sieben Pflichtspielen ein Tor erzielte.

Es gebe nicht viele Stürmer, die in „der ersten Annahme des Balls“ so stark sind wie der künftige Schalker Mark Uth: „Er nimmt den Ball im allerhöchsten Tempo perfekt mit.“ Uth sei ein sehr beweglicher und agiler Stürmer, der sich durch seine Dynamik im Strafraum viele Torchancen erspielt. Einer, der nicht auf Chancen wartet, sondern sie sich lieber selbst erarbeitet. „Durch seine Schnelligkeit zieht er den meisten Gegenspielern davon und läuft mit dem Ball genau dahin, wo er ihn haben will, um zum Torabschluss zu kommen.“ Ein Stürmer, der mit der richtigen Portion Egoismus ausgestattet sei, ohne dabei aber den Gedanken an sein Team auch nur für einen Moment zu vernachlässigen.

Uth ließ sich nach Almelo ausleihen

Als Simon Cziommer Mark Uth 2013 bei Heracles Almelo kennenlernte, hatte sich der künftige Schalker vom ehemaligen Champions-League-Teilnehmer SC Heerenveen ausleihen lassen, um sich bei einem „kleineren Klub“ durch mehr Spielpraxis weiterzuentwickeln. „Das ist ihm mit großer Leidenschaft und starkem Willen eindrucksvoll gelungen“, sagt Simon Cziommer. Nach knapp einer Saison in Almelo ging es zurück nach Heerenveen, bevor ihn die TSG Hoffenheim im Sommer 2015 kaufte. Uth kam mit der Empfehlung von 15 Toren in 32 Ligaspielen nach Deutschland.

Den Konkurrenzkampf auf Schalke, da ist sich Simon Cziommer sicher, muss Mark Uth nicht scheuen. Im Gegenteil. Er sei ein Spielertyp, der vielseitig einsetzbar ist. Cziommer hält ein System mit zwei Spitzen für Uth am geeignetsten. Er sei ein Stürmertyp, der Trainer Domenico Tedesco viele taktische Möglichkeiten lasse: „Mark wird für ordentlich Konkurrenzkampf im Sturm sorgen und für seinen Platz kämpfen.“

Gemeinsame Anekdoten aus der Zeit bei Almelo fallen Simon Cziommer auf Anhieb nicht ein. Er sagt nur: „Mark ist ein total bodenständiger Junge, der nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig redet. Einer, der seine Meinung sagt, mit dem man normalerweise aber keinen Streit bekommt.“

Dass Mark Uth vier Jahre nachdem beide Mannschaftskollegen waren, einen Vertrag auf Schalke unterschreibt, hätte Simon Cziommer nicht unbedingt erwartet. „Dass er das Potenzial für die Bundesliga hat, hat man gesehen. Dass er sich so gut weiterentwickeln würde, dass ein Topverein wie Schalke Interesse an ihm hat, war allerdings nicht vorherzusehen“, sagt der 37-Jährige, der das Geschehen bei den Königsblauen noch immer genau verfolgt und ab und zu sogar die Schuhe für die Traditionsmannschaft schnürt.

Erinnerungen an Rudi Assauer

Wenn Simon Cziommer an seine Zeit auf Schalke zurückdenkt, dann vor allem an Rudi Assauer. An den Manager, der für ihn wie kein anderer den Verein verkörpert hat. „Ich bekomme gerade Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie krank Rudi seit einiger Zeit ist“, sagt er und schweigt für einen Moment. Dann sagt er: „Ich muss zugeben, dass die Zeit auf Schalke für mich sportlich überhaupt nicht erfolgreich war. Trotzdem war sie einfach unglaublich schön.“ Nach Leihgeschäften mit Twente Enschede und Roda Kerkrade verließ Simon Cziommer Schalke im Sommer 2006 endgültig und wechselte zu AZ Alkmaar.

Es folgten die Stationen FC Utrecht, RB Salzburg, Vitesse Arnheim und eben Heracles Almelo, bevor er seine Karriere vor zweieinhalb Jahren beendete. „Im Nachhinein war das die beste Entscheidung“, sagt er und ergänzt: „Dass ich weiterhin Fußball spiele, hätte keinen Sinn gemacht. Weder für mich, noch für meine Mitspieler.“ Viel Sinn macht aus seiner Sicht hingegen die Entwicklung auf Schalke unter Trainer Domenico Tedesco: „Er hat eine große Ausstrahlung und beeindruckt viele Schalker, zu denen ich noch Kontakt habe“. Für seinen Ex-Club wünscht er sich, dass er in der nächsten Saison wieder international vertreten ist - bestenfalls natürlich in der Champions League. Dann mit Mark Uth.

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