Eishockey

Verjüngungskur in der DEL - Die Eishockey-Saison beginnt

Meister Mannheim (links: Cody Lampl) und München bleiben die DEL-Favoriten.

Meister Mannheim (links: Cody Lampl) und München bleiben die DEL-Favoriten.

Foto: dpa

Essen.  In der neuen Eishockey-Saison wird mehr auf Talente gesetzt. Die Favoriten sind Mannheim und München. Auch Düsseldorf und Köln haben Potenzial.

Am vergangenen Samstag wurde es in Mannheim noch einmal nostalgisch, die Adler und ihre Fans feierten – und zwar den Titel 2019. Eine schöne Einstimmung auf die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die für den Meister am Freitag mit einem Auftritt in Nürnberg beginnt (19.30 Uhr/Magenta Sport). Ein Spieler aber, der für die Adler lange eine Symbolfigur war, fehlte bei der Zeremonie. Marcus Kink (34) fühlte sich emotional überfordert.

Nun sind die Talente gefordert

Was in Kink rumort, ist gewiss nachvollziehbar. Ganze 15 Jahre spielte der Stürmer in Mannheim, neun davon als Kapitän, er hatte noch einen Vertrag für zwei Jahre. Doch im Sommer wurde Kink mitgeteilt, dass er nicht mehr gebraucht wird in Mannheim. Ende einer Ära.

Im Leistungssport wird mitunter sehr hart selektiert, und gerade Adler-Trainer Pavel Gross fährt in Mannheim einen radikalen Verjüngungskurs. Und doch steht die Personalie Kink auch exemplarisch für ein großes Thema in der Liga. Ältere deutsche Spieler haben es immer schwerer, ihre Plätze in den Klubs zu behaupten oder neue zu finden.

Kink hat bisher keinen, Martin Buchwieser (30) von den Eisbären Berlin musste gar in die zweite Liga nach Frankfurt, trotz Vertrags in Berlin. Denn wer in der DEL weiterhin 19 Feldspieler aufbieten will, muss mindestens zwei U23-Talente dabeihaben. In der Vorsaison war es ein U23-Akteur, übernächste Saison werden es drei sein.

Mannheim und München mit dem meisten Geld

Bislang war das Vertrauen in die Talente wenig verbreitet. Nach und nach aber setzen die Klubs die neue Richtlinie um, Talente sind plötzlich heiß begehrt. „In der Konsequenz ist das nicht gut für die älteren deutschen Spieler“, sagte Niki Mondt, der Sportliche Leiter der Düsseldorfer EG, der Zeitung Eishockey News. Gleich drei 17-Jährige spielen nun in der DEL, ein Novum. Unwillkommen ist der Trend den Klubs nicht, schließlich wurden ältere deutsche Spieler in den vergangenen Jahren aufgrund der Gehaltsentwicklung zu sehr teuren Kaderposten, selbst wenn die Leistung nicht mehr stimmte. Der Zwang zur Verjüngung betrifft alle gleichermaßen – und entlastet den Etat. Denn die Ausländerplätze werden nicht weniger, und diese Ausländer sind meist billiger als die älteren deutschen Spieler.

An den grundsätzlichen Verhältnissen in der Liga ändert die Verjüngungskur nichts. Mannheim (16 Millionen Euro) und München (15,5) haben die größten Etats, die stärksten Kader und sind die Favoriten. „Es ist kein Geheimnis, dass wir wieder ein Wörtchen im Kampf um den Meistertitel mitreden wollen“, sagt Gross. In München fühlt sich der achtmalige DEL-Meistertrainer Don Jackson arg herausgefordert nach der Finalniederlage der Vorsaison.

Interessant aber ist der Blick nach Köln (12,5), wo in Mike Stewart ein neuer Trainer tätig ist, der zuletzt Augsburg ins Halbfinale führte. In Köln hat Stewart ganz andere Möglichkeiten. Auch in Berlin (12) gibt man sich selbstbewusst, die Eisbären wollen unter die Top Vier. Düsseldorf (11) oder Ingolstadt (10) haben ebenso das Zeug dazu.

Alles neu bei den Roosters

Spannender als der Zweikampf an der Spitze erscheint darum in nächster Zeit, welche Auswirkungen die U23-Regel in der DEL zukünftig noch hat. Oder wer in die so genannte 1. Play-off-Runde, welche die Klubs auf den Tabellenplätzen sieben bis zehn bestreiten, einzieht. Zwei Kandidaten sind die Iserlohn Roosters und die Krefeld Pinguine. Während es in Krefeld in diesem Sommer sportlich recht ruhig verlief und die Mannschaft punktuell verstärkt wurde, drehten die Verantwortlichen im Sauerland fast jeden Stein rund um den Seilersee um.

In Jason O’Leary gibt es einen neuen Trainer, in Christian Hommel einen neuen Sportlichen Leiter – und beide müssen 17 neue Spieler zu einer Mannschaft vereinen. „Das ist ein Projekt, das Geduld benötigt“, sagt O’Leary und lässt durchblicken, dass diese Saison eine Art Vorbereitung auf die kommende werden könnte. Denn 2020/21 gibt es erstmalig wieder einen sportlichen Absteiger aus der DEL – wen es erwischt, der könnte mehr Sorgen haben, als die Erfüllung von U23-Kaderplätzen.

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