Roosters

Die Nachwuchsarbeit der Roosters trägt viele Früchte

So jubelten die Young Roosters im Frühjahr nach dem Gewinn der deutschen Schülermeisterschaft. Viele spielen nun in der DNL1.

So jubelten die Young Roosters im Frühjahr nach dem Gewinn der deutschen Schülermeisterschaft. Viele spielen nun in der DNL1.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Die Nachwuchsarbeit der Iserlohn Roosters ist top. Aber können sie ihre Talente halten? Vier Spieler sind für U18-Nationalmannschaft nominiert.

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Durch die Diskussion um die „kanadische 1c-Nationalmannschaft“ im Zusammenhang mit der Personalpolitik der Iserlohn Roosters ist die Nachwuchsarbeit in Deutschland in den Fokus gerückt. Was unternehmen die Young Roosters, um den Roosters Talente zuzuführen? Wie engagiert sind die Profis, wenn es um die Jugend geht?

Die Sauerländer waren in diesem Jahr sehr erfolgreich: Gewinn der deutschen Schülermeisterschaft, Aufstieg der Jugend in die DNL1, Erfüllung von Voraussetzungen für das 5-Sterne-Projekt, aktuell der Kampf um die Teilnahme an der DNL1-Endrunde. Und: Dieses Team ist eine Talentschmiede.

„Es wäre schade, wenn sie uns von der Fahne gehen“

Denn gleich vier Spieler stehen im Aufgebot der U17-Nationalmannschaft, die in der kommenden Woche in Füssen zwei Länderspiele gegen die U18 Italiens absolviert. Daniel Wirt und Tim Fleischer sind Spieler im ersten Sturm der DEB-Auswahl, Fleischer ist Assistenzkapitän und taucht sogar im NHL-Draft 2019 auf. Louis Brune stürmt in der zweiten Reihe. Auf Abruf hält sich Stürmer Luke Volkmann bereit. Maximilian Jung, ebenfalls auf Abruf nominiert, spielt in dieser Saison in Kanada. Ferner stehen mit Verteidiger Tobias Möller (Jungadler Mannheim) und Torhüter Kevin Pfeiffer (Köln) zwei Ex-Young-Roosters im Aufgebot. Mit Nikita Alexandrov verfügt der IEC über einen weiteren herausragenden Stürmer, Marco Defrancesco ist für Italien nominiert, Leonardo Felicetti steht im Fokus der italienischen U17-Nationalmannschaft. Mit Torhüter Marc Fleischer gehört ein Keeper der DNL-Mannschaft zum erweiterten Profi-Kader, ist dort aber praktisch nicht eingebunden.

Rosige Zeiten also für den Klub? „Wir müssen versuchen, die Talente zu halten, das liegt uns sehr am Herzen. Und da kann man sicherlich noch mehr machen“, verdeutlicht Vereinschef Wolfgang Brück und bindet in diese Aufgabe auch Manager Karsten Mende ein. Denn auch Brück ist klar ist, dass die Konkurrenz sehr aufmerksam nach Iserlohn blickt. „Da mache ich mir schon Sorgen. Es wäre schade, wenn sie uns von der Fahne gehen würden. Aber die Begehrlichkeiten sind bekannt.“ Wie bei den Profis.

Zweite Eisfläche und Sommereis

Wichtig sind die Rahmenbedingungen, die der Klub bieten kann und muss. Hier betont Brück die Notwendigkeit einer zweiten Eisfläche. Cheftrainer Jari Pasanen ergänzt: „Man benötigt Sommereis.“

Die Perspektive DEL ist für Talente natürlich besonders motivierend. Wie groß ist deren Chance? Eine „Radikallösung“, also junge Spieler komplett im Profikader mittrainieren und sogar mitspielen zu lassen, ist nach Expertenmeinung wegen des zu großen Leistungsunterschieds nicht praktikabel. Zumal der Klub vom sportlichen Erfolg abhängig ist. „Was nützt es uns, wenn wir gelobt werden, weil wir junge Spieler bringen, uns das aber möglicherweise wirtschaftlich komplett zerschlägt?“, gibt Brück zu bedenken. Pasanen ergänzt: „Aktionismus bringt nichts.“ Er ist für eine behutsame Annäherung, etwa durch Teilnahme am Sommertraining. „Und die Besten können Anfang der Saison mittrainieren.“

Grundsätzlich hält nicht nur er den Sprung aus der DNL als zu groß. „Wir sprechen hier über zum Teil 16-Jährige. Sie sind noch nicht in der Lage, in der DEL mitzuhalten.“ Die Entwicklung brauche Zeit. Er verweist auf Dieter Orendorz oder Marko Friedrich, die mehrere Serien benötigten, um sich zu Stammkräften zu entwickeln. Mit Marcel Kahle, Denis Shevyrin und Noureddine Bettahar sind die Nächsten auf dem Sprung.

Einige Vereine haben bessere finanzielle Möglichkeiten

Pasanen weiß aber aus eigener Erfahrung auch, „wie die jungen Spieler ticken.“ So wollte sein Sohn von Iserlohn über Köln nach Salzburg wechseln. Aber er ist überzeugt, dass bei guten Rahmenbedingungen Spieler keinen Grund zum vorzeitigen Wechsel haben.

Ein großes Problem ist das Fehlen einer Spielklasse zwischen DNL und DEL. Darüber wird ebenso nachgedacht wie darüber, Jahrgänge in der DNL „einzufrieren“ und so die Mannschaften etwas älter zu machen. „Wir bemühen uns auch, die Spieler mit Förderverträgen auszustatten“, nennt Manager Karsten Mende einen weiteren Weg der Bindung und Weiterbildung. Man arbeite hier eng mit der eigenen Nachwuchsabteilung zusammen. „Aber es ist schwierig gegenzusteuern“, berichtet auch er von Abwerbeversuchen. „Es gibt Vereine, die ganz andere finanzielle Mittel haben“, unterstreicht Collin Danielsmeier, der 2. Vorsitzende der Young Roosters, diesen Aspekt. Red Bull Salzburg besitzt offenbar eine besondere Anziehungskraft. Jener Komfort sei in Iserlohn natürlich nicht zu bieten. Aber auch Danielsmeier sagt: „Dann müssen wir mit anderen Dingen punkten, und wir sind dran.“ Denn er möchte den Talenten die Möglichkeit geben, „länger in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben.“

Sollen DNL-Spieler schon bei den Profis mitwirken? Pauschal will Danielsmeier das nicht beantworten. Wenn die Fähigkeiten vorhanden seien, mache das Sinn. „Aber die meisten sind körperlich noch nicht so weit.“ So sieht es auch Christian Hommel, der Trainer der DNL1-Mannschaft, der verstehen kann, dass es von einigen Seiten Unmut gibt, weil eine Verzahnung mit den Profis nicht deutlich zu erkennen ist. „Aber es gab schon einige gemeinsame Einheiten, doch das hat noch keinen Mehrwert für die Jungs und die erste Mannschaft.“

Einige Spieler werden den Klub verlassen

Hommel geht ebenfalls davon aus, dass einige Talente die Roosters verlassen werden. „Es ist schwierig, mit den großen Organisationen wie Salzburg oder Mannheim zu konkurrieren.“ Aber er sagt auch selbstbewusst: „So weit sind wir auch nicht entfernt. Wir bieten viele Eiszeiten, wir haben ein gutes Trainerteam, wir führen gute Gespräche mit den Schulen, es gibt die Zusammenarbeit mit dem Internat und damit kurze Wege.“ Diesen Aspekt streicht Jari Pasanen heraus: „Wichtig ist, dass die Symbiose zwischen Sport und Schule funktioniert.“

Hommel will Wechselwilligen auch eine Illusion nehmen: „In anderen DEL-Klubs gibt es auch nur sehr wenige Einsatzzeiten.“ Deshalb sagt er auch: „Jeder Wechsel innerhalb Deutschlands macht jetzt keinen Sinn.“ Anders sei das, wenn es eine Chance in Nordamerika gebe. Aber Hommel versichert: „Wir müssen einen Weg finden, die Jungs zu binden, und es ist auch schon etwas passiert. Aber die Entwicklung dauert, ein langer Prozess, der Geduld fordert von den Eltern, von den Spielern und vom Verein.“

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