Hagen.

Eine Liga als Zerreißprobe

Hagen.   Im Nachholspiel der Fußball-Regionalliga West hatte die TSG Sprockhövel am Mittwochabend Alemannia Aachen zu Gast. Im Hagener Ischelandstadion prallten Welten aufeinander. Die TSG hat in ihrer Vereinsgeschichte zuvor noch nie so hoch gespielt; der TSV Alemannia, der eine Deutsche Vize-Meisterschaft und eine Uefa-Pokal-Teilnahme auf dem Briefkopf aufweist, noch nie so tief.

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Im Nachholspiel der Fußball-Regionalliga West hatte die TSG Sprockhövel am Mittwochabend Alemannia Aachen zu Gast. Im Hagener Ischelandstadion prallten Welten aufeinander. Die TSG hat in ihrer Vereinsgeschichte zuvor noch nie so hoch gespielt; der TSV Alemannia, der eine Deutsche Vize-Meisterschaft und eine Uefa-Pokal-Teilnahme auf dem Briefkopf aufweist, noch nie so tief.

Prompt gab es Unmut. Nach dem 1:1 beklagte Aachens Trainer Fuat Kilic, schikaniert worden zu sein. Es seien weder genügend Bälle noch Ballkinder vorgehalten worden, so habe sich der Gegner über die Zeit und zum Unentschieden gerettet.

Eine Posse, die in dieser Form für die vierthöchste Spielklasse bezeichnend sein dürfte – denn hier treffen Ex-Bundesligisten auf Dorfvereine, professionelle Erwartungen auf Amateurstrukturen und sportliche Ambitionen auf Auflagen. Diese besagen beispielsweise, dass Sprockhövel bei bestimmten Heimspielen ausweichen muss, damit die Sicherheit aller Besucher gewährleistet werden kann.

In der Saison 2017/18 will die TSG trotzdem wieder dabei sein. 32 Vereine haben ihre Bewerbungsunterlagen fristgerecht beim Westdeutschen Fußballverband (WDFV) eingereicht. Die am Donnerstag veröffentlichte Liste umfasst so illustre Namen wie den SC Paderborn und Preußen Münster, aber auch die SpVg Schonnebeck aus Essen und den TV Herkenrath 09 vom Mittelrhein. Die aktuellen Regionalligisten sind allesamt dabei, inklusive der fünf Profi-Zweitvertretungen, für die weder die erforderliche Bürgschaft in Höhe von 35 000 Euro, noch die Bereitstellung einer angemessenen Spielstätte ein Problem darstellt.

Oberliga als Endstation

Während sich die Verantwortlichen auf Schalke und am Kölner Geißbockheim fortlaufend Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, an ihren U23-Mannschaften festzuhalten, stehen die ambitionierten Oberligisten vor Entscheidungen, die nicht weniger existenziellen Charakter haben: Können wir einen Aufstieg wirtschaftlich überhaupt stemmen?

Der TSV Marl-Hüls hat diese Frage nun mit „Nein“ beantwortet. „Aus meiner Sicht ist das kaufmännisch nicht vertretbar“, hatte Abteilungsboss und Mäzen Lothar Gedenk erklärt. Dabei war es Gedenk gewesen, der den Traditionsklub aus dem nördlichen Ruhrgebiet in den letzten Jahren wieder hochgepäppelt hatte – und mit seinen Sponsorengeldern einen raschen Aufstieg von der Bezirks- in die Oberliga ermöglichte.

Im zweiten Jahr klopfen die Blau-Weißen nun oben an, rein sportlich wohlgemerkt. Auf den Aufstieg müsste der Klub aus dem Kreis Recklinghausen jedoch verzichten, der nur sechs Kilometer weiter östlich beheimateten Spvgg. Erkenschwick war es mehrmals so ergangen, mittlerweile sind die Stimberger in der Oberliga abgeschlagenes Tabellenschlusslicht.

Fünf Staffeln stellen drei Aufsteiger

Der Sprung in die Regionalliga ist für die Spvgg. ferner denn je, das Nadelöhr ist jedoch jenes in die 3. Liga. Rot-Weiss Essen und Viktoria Köln haben es seit 2012 – der Einführung der fünfgleisigen Regionalliga – vergeblich versucht, doch selbst der Viertliga-Meister muss bekanntlich noch in die Relegation, weil fünf Staffeln mit insgesamt 91 Vereinen nur drei Aufsteiger stellen.

In einer Umfrage der Lausitzer Rundschau wurden 40 Vereine gefragt, ob sie mit der aktuellen Aufstiegsregelung und zwei Relegationsspielen zufrieden sind. 34 antworteten mit „Nein“. Dem Satz „Ein Meister muss direkt aufsteigen“ pflichteten hingegen 39 Regionalliga-Klubs bei.

Die Rufe nach weiteren Reformen werden also anhalten – zuletzt kam ein Verbesserungsvorschlag aus dem Norden. „Die vierte Liga muss klar im Zeichen des Leistungssports stehen“, hatte Bernhard Peters, Direktor Sport beim Hamburger SV, erklärt – und eine dreigeteilte Liga mit 54 Klubs gefordert. Einige Vereine seien nicht in dem Maße leistungsorientiert wie die anderen und eigentlich eher Oberligisten.

Ob er damit Sprockhövel gemeint hat, verriet Peters nicht.

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