World Matchplay

Bühne plus Vorhang: Darts-Klassiker ohne gewohnte Ekstase

Startet beim World Matchplay: Darts-Profi Gabriel Clemens.

Startet beim World Matchplay: Darts-Profi Gabriel Clemens.

Foto: dpa

Milton Keynes  Das Darts-Highlight World Matchplay kann nach rund vier Monaten Corona-Pause doch steigen - allerdings ohne Publikum und in einer anderen Stadt. Zu den Hauptfiguren zählt diesmal ein Saarländer.

Super Mario und Homer Simpson müssen diesmal zuhause bleiben. Wenn die Darts-Tour mit ihren Stars wie Michael van Gerwen und Peter Wright am 18. Juli das zweitwichtigste Turnier der Welt einläutet, wird vieles ganz anders sein.

Das World Matchplay findet nicht mehr in den legendären Winter Gardens von Blackpool, sondern in Milton Keynes statt. Die Zuschauer vor Ort, die bunten Kostüme und Gesänge müssen wegen des Coronavirus diesmal auch ersatzlos entfallen. "Wir spielen auf einer großen Bühne, aber hintendran wird wohl ein Vorhang hängen", sagte der deutsche Teilnehmer Gabriel Clemens zum tristen Ambiente.

Der 36 Jahre alte Saarländer feiert bei dem prestigeträchtigen Event mit 32 Topstartern sein Debüt und ist nach der verpassten Qualifikation von Max Hopp zudem die einzige deutsche Hoffnung. Clemens spielt seit geraumer Zeit auf konstant hohem Niveau, gegen Ex-Weltmeister und Titelverteidiger Rob Cross wird ihm am 19. Juli (21.00 Uhr/Sport1 und DAZN) gar eine Überraschung zugetraut. "Rob Cross ist Titelverteidiger, ehemaliger Weltmeister, die Nummer vier der Welt. Er ist auf jeden Fall klarer Favorit. Aber ich werde versuchen, ihn zu ärgern", sagte Clemens der Deutschen Presse-Agentur.

"The German Giant" und seine Kollegen sind nach der Zwangspause froh, dass es nun weitergeht, auch wenn der Eventcharakter in Corona-Zeiten zunächst Pause hat. "Wir spielen natürlich auch ohne Zuschauer, denn wir verdienen Geld damit. Wenn es momentan nicht möglich ist, spielen wir lieber ohne als gar nicht", erklärte Clemens. Vergangene Woche ging der Weltverband PDC mit einer fünfteiligen Summer Series an den Start, weitere Geisterturniere sind angesetzt. Doch wie kann der Darts-Sport, der normal nur bei den Aktiven selbst den notwendigen Abstand garantiert, überhaupt zurück zum alten Party-Modus?

Das dürfte - zumindest 2020 - sehr schwer werden, wie auch Darts-Boss Werner von Moltke vermutet. Der Geschäftsführer der PDC Europe plant nach zahlreichen Absagen im Frühjahr und Sommer mit seinem Team nun in weit kürzeren Abständen als sonst. Die nächsten Ziele: Möglichst viel Preisgeld für die Profis auszuspielen und mit Hygienekonzepten ab Herbst eine Teilzulassung des Publikums zu erwirken.

"Die Veranstaltungen dürfen dann keinen karnevalistischen Hintergrund haben. Die werden ganz anders als bisher gekannt. Es sind Konzepte mit Kostümierungsverbot und Gesangsverbot", verdeutlichte von Moltke zu den geplanten Turnieren im September und Oktober. Kalkuliert wird aktuell mit etwa 500 bis 1000 Zuschauern, die sich dann allerdings - anders als sonst - an strenge Verhaltensregeln halten und auch ihre Kostüme wie Super Mario weglassen müssten.

Beim rasanten Aufstieg im vergangenen Jahrzehnt lebte Darts stets von seiner Inszenierung und der Nähe, die einerseits Fans untereinander und andererseits Fans mit ihren Idolen haben konnten. Das wird sich nun ändern. "Die Zuschauer sind und waren ein ganz großer Teil. Die haben wir immer mit ins Programm eingebunden. Das wird einen anderen Charakter haben. Es geht darum, es jetzt bestmöglich zu machen und die Fans auch in dieser Situation einzubinden", sagte von Moltke.

Dass damit auch die populäre Ally-Pally-Party in London rund um den Jahreswechsel wackelt, ist logisch. "Stand heute ist, die WM soll stattfinden und auch im Ally Pally, mit geringeren Zuschauerzahlen", sagte der Funktionär. Wie schnell in Pandemiezeiten aber Pläne des Sports gekippt werden, haben die vergangenen Monate gezeigt. Das Finale der Premier League steigt sonst wie die WM stets in London. 2021 findet es erstmals in Berlin statt.

© dpa-infocom, dpa:200716-99-819726/4

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