Champions League

Bayern voller Selbstbewusstsein: Kampfansage an Konkurrenz

Münchens Ivan Perisic (2.v.r.) jubelt nach seinem Treffer zum 2:0 mit Münchens Thomas Müller (2.v.l.) und Münchens Robert Lewandowski (r) und Münchens Joshua Kimmich (l).

Münchens Ivan Perisic (2.v.r.) jubelt nach seinem Treffer zum 2:0 mit Münchens Thomas Müller (2.v.l.) und Münchens Robert Lewandowski (r) und Münchens Joshua Kimmich (l).

Foto: Sven Hoppe / dpa

München.  Selbstbewusst und vom 4:1 gegen Chelsea weiter bestärkt reisen die Bayern zum Final-Turnier nach Portugal – vor allem Thomas Müller will Titel.

Hinterher war es beinahe wie bei diesen großen Turnieren, die Thomas Müller aus seiner Zeit bei der deutschen Nationalmannschaft bestens kennt. Nicht nur die Trainer Frank Lampard und Hansi Flick kamen zur Pressekonferenz, sondern eben auch ein Spieler. Doch Müller setzte sich nicht als sogenannter Man of the Match aufs Podium, nachdem Robert Lewandowski diese Rolle beim 4:1 (2:1) des FC Bayern gegen den FC Chelsea mit zwei Toren (10./FE und 84.) sowie zwei Vorlagen eingenommen hatte. Müller sprach nun vielmehr als Redner des Tages, als personifiziertes Münchener Selbstbewusstsein nach dem völlig ungefährdeten und über weite Strecken überzeugenden Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

Und seine Botschaft geriet mindestens so eindeutig wie das Gesamtergebnis von 7:1 aus den beiden Achtelfinals gegen den amtierenden Gewinner der Europa League. Die Botschaft lautete: Wir fühlen uns titelreif.

Zunächst gegen FC Barcelona

Heraus kamen Sätze, die gemeinhin als Kampfansage an die Konkurrenz bezeichnet werden, zunächst einmal an den FC Barcelona, gegen den es am Freitag in Lissabon im Viertelfinale gehen wird. Müllers Sätze reichten aber auch schon darüber hinaus. Zum Beispiel, als er über Lewandowski und dessen Dienste für die Mannschaft fernab der Tore sprach, wie über dessen Vorlagen zum 2:0 von Ivan Perisic (24.) und 3:1 von Corentin Tolisso (76.). Jeder arbeite für den Teamerfolg, sagte Müller in Bezug auf Lewandowski, „das macht uns aktuell stark, und ich hoffe, dass uns das bis Ende August stark macht.“ Also bis einschließlich 23. August, wenn es im Finale der Champions League um den Titelgewinn und damit ums zweite Triple der Münchener Vereinsgeschichte nach 2013 gehen soll.

„Volle Kraft voraus“, gab Müller, der turniererfahrene Weltmeister von 2014, als Reisemotto vor dem Abflug am frühen Sonntagabend ins Trainingslager in Lagos an der Algarve aus. Er sprach voller Zufriedenheit über das „Selbstverständnis, das wir aktuell in der Mannschaft haben“. Er sagte über das Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea: „Wir wollten klar machen, dass mit uns zu rechnen ist und die anderen auch Bescheid wissen.“ Und er erinnerte an die nun 18. Pflichtspielsiege in Serie, als er sagte: „Wir haben natürlich extrem viel Selbstvertrauen.“

Nur kleine Schönheitsfehler

Wenn Worte laufen könnten, dann hätten diese mit ihrem breiten Kreuz kaum durch eine handelsübliche Tür gepasst, so deutlich geriet Müllers Mia-san-stark-Botschaft. Das Treffen mit Chelsea hatte für zusätzliche Bestärkung gesorgt, zumal es das erste Pflichtspiel der Bayern nach dem Kurzurlaub gewesen war. Doch wie schon beim Wiederbeginn der Bundesliga nach der Corona-Pause dokumentierten die Münchener auch am Samstag rasch, dass der Sieg nur über sie gehen wird. Nach Serge Gnabrys Pass foulte Chelseas Torwart Willy Caballero Lewandowski, der den folgenden Elfmeter sicher verwandelte. Vorm 2:0 eroberte Müller den Ball im insgesamt prägenden Pressing der Bayern, Lewandowski verzögerte und legte quer auf Perisic, der bedacht einschoss. Beim 3:1 passte Philippe Coutinho auf Lewandowski, dessen Flanke Tolisso direkt vollendete. Und schließlich verwertete Lewandowski per Kopf eine Flanke von Álvaro Odriozola zum Endstand. Das zwischenzeitliche 2:1 von Tammy Abraham (44.) nach Manuel Neuers Torwartmalheur, als er Emersons scharfe Hereingabe nach vorne klatschen ließ, sowie Chelseas kurze Drangphasen vor und nach der Pause waren allenfalls kleine Warnungen und kaum mehr als Schönheitsfehler.

Für Lewandowski war es bereits das 13. Tor in dieser Saison der Champions League. Der Rekord von Cristiano Ronaldo steht bei 17 Toren, wofür dem Portugiesen 2013/14 in Diensten des Titelgewinners Real Madrid allerdings insgesamt zwei Spiele mehr zur Verfügung standen. Trotzdem, auch das war ein Eindruck dieser kraftstrotzenden Bayern, könnte Lewandowski in Ronaldos Reichweite kommen. Auch deshalb, weil sich die Ergänzungsspieler Niklas Süle, Coutinho, Tolisso, Odriozola und gegen Ende zudem Javier Martínez gewinnbringend einfügten.

"Können noch nachlegen"

„Wir wissen um unsere Stärke“, sagte Flick später und hob erfreut die Erkenntnis hervor, „dass wir nachlegen können“, also von der Bank. Positiv aus Sicht des Trainers und der Bayern war zudem, dass Joshua Kimmich und Thiago ohne Gelbe Karte auskamen und damit eine Sperre vermieden. Und auch die Blessur des ausgewechselten Innenverteidigers Jérôme Boateng sei wohl „nicht ganz so schlimm“, sagte Flick. Zudem äußerte er die leichte Hoffnung, dass Rechtsverteidiger Benjamin Pavard nach seiner Bandverletzung in Lissabon noch eingreifen könne, „hinsichtlich Viertelfinale, Halbfinale vielleicht“. Der vorsichtshalber geschonte Flügelspieler Kingsley Coman (muskuläre Beschwerden) soll schon gegen Barcelona wieder zur Verfügung stehen.

Zu Barça äußerte sich Müller ebenfalls voller Zuversicht, auch in Bezug auf den direkten Vergleich von Lewandowski mit Lionel Messi und auf die Frage, wer besser sei. „Es ist an uns und an Lewy, dass diese Frage am Freitag beantwortet ist“, sagte Müller und ergänzte übergeordnet: In einem K.o.-Spiel könne viel passieren, und wenn es schiefgehe, „dann kannst du die ganzen Serien in die Tonne kloppen“. Aber, sagte er mit einem selbstgewissen Grinsen: „Wir sind listig.“

Es war so etwas wie eine ergänzende Botschaft, unterfüttert von Müllers Erfahrung aus den großen Turnierspielen gegen Messi und Argentinien, wie beim 1:0 im WM-Finale 2014: Mia san stark, nicht nur fußballerisch.

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