Golden State Warriors

Warum Steve Kerr der politischste Trainer der NBA ist

Steve Kerr vor Spiel zwei der NBA-Finals am vergangenen Sonntag.

Steve Kerr vor Spiel zwei der NBA-Finals am vergangenen Sonntag.

Foto: dpa Picture-Alliance / Neil Davidson

Oakland.   Basketball-Trainer Steve Kerr äußert sich oft zu Trump und Waffengesetzen. Als Trainer ist er momentan in den NBA-Finals gegen Toronto gefordert.

Um den Menschen Steve Kerr zu verstehen, muss man ins Jahr 1984 zurückblicken. Als Spieler der University of Arizona stand er damals noch ganz am Anfang seiner Basketball-Karriere. Sein Vater Malcolm war Chef der American University in Beirut, Libanon. Dort hatte auch der junge Steve viele Jahre seines Lebens verbracht. Für den Sport ging er dann zurück in Staaten. Und erfuhr dort vom Tod seines Vaters, der von einem libanesischen Nationalisten ermordet wurde. Steve Kerr flog nicht zur Beerdigung nach Beirut, spielte stattdessen wenige Tage später im Lokalduell gegen Arizona State, traf dabei fünf von sieben Würfen. Es war sein bestes Spiel der Saison.

Kerr ist ein sehr nachdenklicher Mann, der den tieferen Sinn des Lebens hinterfragt. Basketball ist Teil seines Lebens, nicht umgekehrt. Er war ein guter Spieler, gewann vier NBA-Titel, drei davon an der Seite von Michael Jordan. Nun ist er ein noch besserer Trainer. Aber Basketball bleibt dann doch eben nur: Basketball. Rund 35 Jahre nach dem Tod seines Vaters ragt er mit dieser Einstellung aus der glattgebügelten Welt des Profisports, der sich beim Geldverdienen nur ungern mit lästigen, gesellschaftspolitischen Themen abgibt, heraus wie nur wenige. Dabei hat Kerr als Trainer der erfolgsverwöhnten Golden State Warriors in der NBA im Moment gute Gründe, sich ausschließlich mit Basketball zu beschäftigen.

In den Finals liegen sie mit 1:2 hinten

Sein Team, das er bereits zu drei Meisterschaften coachte, tut sich schwer. Mit Finals-Gegner Toronto Raptors - und sich selbst. Deshalb gingen die Kanadier um Starspieler Kawhi Leonard in der Nacht zu Donnerstag durch einen 123:109-Erfolg im Spiel drei der Finalserie auch mit 2:1 in Führung – trotz einer One-Man-Show von Steph Curry mit 47 Punkten. Kerr ist als Coach gefordert wie selten zuvor in seiner Laufbahn als Trainer. Vor allem jetzt, wo der mit Allstars gespickten Mannschaft die wichtigsten Spieler verletzt fehlen. Allen voran Kevin Durant, im Durchschnitt 26 Zähler pro Partie, und Drei-Punkte-Spezialist Klay Thompson.

Kerr wäre aber nicht Kerr, die geschätzte Persönlichkeit, wenn er es in so einer angespannten Situation beim Sportlichen belassen würde. Die Pressekonferenz ist seine politische Bühne. Vor Spiel zwei der Finalserie am Sonntag kam Kerr in einem „Vote For Our Lives“-Shirt ins Air Canada Center von Toronto, um an das Massaker in Virginia Beach zu erinnern. Dort hatte am Freitag ein Schütze zwölf Menschen ermordet – mit einer Waffe, die er legal in den USA erworben hatte. „Das Shirt ist eine Erinnerung daran, dass es der einzige Weg aus dieser Misere ist, Menschen zu wählen, die für Veränderungen im Waffengesetz unseres Landes sorgen“, sagte er.

Für schärfere Waffengesetze

Kerr unterstützt und bewundert die junge Generation, die sich politisch engagiert und für schärfere Waffengesetze einsetzt. Den traditionellen Besuch des Champions im Weißen Haus bei Präsident Donald Trump lehnte Kerr mit seiner Mannschaft ab. „Unserer Regierung scheint es egal zu sein, dass Kinder in Schulen erschossen werden“, erklärte er nach einem Amoklauf an einer Schule in Florida im Februar 2018. Hoffentlich finde man „genug Leute, die sich um die echten Sicherheitsprobleme kümmern, anstatt eine dumme Mauer zu bauen.“

Zuvor kommentierte er bereits Trumps-Einwanderungsbann gegen Menschen aus muslimisch geprägten Ländern. Dieser sei „gegen die Prinzipien, für die unser Land steht“ und schüre lediglich Ängste. Außerdem stellte sich Kerr demonstrativ hinter den Footballer Colin Kaepernick und seinen Hymnenprotest. „Steve“, sagt Warriors-Assistenztrainer Bruce Fraser, der Kerr seit gemeinsamen College-Zeiten kennt, „würde ein unglaublicher Präsident für unser Land sein.“ Noch ist er aber nur Basketball-Trainer.

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