50+1-Regel

Die 50+1-Regel bleibt – das Bundesliga-Gerangel aber auch

Viele Fans haben für den Erhalt der 50+1-Regel demonstriert.

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Viele Fans haben für den Erhalt der 50+1-Regel demonstriert. Foto: dpa

Frankfurt.   Klubs beschließen: Investoren dürfen weiterhin nicht die Mehrheit übernehmen. Aber es gibt nur noch 18 Ja-Stimmen – und die Sorge vor möglichen Klagen.

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Um 15.01 Uhr verließ Hans-Joachim Watzke den Sitzungsraum des Sheraton-Hotels am Frankfurter Flughafen. „Sind Sie fertig?“, fragte ein Journalist. „Mit den Nerven“, antwortete der Geschäftsführer von Borussia Dortmund lächelnd, bevor er in seinen Mercedes stieg und zurück nach Dortmund brauste.

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga mit den Klubs aus den beiden obersten Ligen war da nach dreieinhalb Stunden noch gar nicht beendet – beim für ihn wichtigsten Punkt aber hatte der BVB-Boss seinen Willen bekommen: Die 50+1-Regel, die verhindert, dass Investoren die Stimmmehrheit an einem Profiklub übernehmen, bleibt dem deutschen Fußball erst einmal erhalten.

„Ich fand, dass das heute eine sehr lebhafte Diskussion war“, sagte Watzke im Gespräch mit dieser Zeitung. „Und ich habe auch persönlich noch einmal klargestellt, dass Borussia Dortmund die 50+1-Regel für elementar schützenswert erachtet.“

BVB, Schalke und Gladbach dafür

Weil das nicht alle so sahen, hatte sich zuvor hinter verschlossenen Türen eine ungewohnt intensive Debatte entwickelt. Die endgültige Einführung des Videobeweises in der Bundesliga sowie eine Testphase noch ohne Eingriff in der 2. Bundesliga hielten die Klubs nicht sonderlich lange auf. Beim Thema 50+1 aber waren zuvor schon deutliche Konfliktlinien sichtbar: Der BVB, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach etwa waren für die Beibehaltung, der Hamburger SV, Hertha BSC und der FC Bayern eher dagegen. So sehr verhakten sich die Klubvertreter, dass um 14 Uhr, als eigentlich die Ergebnisse präsentiert werden sollten, noch lange keine Einigung in Sicht war. Man machte erst einmal Mittagspause.

Danach präsentierte Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli, einen Antrag für einen „Prozess zur Verbesserung der Rechtssicherheit sowie weitere Überlegungen hinsichtlich geänderter Rahmenbedingungen unter Beibehaltung der 50+1-Regel“. Im Klartext: Die Regel bleibt, und die Klubs beraten nun vor allem darüber, wie in diesem Rahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Vereine auch ohne Investoren größer wird – und das Risiko geringer, dass die Regel juristisch zu Fall gebracht wird. 18 der 34 anwesenden Klubvertreter folgten dem Antrag, vier stimmten gegen die Formulierung. Neun enthielten sich, drei anwesende Vereine beteiligten sich nicht an der Abstimmung. „Allen, die es gut mit dem Fußball meinen, kann dieses Ergebnis gut gefallen“, freute sich Rettig.

Martin Kind dürfte diese Meinung nicht geteilt haben, für den Präsidenten von Hannover 96 bedeutet das Ergebnis eine Niederlage: Der Unternehmer ist einer der engagiertesten Kämpfer gegen 50+1, er würde seinen Klub gerne übernehmen. Den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung aber lässt er derzeit ruhen, nachdem erkennbar wurde, dass ihn die DFL wohl ablehnen würde. „Wir warten erst mal ab, was modifiziert wird“, sagte Kind nun.

Die Liga bleibt gespalten, eine Entscheidung mit nur 18 Ja-Stimmen hat es noch nicht gegeben. Und so sah sich DFL-Präsident Reinhard Rauball bestätigt in seiner Auffassung, „dass das Thema 50+1 offen diskutiert werden muss“.

DFL-Präsident Rauball warnt

Die Debatten werden fortgesetzt. „Wir glauben, dass man die juristischen Themen nicht ohne weiteres ohne Risiko zur Seite schieben kann“, sagte Rauball. Niemand weiß, ob Hannover-Präsident Kind nicht doch Klage einreicht. Oder ob das Bundeskartellamt nicht doch noch entscheidet über die Beschwerde von Hassan Ismaik, dem Investor bei 1860 München, die dort seit Sommer 2017 liegt. „Ob 50+1 rechtlich hält oder nicht, kann derzeit keiner verlässlich sagen“, meinte Rauball. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert verwies darauf, dass vor wenigen Jahren noch 35 Klubs für die Erhaltung von 50+1 gestimmt hätten. „Heute wurde deutlich, dass sich die Diskussion weiterentwickelt hat“, sagte er.

Und dass sie noch lange nicht zu Ende ist.

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