Glücksspiel

Ruhrgebiet: Westlotto sucht Gewinner von 2,4 Millionen Euro

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Elke Eickermann-Bölling hängt am Dienstag in ihrer Lottoannahmestelle in Hattingen das Fahndungsplakat nach dem unbekannten Gewinner auf.

Elke Eickermann-Bölling hängt am Dienstag in ihrer Lottoannahmestelle in Hattingen das Fahndungsplakat nach dem unbekannten Gewinner auf.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Beim Lotto hat jemand Ende August 2,4 Millionen Euro gewonnen. Der Schein wurde abgegeben im Raum Essen. Doch noch hat niemand das Geld abgeholt.

Es gibt ja deutlich unangenehmere Gründe, zur Fahndung ausgeschrieben zu sein. „Millionär gesucht von 2,46 Mio Euro“ hängt gerade in Lottostellen aus landauf, landab. Auch bei Sigrun Stuckmann in Bochum, die das Plakat sofort ausgedruckt und aufgehängt hat. Sie ist quasi in der damaligen Lottostelle ihrer Eltern auf der anderen Straßenseite groß geworden - aber ein Millionär mit so großen Erinnerungslücken, dass man darin parken könnte, ist in all den Jahrzehnten noch nie in ihr Geschäft spaziert. „Das ist ein ganz seltener Fall“, sagt sie.

Seit Donnerstag sucht Westlotto öffentlich den Mann oder die Frau, die den riesigen Gewinn nicht abgeholt hat. Was man weiß? Wenig, Lotto ist ja in der Regel anonym. Gespielt wurde im Ruhrgebiet, im Raum Essen. Bei der Ziehung am 25. August fielen die Zahlen 6-9-11-12-24-33 (besser ohne Gewähr jetzt). Und „wir nehmen an, dass er häufiger spielt“, sagt der Sprecher von Westlotto, Axel Weber. Der Grund: Benutzt wurde ein Mehrwochen-Spielschein, das wäre eher ungewöhnlich bei Gelegenheitstippern.

In den letzten zehn Jahren ist nur ein großer Gewinn in NRW verfallen

Bis Ende 2024 ist ja noch Zeit, den Gewinn einzufordern. Aber die Chancen sinken natürlich von Tag zu Tag, dass dem Gewinner etwas auffällt. Eine Lotto-Quittung ist ja so schnell verkramt. Dass man Zahlen auf einem mehrere Monate alten Schein noch überprüft? Unwahrscheinlich. Und dass man sich ihrer spontan erinnert? Da kann man naheliegenderweise nur sagen: Vergessen Sie es einfach.

Weber ist dennoch zuversichtlich, dass sich spätestens nach zwei bis drei Wochen öffentlicher Fahndung jemand meldet. Die Vergangenheit spricht dafür: Nur drei Fälle gab es in Nordrhein-Westfalen in den letzten zehn Jahren, dass ein Millionengewinn lange lieben blieb. Und zwei davon wurden rechtzeitig gelöst: Einen Gewinner in Krefeld fanden sie mit Fahndungsplakaten. Und einen in Köln über die Hauszeitschrift mit dem programmatischen Namen: „Glück.“

„Er kann sich ja nicht ärgern, er weiß es ja nicht“

Doch es gab auch jenes unbekannte Wesen, das seinen Spielschein damals in Düsseldorf abgab. Der Gewinn aus der Glücksspirale hätte kaum größer sein können: 7500 Euro Monatsrente auf Lebenszeit - das sind in einem Jahr schon 90000 Euro. Er - oder sie - wurde tatsächlich nie gefunden. Aber Weber hat einen Trost parat: „Er kann sich ja nicht ärgern, er weiß es ja nicht.“

Freilich rechnen sie in der Westlotto-Zentrale in Münster damit, dass Fälscher und Trittbrettfahrer auftauchen, je länger die 2,4 Millionen liegen bleiben. Manche Menschen legen gefälschte Quittungen mit den Gewinnzahlen vor, weshalb sich immer mehrere Prüfer das vermeintlich große Los anschauen.

„Sie stehen montags auf der Matte, manche auch schon sonntags“

Andere erzählen, sie hätten den Schein verloren. Was natürlich auch immer sein kann. Aber dann müssten Sie sozusagen Täterwissen haben, das Westlotto abgleichen kann: In welcher Lottostelle sie wann gespielt haben. Darüber hinaus gibt es noch „technische Details“ der Kontrolle. Axel Weber klingt an dieser Stelle etwas verwaschen, und man darf durchaus mal den Jargon der Polizei benutzen, wenn die mal wieder nichts verraten will: „aus ermittlungstaktischen Gründen.“ Passt das nicht zusammen, droht eine Anzeige wegen Betruges.

Normalerweise aber sind echte Gewinner nicht sehr zögerlich. „Sie stehen montags auf der Matte, manche auch schon sonntags.“ Andere kommen verspätet, weil sie ihre Quittung nicht ständig überprüfen. Weil sie den „positiven Schock“ erst verarbeiten müssen. Westlotto erinnert sich auch an einem Mann, der kam am letzten möglichen Tag vor Ablauf der Frist. Bis dahin hatte er sich überlegt, ob er sich überhaupt sein Leben durch so viel Geld durcheinanderwirbeln lassen wollte.

Dabei gibt es seit einigen Jahren eine Plastikkarte gegen das Vergessen: die Westlotto-Karte. Wenn sie mit dem Lottoschein eingelesen wird, wird eine Kontaktmöglichkeit gespeichert für den Fall eines Gewinns. Er kann nicht vergessen werden, nicht verloren gehen. Allerdings: Weit verbreitet ist die Karte unter notorischen Lotto-Spielern nicht. Psychologen erklären das so: Die Leute wollten keine Karte, die ihnen irgendwie bescheinigt, vergesslich oder verkramt zu sein.