E-Sport

12.000 Fans verfolgen "Counter-Strike-WM" in Köln

Foto: Marius Becker / dpa

Köln.  Die Profis spielen, alle anderen gucken zu: "Counter-Strike"-Turniere wie in Köln ziehen Tausende Fans an. Von Verehrung und Freibier für 200 Euro.

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Die Kölner Lanxess Arena ist in ein blaues Licht getaucht. Ohrenbetäubender Lärm herrscht in der Halle. Pepp-Pepp-Pepp, Wumm-Wumm. Markerschütternde Gewehrschüsse knallen aus den Boxen. Aufblasbare Plastikröhren scheppern. Weiße Schaumstofffinger tanzen über den Köpfen. Zwei riesige Bildschirme hängen von der Decke, auf denen rund 12.000 Zuschauer die Endrunde eines "Counter-Strike"-Turniers verfolgen. Das Sieger-Team wird am Sonntag gekrönt.

Es ist das Viertelfinale zwischen Team EnVyUs gegen Natus Vincere. Fünf gegen Fünf, Blau gegen Gelb. Ein Duell von zehn jungen Männern, die auf einer Bühne konzentriert über ihren Monitoren brüten. Für die Profi-Gamer geht es um Spaß - aber auch um die nächste Miete. Ein "Oooh", ein "Jäää" raunt durch die Reihen. Statt Applaus rappeln die roten Klatschstäbchen. Die Runde ist entschieden. Das blaue Team hat gewonnen.

Preisgeld: 250.000 Dollar

Bis zum Sonntag kämpfen die letzten acht Teams des "ESL One"-Turniers um ein Preisgeld von 250.000 Dollar. Klingt viel für Computerspieler. Doch erst kürzlich wurde mit 18,4 Millionen Dollar ein neuer Rekord beim Wettkampf "The International 2015" im US-amerikanischen Seattle aufgestellt.

E-Sport boomt. Während allerorts das Preisgeld wächst, wollen auch immer mehr Gelegenheits-Zocker die Austragungen von Profi-Spielern verfolgen. Wie Fußball habe sich eben auch der elektronische Sport professionalisiert, erklärt ein Sprecher der Electronic Sports League (ESL). Der Veranstalter habe beim Kölner Turnier einen Aufwand betrieben, wie man ihn hier sonst nur von Auftritten US-amerikanischer Sänger kennt, sagt der Sprecher des Hallenbetreibers, Tomasz Grenke. Es gibt eine Bühne mit Steg, einen Kommentatoren-Bereich, die riesigen Bildschirme. Eine Eishockey-WM könne da nicht mithalten.

Eintrittskarten kosten rund 40 Euro

Oben auf den Rängen sitzen die 12.000 Zuschauer mit Karten für rund 40 Euro. Unten vor der Bühne stehen die Stühlen derjenigen, die für ein "Premium-Ticket" bereitwillig 220 Euro hingelegt haben. Wer das macht? In Köln machen das tausend Fans. Auf sie warten laut ESL "exklusive" Autogrammstunden mit den Klick-Sportlern, freier Zugriff auf Red-Bull-Kühlschränke. Dazu Bier, Cola und Currywurst bis zum Abwinken.

Auch Kevin Holtmeier musste bei diesem Angebot einfach zugeschlagen. Für den "leidenschaftlichen "Counter-Strike"-Spieler" ist der Platz vor der Bühne ein "unbeschreibliches Feeling", sagt der Dortmunder mit Baseball-Cap, Shorts und einem weiten Karo-Hemd. "Hier können wir den Stars ganz nah sein, uns Tipps holen, mit ihnen sprechen und merken: Das sind auch normale Menschen wie wir", sagt der 23-Jährige. Und außerdem: Zwei Tage kostenlose Verpflegung, was wolle man mehr? Nur selber spielen, das wäre noch besser.

Stundenlanges Schlangestehen für ein Selfie

E-Sportler werden in der Szene wie Superstars verehrt. Für ein Selfie stehen Fans stundenlang Schlange. Die Heldentaten ihrer Vorbilder haben sie in Youtube-Videos verewigt. An seinen Kultstatus hat sich Dan Madesclaire, Spitzname "apEX", vom französischen Team EnVyUs gewöhnt. Siege feiert der 22-Jährige manchmal mit Sprüngen vom Schreibtisch-Stuhl, exzentrischem Schreien und selbstbewusstem Brustklopfen. "Früher war das verrückt, heute ist das normal", sagt er. Nur einmal wurde er stutzig, als ein Fan eine Unterschrift auf einem Baby haben wollte.

Auch Frauen haben sich unter das meist männliche Publikum gemischt. Maya ist extra aus Norddeutschland angereist. Die 20-Jährige hat sich ganz allein auf den Weg nach Köln gemacht - wer braucht da schon eine Freundin als Begleitung? "Ich kam noch nie mit Weibern klar, das ist bei jeder Zocker-Frau so", erzählt sie betont lässig. (dpa)

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