Finanzen

So kommen Gründer zu Geld: Von "drei F" bis Venture Capital

Viele Geldgeber, ein Projekt - beim Crowdinvesting können Anleger in Unternehmen investieren.

Foto: Inga Kjer

Viele Geldgeber, ein Projekt - beim Crowdinvesting können Anleger in Unternehmen investieren. Foto: Inga Kjer

Am Anfang eines Startups steht die Geschäftsidee. Aber um eine Firma zu gründen, braucht es: Geld. Dafür gibt es diverse Quellen. Ein Überblick:

Plötzlich ist sie da, die eigene Geschäftsidee. Vielleicht ist eine innovative Technologie, die das Leben der Menschen einfacher macht, ein neues Produkt, das nachhaltig, gesund und lecker ist oder auch ein Service, der Unternehmen dabei hilft, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und ungeliebte Aufgaben abnimmt.

Ohne solch eine Idee, von der man überzeugt ist, dass sie nicht nur ein Problem löst, man mit ihr Kunden gewinnen und auch Geld verdienen kann, keine Unternehmensgründung. Doch allein die Idee zu haben reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein. Sie muss auch umgesetzt werden.

Je nach Art der Geschäftsidee benötigt der Gründer, bevor er überhaupt über das Geldverdienen nachdenken kann, mehr oder weniger Kapital, um das Unternehmen starten zu können - sei es, um ein Produkt zu produzieren, eine Technologie zu entwickeln oder ein Büro oder ein Ladenlokal zu mieten. Und nicht selten scheitert die Umsetzung von Geschäftsideen genau daran: an mangelndem Kapital.

Dabei gibt es heute für Gründer eine ganze Reihe unterschiedlicher Finanzierungsarten. Einige davon stellen wir heute vor.

Bootstrapping: Finanzierung aus eigenen Mitteln

"Bootstrapping" ist besonders in Startup-Kreisen der Begriff dafür, sein Unternehmen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Man startet die Gründung mit eigenem Kapital oder Rücklagen. Was dann später an Einnahmen oder Gewinn erwirtschaftet wird, wird reinvestiert.

Der unschlagbare Vorteil von Bootstrapping ist, dass man als Gründer die vollständige Kontrolle über das eigene Startup behält, weil man gänzlich auf externe Finanzmittel verzichtet. Wichtig ist deshalb, möglichst schnell Einnahmen mit dem Startup zu erzielen und die Betriebskosten gering zu halten.

Für jede Geschäftsidee eignet sich die Selbstfinanzierung allerdings nicht. Wenn das Startup am Anfang eine hohe Summe für Investitionen benötigt, um beispielsweise eine neue Technologie zu entwickeln oder ein Produkt herzustellen, müssten die Gründer selbst schon über ein sehr hohes Eigenkapital verfügen, was meistens nicht der Fall ist. Dann ist es ratsam, über Fremdkapital nachzudenken.

Wenn die Gründer aber den meist hohen Aufwand an Arbeit und Kosteneinsparung nicht scheuen, kann Bootstrapping für das Startup die günstigste Finanzierungsart sein.

Prominentes Beispiel für überzeugte Bootstrapper aus dem Ruhrgebiet ist Urlaubsguru. Die beiden Gründer Daniel Marx und Daniel Krahn haben zunächst mit ihren eigenen Mitteln und neben ihrem Hauptjob ihr Urlaubsschnäppchen-Blog aufgebaut. Schnell erzielten sie damit Einnahmen, die sie in ihr Unternehmen reinvestierten. Ihre Jobs gaben sie erst auf, als sie sich selbst damit finanzieren konnten. Heute beschäftigt das Startup aus Holzwickede über 180 Mitarbeiter.

Die drei F’s: Family, Friends and Fools

Wenn Gründer das Geld,selbst nicht aufbringen können, um ihre Geschäftsidee zu finanzieren, werden für die Erstfinanzierung oft Familie und Freunde akquiriert. Im Englischen spricht man scherzhaft von den drei F's - Family, Friends and Fools. Dummköpfe, Fools, deshalb, weil gleich zu Anfang in ein Startup zu investieren, ein sehr hohes Risiko bedeuten kann.

Diese Finanzierungsform hat natürlich den Reiz, dass für die Leihgabe durch Familie und Freunde oft niedrige bis keine Zinsen fällig werden. Allerdings steckt hier auch eine Gefahr: Wenn der Erfolg des Unternehmens ausbleibt, und damit auch das Geld, dann hört die Freundschaft oft auf. Und wer möchte schon der Familie oder den eigenen Freunden finanziellen Schaden zufügen?

Wenn angehende Gründer diese Finanzierungsform überhaupt in Betracht ziehen, sollten sie und ihre kapitalgebende Verwandschaft realistisch sein und sich die Risiken bewusst machen.

Kredite und Förderprogramme von der Bank

Ist kein eigenes Kapital vorhanden, um mit dem Unternehmen zu starten, ist für viele Gründer die eigene Hausbank die erste Anlaufstelle. Doch gerade in der Frühphase einen Bankkredit gewährt zu bekommen, wird heutzutage immer schwieriger.

Besonders wenn es um Startups mit innovativen Geschäftsideen und Produkten geht, agieren Banken eher vorsichtig. Ohne Rücklagen oder Sicherheiten ist die Erstfinanzierung mit Hilfe der Bank problematisch.

Scheuen sollten Gründer ein persönliches Gespräch mit einem Bankberater, der in Sachen Finanzierung von Unternehmensgründung fit ist, jedoch nicht. Von Bund, Ländern und EU gibt es nämlich einige Förderprogramme, die Gründern gerade in der Startphase günstigere Konditionen bieten als ein normales Bankdarlehen. Hierzu zählen beispielsweise die Angebote der KfW-Bank oder der NRW-Bank. Ein Gang zur eigenen Hausbank kann sich also durchaus lohnen.

Crowdfunding: Finanzierung durch die Masse

Ist Crowdfunding, also die Finanzierung durch die Masse, besonders für Kreativprojekte schon länger ein beliebtes Finanzierungsmittel, entdecken auch immer mehr Gründer und Startups diese Form der Finanzierung als gute Möglichkeit, zu starten.

In Deutschland gibt es inzwischen eine Reihe an Portalen, wie zum Beispiel Startnext oder Indiegogo, auf denen Gründer und Startups ihre Projekte und Ideen vorstellen und mit Hilfe von vielen kleineren Investoren finanzieren können.

Der große Vorteil von Crowdfunding als Finanzierungsform besteht darin, dass man als Gründer keine Anteile von seinem Unternehmen abgeben muss. Die Investoren werden in der Regel mit Naturalien und Geschenken belohnt, meistens natürlich mit dem Produkt selbst, das mit Hilfe des Investments erst hergestellt werden kann. Investoren sind deshalb oft gleichzeitig die ersten Kunden.

Crowdfunding als Finanzierungsform zu wählen hat somit einen nicht zu unterschätzenden Marketing-Effekt. Dafür muss das Startup allerdings auch einiges an Aufwand betreiben - vom Dreh eines Imagevideos bis hin zu PR-Aktionen und Social Media. Selbstläufer sind solche Crowdfunding-Kampagnen in der Regel nicht.

Ein erfolgreiches Beispiel aus NRW ist das Startup Wildling Shoes, das mittels Crowdfunding die erste Charge seiner Kinderschuhe produzieren und damit gleichzeitig auch die ersten Kunden beliefern konnte.

Crowdinvesting: Großes Kapital von vielen kleinen Investoren

Eine andere Form der Finanzierung durch die Masse ist das sogenannte Crowdinvesting. Es richtet sich vor allem an langfristige Unternehmungen und Projekte. Im Gegensatz zum Crowdfunding unterscheidet sich das Crowdinvesting vor allem dadurch, dass die Investoren am Startup beteiligt werden – ob in Form einer stillen Teilhaberschaft oder ganz offiziellen Unternehmensanteilen.

Die Motivation der Investoren ist weniger von der Begeisterung für ein neues Produkt getrieben als vielmehr von der Aussicht auf eine hohe Rendite, wenn das Unternehmen erfolgreich ist. Im Vergleich zum Crowdfunding können Startups auf diese Weise auch deutlich mehr Kapital in einer kurzen Zeit generieren.

Business Angels: Finanzierung von Mentoren

Bei Business Angels handelt es sich meist um erfolgreiche Unternehmer, Investoren oder frühere Gründer, die nun ihrerseits Startups in der frühen Phase ihrer Gründung unterstützen möchten - nicht nur finanziell, sondern vor allem auch ihrem Know-how als erfahrene Unternehmer, ihrem Branchenwissen und ihren Kontakten und Netzwerken. Im Gegenzug erhalten Business Angels Anteile am Startup.

Wer sich für die Zusammenarbeit mit einem Business Angel interessiert, kann sich dafür online beim Business Angel Netzwerk Deutschland bewerben. Dieses hat wie übrigens auch die Business Angel Agentur Ruhr seinen Sitz mitten im Ruhrgebiet - in Essen.

Venture Capital: Risikokapital für schnelles Wachstum

Das Venture Capital – auch Wagnis- oder Risikokapital – ist die klassische und vor allem in den USA populäre Form der externen Kapitalgeber. Risikokapital deshalb, weil Venture Capitalists meistens Millionen-Summen in Startups investieren – mit dem Risiko, dass die Investitionssumme verloren gehen kann, wenn das Startup scheitert.

Im Gegensatz zur Finanzierung durch Business Angels fällt Venture Capital in der Regel höher aus, aber auch mit weniger bereitgestellten „Extras“, wie Beratung und Netzwerk. Venture Capital gibt es vorwiegend für tech-basierte Startups mit skalierbarem Produkt, das mit dem Kapital ein deutliches Wachstum erwarten lässt. Dafür halten die VCs einen von Projekt zu Projekt unterschiedlich großen Anteil am Unternehmen.

Für Gründer im Ruhrgebiet gibt es mit dem Gründerfonds Ruhr übrigens einen neuen Venture Capital Fonds. Auch hierfür können sich Startups bewerben.

EXIST-Gründerstipendium für Hochschul-Startups

Wer aus der Hochschule heraus gründet, hat die Möglichkeit, eine ganz spezielle Förderung zu beantragen. Das vom Bund finanzierte EXIST-Gründerstipendium unterstützt ausgewählte innovative Ideen und Teams in der Vorgründungsphase mit Zuschüssen zum Lebensunterhalt bis zu einem Jahr.

Unterstützung und Beratung zur Antragstellung gibt es an jeder Hochschule, die Ausgründungen unterstützt und fördert.

Fazit

Neben den klassischen Finanzierungsformen wie dem Bankdarlehen oder der Eigenfinanzierung gibt es heute für Gründer und Startups vielfältige Möglichkeiten, das nötige Kapital zum Start aufzubringen.

Dabei sollten sich Gründer genau überlegen, welche Finanzierungsform oder Förderung für sie die passende ist und wofür sie das Geld benötigen. Außerdem sollten sie sich klar machen, was es bedeutet, wenn sie Anteile an ihrem Unternehmen abgeben würden.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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