Tourismus

Ein Tag auf dem Hamburger Fischmarkt

Jeden Sonntag wollen Tausende Besucher die einzigartige Atmosphäre des Hamburger Fischmarkts erleben.

Jeden Sonntag wollen Tausende Besucher die einzigartige Atmosphäre des Hamburger Fischmarkts erleben.

Foto: Axel Heimken

Hamburg.  Bis zu 70.000 Besucher kommen sonntags auf den Fischmarkt. Marktschreier bieten den ganzen Tag lang ihre Waren an – eine einzigartige Atmosphäre.

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"Rennt nicht weg, ich brauch doch euer Geld", schreit "Nudel-Olli" von der Ladefläche seines Lkws. Um seinen Stand herum hat sich eine Menschentraube gebildet. Bereits seit 18 Jahren verkauft er die italienische Spezialität aus Hartweizengrieß auf dem Hamburger Fischmarkt.

Eine Tüte voll mit etwa fünf Kilogramm der Teigware, von der Spaghetti bis zur Spiralnudel, können Interessierte bei ihm für rund zehn Euro erwerben. "Bitte nicht überlegen, als ob ihr euch ein Haus kauft. Es geht nur um Nudeln", schiebt Olli frech hinterher. Dort, wo am Donnerstag (10. Mai) der 829. Hafengeburtstag gefeiert wird, tummeln sich am Sonntagmorgen bereits vor Sonnenaufgang unzählige Besucher entlang der Waterkant im Stadtteil Altona.

Besucher und Angebot sind vielfältig

Nachtschwärmer, Touristen und Schnäppchenjäger - das Publikum auf dem Fischmarkt ist bunt gemischt. Manche sind extra früh aufgestanden, andere haben noch gar nicht geschlafen und sind gerade erst aus einem der Clubs auf der nahegelegenen Reeperbahn gestolpert. Genauso vielfältig wie die Besucher ist auch das Angebot. Neben allerlei Meeresfrüchten - ob fangfrisch, zubereitet im Brötchen oder geräuchert - werden auch lebende Tiere wie Hühner oder Tauben verkauft.

Für Gesundheitsbewusste gibt es Bastkörbe voll mit Obst: Ananas, Mangos, Trauben, Orangen, Avocados und passend zur Jahreszeit Spargel und Erdbeeren. Die geflochtenen Körbe werden so lange vollgepackt, bis sich ein Käufer findet. Neben Lebensmitteln bieten auch Pflanzenhändler ihre Ware feil. Für die Touristen gibt es darüber hinaus Souvenirs wie etwa Matrosenhemden oder die Elbphilharmonie im Mini-Format.

Marktschreier machen den Fischmarkt zu etwas Besonderem

Für die besondere Atmosphäre sorgen vor allem die Marktschreier, deren Rufe über die gesamte Verkaufsfläche von etwa 20.000 Quadratmetern ertönen. Neben "Nudel-Olli" heißen sie etwa "Aale-Dieter", "Bananen-Fred" oder "Käse-Tommi". Sie sind für ihre derben Sprüche bekannt. "Ihr seid hier auf dem Fischmarkt und ihr kauft Obst, oder was", raunt ein Fischhändler zwei Besucher an, die mit Taschen voller Früchte vorbeigehen und ihn ungläubig anstarren.

Bis zu 70.000 Menschen zieht es laut des Bezirksamts Altona jeden Sonntag an das Elbufer. "Wie viel wir verkaufen ist ganz unterschiedlich", berichtet ein Obstverkäufer. Gerade im Sommer laufe es bei ihm aber gut. Zwischen Mitte März und Mitte November beginnt bereits um fünf Uhr morgens der Verkauf, im Winter geht es erst um sieben Uhr los. Auf Kiezgänger, die noch nicht wollen, dass die Party zu Ende ist, wartet in der Fischauktionshalle ein Frühschoppen. Zum kalten Bier gibt es Live-Musik, aus dem 1894 erbauten Gebäude dröhnen Coversongs der Beatles.

Während die Stadt langsam erwacht, genießen Simone und Dettmar an der Kaimauer die ersten Sonnenstrahlen. Beide haben sich für ein belegtes Brötchen mit Backfisch zum Frühstück entschieden. Vor dem Hafenpanorama gönnen sich die Touristen eine Verschnaufpause, bevor sie ihre vollbepackten Einkaufstüten zurück zu ihrem Hotel bringen. "Eigentlich wollte ich nur eine Kleinigkeit kaufen", sagt die 56-Jährige lachend. Die beiden Sauerländer sind übers Wochenende in die Hansestadt gekommen. "Da darf ein Besuch auf dem Fischmarkt natürlich nicht fehlen", findet Dettmar.

Seit über 300 Jahren bei Einheimischen und Touristen beliebt

Den Markt gibt es bereits seit 1703 - mehr als 300 Jahre später ist er längst eine Institution geworden und bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt. "Es ist hier einfach eine ganz besondere Atmosphäre", schwärmt Hans, der im Stadtteil Eimsbüttel lebt. "So fangfrischen und günstigen Fisch bekommt man sonst nirgendwo."

Je später der Morgen, desto voller wird es Gegenüber des Containerhafens. In den engen Gassen zwischen den Ständen gibt es kaum noch ein Durchkommen. Pünktlich um 9.30 Uhr ertönt ein Glockenschlag, der das Ende des Fischmarkts einläutet. Am kommenden Wochenende muss er dem Hafengeburtstag Platz machen. Im Wasser wendet ein riesiges Kreuzfahrtschiff - bloß ein Vorgeschmack auf das größte Hafenfest der Welt, das von Donnerstag bis Sonntag (10. bis 13. Mai) vermutlich auch in diesem Jahr wieder um die eine Million Besucher in die Hansestadt locken wird. (dpa)

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