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Bei der "Unvollendeten" - die Altstadt von Santo Domingo

In die weite Welt: An der Mündung des Rio Ozama legen die Kreuzfahrtschiffe an.

In die weite Welt: An der Mündung des Rio Ozama legen die Kreuzfahrtschiffe an.

Foto: Tourist Board Dominikanische Republik

Santo Domingo.  Kolumbus war der Erste. Gut 500 Jahre später flogen die ersten Deutschen in die Hauptstadt der Dominikanischen Republik ein. Santo Domingos Altstadt hat viele Attraktionen und historische Rekorde zu bieten, doch nur relativ wenige Auslandstouristen kommen her. Die bleiben lieber im Strandhotel.

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Kinder füttern Tauben, Männer spielen Domino. Andere dösen auf Bänken unter hohen Bäumen. Zwei schicke Frauen mit Büchern und kurzen Röckchen schlendern über den Parque Colón zur nahen Kunstschule in der Fußgängerzone El Conde. Viele Männerblicke folgen. Die meisten Touristen bewundern hier im Herzen von Santo Domingos Altstadt aber eine andere Schönheit, eine unvollendete.

Weil sich viele der Arbeiter damals lieber auf Goldsuche machten, blieb die 1540 eingeweihte Kathedrale ohne Türme - bis heute. Weltberühmt ist sie dennoch. Santo Domingo, Hauptstadt der Dominikanischen Republik, wurde im August 1496 vom Kolumbus-Bruder Bartolomeo aus der Taufe gehoben und ist somit die älteste von Europäern errichtete Stadt in der Neuen Welt. Und die "Unvollendete" ist die älteste Kathedrale in Las Americas. Fort, Uni und andere Bauwerke verbuchen ebenfalls solche Rekorde. Die historischen Attraktionen im Weltkulturerbe-Viertel liegen nur ein paar Fußminuten auseinander.

Kein Geld für Müllabfuhr

Der Palast Alcázar de Colón, die Calle las Damas - das war die Promenade der spanischen Hofdamen - sowie das Fort Ozama mit dem Torre del Homenaje gehören zu den Stationen eines Altstadtbummels. Durch gepflasterte Gassen führt er vorbei an Arkaden, Brunnen, Herrschaftshäusern, Museen und kleinen Läden, einigen noblen Restaurants und Hotels. Schulkinder in weiß-blauen Uniformen erhalten gerade Geschichtsunterricht unter freiem Himmel. An der nahen Mündung des Rio Ozama dröhnen die Sirenen von zwei Kreuzfahrtschiffen. Am Rande der Zona Colonial sind viele Gassen schäbig. Putz blättert von den meisten Häusern.

Abseits von Geschäftszentren und feinen Wohnvierteln hat die Stadt ohnehin ein anderes Gesicht. Kleine, übelriechende Abfallberge türmen sich an etlichen Ecken. Für die Müllabfuhr fehlt der Stadt das Geld, ebenso für eine zuverlässige Stromversorgung.

Urlauber fliegen direkt zu den Badeorten

Während in den Metropolen von Kuba und Puerto Rico - Havanna und San Juan - noch am späten Abend Straßenmusikanten spielen und neugierige Touristen in Scharen durch die historischen Viertel flanieren, ist in Santo Domingos Zona Colonial fast überall tote Hose. Prunkvolle Gebäude werden angestrahlt. Doch nur wenige Menschen sind auf der Straße. Mancher fühlt sich nachts unsicher in dem Viertel. Hier nächtigen nur wenige ausländische Urlauber.

Vor 40 Jahren war Santo Domingo fast der einzige Ort in der Dominikanischen Republik, der von Touristen besucht wurde. An den Stränden gab es damals kaum Gästebetten. Heute landen oft nur Geschäftsleute und Einheimische in der Hauptstadt. Die meisten Urlauber fliegen gleich nach Punta Cana, La Romana oder Puerto Plata.

Lebhaft ist es am Abend nur an Teilen der langen Uferstraße der Hauptstadt, Malecón genannt. Merengue- und Salsa-Musik dröhnt aus Autos, Kiosken und Freiluft-Restaurants an der Strandpromenade. (dpa)

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