Salzburg/Zermatt. Geschützt vor Wind und Schnee auf beheizten Sitzen fährt es sich angenehmer als im zugigen Sessellift oder am Schlepplift-Bügel: Europäische Skigebiete rüsten im Wettbewerb um Urlauber auf.

Mehr Komfort, mehr Kapazität, mehr Technik: In vielen alpinen Skigebieten ersetzen leistungsfähigere Anlagen in die Jahre gekommene Vorgängerinnen. Auch neue Pisten gibt es zum Teil. Und in Deutschland? Hier ist ein bemerkenswerter Neubau zu verzeichnen: nicht etwa in den Alpen, sondern im Fichtelgebirge.

Laut dem Portal „Skiresort.de“ gehen diesen Winter weltweit rund 270 neue Anlagen in den Skigebieten in Betrieb - vom Förderband für Anfänger bis hin zu großen Gondelbahnen. Alle aufzuzählen, würde ein Buch füllen. Daher kommt hier eine feine Auswahl - die Top Ten der Skineuheiten in Europa:

1. Gondeln zum Ochsenkopf

Am Ochsenkopf (1024 m) im nordbayerischen Fichtelgebirge fährt ab diesem Winter eine neue Seilbahn die Nordseite des Berges hinauf und hinab. Ab dem 22. Dezember sollen die 40 Zehn-Personen-Gondeln ihren Betrieb aufnehmen (Kapazität: rund 2000 Personen/Stunde).

Das Skigebiet Ochsenkopf in Nordbayern bietet zehn Kilometer Pisten.
Das Skigebiet Ochsenkopf in Nordbayern bietet zehn Kilometer Pisten. © David-Wolfgang Ebener/dpa/dpa-tmn

Die Energie dafür liefert eine eigene Photovoltaik-Anlage. Die Seilbahn ersetzt einen alten Zweier-Sessellift, dessen Sitze als Ruhesessel in der Berglandschaft ein zweites Leben bekommen sollen, wie die Ferienregion Fichtelgebirge mitteilt.

Die Gondeln ermöglichen es Familien mit Kinderwagen und Menschen mit Behinderung leichter auf den Berg zu kommen. Der Betrieb ist ganzjährig geplant, im Sommer dann für Biker und Wanderer. Zum Winter 2024/2025 soll eine weitere Bahn an der Südseite des Berges folgen.

Auf diesem Bild ist die Talstation der Ochsenkopf-Bahn in Bischofsgrün noch im Bau - am 22. Dezember sollen hier die ersten Gondeln Richtung Gipfel losfahren.
Auf diesem Bild ist die Talstation der Ochsenkopf-Bahn in Bischofsgrün noch im Bau - am 22. Dezember sollen hier die ersten Gondeln Richtung Gipfel losfahren. © Kur- und Tourist Information Bischofsgrün/dpa-tmn

2. Lückenschluss am Matterhorn

Streng genommen ist sie keine Neuheit, weil die Seilbahn schon im Sommer eröffnet wurde. Doch nun profitieren auch Winterurlauber von dem Lückenschluss zwischen den Skigebieten von Zermatt im Schweizer Wallis und Cervinia im italienischen Aostatal durch die „Matterhorn Glacier Ride II“.

Atemberaubende Aussicht auch zwischen den Füßen: Einzelne Kabinen der Matterhorn Glacier Ride II haben einen Glasboden.
Atemberaubende Aussicht auch zwischen den Füßen: Einzelne Kabinen der Matterhorn Glacier Ride II haben einen Glasboden. © Zermatt Bergbahnen/dpa-tmn

Zugegeben: Pendeln auf Skiern zwischen den Gebieten war auch bisher schon möglich. Doch um von der Grenz-Bergstation Testa Grigia (3480 m) hinauf zur Matterhorn-Bergstation (3883 m) zu gelangen, mussten Urlauber früher zunächst Richtung Zermatt bis zur Station Trockener Steg (2939 m) abfahren, und von dort wieder hochfahren - nun kommt man auch von der italienischen Seite direkt hinauf.

Noch mehr profitieren Fußgänger und Winterwanderer. Die Gesamtfahrzeit mit allen Bahnen von Zermatt nach Cervinia beträgt rund anderthalb Stunden.

3. Gondeltaxis in Graubünden

Eine weitere spannende Neuheit in der Schweiz: In Flims Laax Falera in Graubünden startet eine Gondelbahn mit „Ropetaxi“-Technologie. Das System sorgt dafür, dass sich die Gondeln in der Station mit einem eigenen Elektroantrieb autonom bewegen und individuell je nach Fahrgastaufkommen fahren können, so die Bergbahn-Muttergesellschaft.

Nachdem die Fahrgäste ihr Ziel per Knopfdruck gewählt haben, geht es demnach ohne Umsteigen zu der gewünschten Bergstation. Für die flexible Streckenführung der Seilbahn sorgen Weichen in den Stationen.

Der Startschuss für die ersten Verbindungen des „FlemXpress“ ist Mitte Dezember geplant - zunächst zwischen Flims und Foppa sowie Foppa und Startgels. Die Stationen Segnes, Nagens Sura und Cassons sollen bis Ende 2024 angebunden werden.

4. Im Salzburger Land zieht eine Seilbahn um

Im Skiverbund Ski amadé zieht eine Achter-Kabinenbahn um. Bisher war sie in Dorfgastein-Großarltal im Einsatz. Nun soll sie abgebaut und auf der Fageralm wieder aufgebaut werden. In Dorfgastein eröffnet diesen Winter dafür eine neue, längere, leistungsfähigere Gondelbahn. Sie soll bis zum Kieserl (1953 m) hinaufgehen.

In Dorfgastein-Großarltal eröffnet eine neue Gondelbahn - die alte wird ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut.
In Dorfgastein-Großarltal eröffnet eine neue Gondelbahn - die alte wird ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut. © Ski Amadé/dpa-tmn

Weitere Seilbahnen, die in den österreichischen Alpen den Betrieb aufnehmen und ältere Anlagen ersetzen, im Kurzüberblick:

  • Die Komperdellbahn 2.0 im Tiroler Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis soll mit einer neuen Zwischenstation eröffnet werden - und kann bis zu 3000 Personen pro Stunde befördern.
  • Die neue Sonnkoglbahn am Rand der Kitzbüheler Alpen kombiniert Acht-Personen-Gondeln und Sechser-Sessellifte. Im Sommer sind die Gondeln auf der Schmittenhöhe bei Zell am See im Einsatz, um Wanderer und Familien mit Kinderwagen auf den Berg zu bringen. Im Winter werden die Sessel (beheizt, mit Wetterschutzhaube) genutzt, so dass Urlauber ohne Abschnallen der Skier den Berg hinauf kommen.
  • In der Zillertal Arena soll der Wilde Krimml X-Press die Verbindung zwischen Zell am Ziller und Gerlos bequemer machen. Nun geht es in Zehner-Gondeln mit Sitzheizung ohne Zwischenhalt noch schneller von der Krimml-Alm auf das sogenannte Übergangsjoch.
  • Das Skigebiet Schlick2000 im Stubaital bekommt mit der Galtbergbahn eine neue und verlängerte Verbindung oberhalb der Galtalm - vorher fuhr hier ein Schlepplift aus dem Jahr 1961. Vor allem Skianfänger sollen von den 23 neuen Zehner-Gondeln profitieren.
  • Am Arlberg hat in Stuben die Albonabahn I ein Upgrade bekommen. Statt eines Doppelsessellifts fahren dort nun Achter-Gondeln.
Die neue Sonnkoglbahn auf der Schmittenhöhe läuft im Winterbetrieb mit Sesseln - im Sommer fahren Gondeln.
Die neue Sonnkoglbahn auf der Schmittenhöhe läuft im Winterbetrieb mit Sesseln - im Sommer fahren Gondeln. © Schmittenhöhebahn AG/dpa-tmn

5. In Südtirol im Schienenbob den Berg hinab

In Schienenbobs den Hang hinunterdüsen: Diese rasante Alternative zum Skifahren soll es laut Südtiroler Tourismusmarketing voraussichtlich ab Dezember im Plose-Skigebiet bei Brixen geben. Der „Plosebob“ ist nicht die einzige Neuheit: Im Sommer wurde eine neue Seilbahn mit Zehner-Kabinen eröffnet, die nun in die erste Wintersaison startet.

Eine weitere Südtirol-News gibt es aus dem Ahrntal: In Klausberg fährt die Zehner-Kabinenbahn „Sonnen“ und ersetzt einen Sessellift. Zudem gibt es mehr als sieben Kilometer neue Pisten.

6. Babyexpress im Trentino

Das Skigebiet Paganella bei Trient bekommt eine neue Zehner-Gondelbahn - mit dem Namen „Babyexpress“. Passend, denn die 395 Meter kurze Seilbahn fährt an einer blauen Anfängerpiste entlang und soll vor allem Skischülerinnen und Skischüler transportieren. Die können sich freuen, denn bisher gab es dort einen in die Jahre gekommenen Sessellift - gerade für Beginner ist das Ein- und Aussteigen bei solchen Liften kein Vergnügen

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Das Skigebiet Campiglio liegt im Herzen der Dolomiten.
Das Skigebiet Campiglio liegt im Herzen der Dolomiten. © Molineris Daniele/Trentino/dpa-tmn

Erwähnenswert im Trentino ist auch die neue Seilbahn im Dolomitenskigebiet Campiglio, die von Prá Rodont zum Gipfel führt. Ihre Besonderheit: Durch unterirdische Stationen und eine reduzierte Zahl von Stützen soll sich die Bahn besser in die Umwelt einfügen.

7. Mehr Pisten in Spindlermühle

Das größte Skigebiet im tschechischen Riesengebirge wird erweitert: Zwei neue rote Pisten sollen ab diesem Winter im Rahmen des geplanten Zusammenschlusses der Teilgebiete von Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) zur Verfügung stehen. Geplant sind laut tschechischer Tourismuszentrale zudem neue Seilbahnen. Ihr Betriebsstart ist laut „Skiresort.de“ für 2026 geplant.

Mehr Optionen immer Winter: Im tschechischen Spindlermühle wurden über das Jahr hinweg zwei neue rote Pisten angelegt.
Mehr Optionen immer Winter: Im tschechischen Spindlermühle wurden über das Jahr hinweg zwei neue rote Pisten angelegt. © CzechTourism/dpa-tmn

8. Slowenische Sessellift-Neuheiten

Geht es um die Alpen, läuft Slowenien oft unter dem Radar. Doch auch in diesem Land wird investiert: Im Skigebiet Rogla bei Maribor geht ein neuer, beheizter Sechser-Sessellift in Betrieb. Er soll zwei über 40 Jahre alte Anlagen im Mašinžaga-Park ersetzen, so das Tourismusamt. Auch das Skigebiet Krvavec, der Hausberg Ljubljanas, bekommt eine neue Bahn mit beheizten Sitzen.

Das Krvavec-Gebiet gilt als der Hausberg von Sloweniens Hauptstadt Ljubljana.
Das Krvavec-Gebiet gilt als der Hausberg von Sloweniens Hauptstadt Ljubljana. © Iztok Medja/Slovenian Tourist Board/dpa-tmn

9. Gondeln statt Treppensteigen am Mount Blanc

In den französischen Alpen gibt es laut der Tourismusorganisation France Montagnes eine Reihe großer Neuheiten in den Skigebieten - etwa die neue Gletscher-Seilbahn in La Plagne und eine neue Bahn in Valmorel.

Besonders hervorgehoben wird die neue Verbindung La Mer de Clace im Mont-Blanc-Skigebiet. Sie führt von dem Wintersportort Chamonix am Ende der Zahnradbahn Montenvers auf den höchsten Berg der Alpen. Die neue Bahn ersetzt die aktuell mehr als 500 Stufen, die Freeriderinnen und Freerider nach oben schnaufen müssen, nachdem sie eine Tiefschneeabfahrt vom Gipfel Aiguille du Midi ins Vallée Blanche (Weißes Tal) - einem großen Gletscherbecken - gemacht haben.

Auch Fußgänger, die hinab zum Gletscher und zur Eishöhle Grotte de Glace wollen, haben es dank der neuen Bahn nun einfacher.

10. Finnlands erster Achter

Im hohen Norden an der Grenze zu Russland liegt das finnische Skigebiet Ruka - zwar nur auf 492 Meter Höhe, aber die Lage am Polarkreis sorgt für genug Kälte.

Hoch im Norden geht es nicht hoch hinaus: 492 Meter sind das Maximum im finnischen Skigebiet Ruka. Es gibt zwar viele Pisten, besonders lang sind sie aber alle nicht.
Hoch im Norden geht es nicht hoch hinaus: 492 Meter sind das Maximum im finnischen Skigebiet Ruka. Es gibt zwar viele Pisten, besonders lang sind sie aber alle nicht. © Ruka Ski Resort/dpa-tmn

Zur neuen Saison wird das Wintersportgebiet ausgebaut: Nach Angaben der Betreiber startet der erste Achter-Sessellift Finnlands. Bis zu 4000 Personen kann die Anlage pro Stunde im Masto-Areal befördern. Außerdem stehen dort vier neue Pisten zur Verfügung. (dpa)