Québec City. Gelb, Orange, Rot - in den schönsten Farben zeigt sich der Indian Summer im Nordosten Nordamerikas. Erleben lässt sich das nicht nur an Land ...

Helles Gelb, knalliges Orange, Rot in allen Schattierungen: Kurz bevor die Blätter von den Bäumen fallen, geben sie noch einmal alles.

Vor allem der Osten Kanadas und die Neuengland-Staaten der USA sind für das besonders farbenfrohes Naturphänomen bekannt, das den Abschied vom Sommer verzeihlich macht: den Indian Summer.

Durch die Wälder in goldenem Licht wandernd lässt es sich hautnah erkunden, schön anzusehen mit gebührendem Abstand ist es aber auch vom Wasser aus. Auf Herbst-Cruise mit dem Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ in sechs Stationen - von Québec bis Boston.

So leuchtend bunt wie in den Atlantikprovinzen Kanadas oder den Neuenglandstaaten der USA zeigt sich der Herbst kaum woanders.
So leuchtend bunt wie in den Atlantikprovinzen Kanadas oder den Neuenglandstaaten der USA zeigt sich der Herbst kaum woanders. © Michael Wilson/Visit Maine/dpa-tmn

1. Québec City, Kanada

Das 300-Meter-Schiff liegt im St.-Lorenz-Strom in Québec vertäut. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist Startpunkt der Reise. Bevor die „Norwegian Pearl“ ausläuft, können die Top-Sehenswürdigkeiten besucht werden.

Dazu zählen die auf den Klippen des Cap Diamant thronende Oberstadt, mit der massiven Stadtmauer eingehegter Teil der Altstadt Vieux-Québec und der Zitadelle als Blickfang; das Fort wurde vor 200 Jahren errichtet.

Die 1608 gegründete Stadt gehört seit Jahren zum Weltkulturerbe der Unesco, als Beispiel für eine bestens erhaltene, befestigte Stadt. Sehenswerter Teil von Quebecs Altstadt, das als Wiege der französischen Zivilisation in Nordamerika gilt, ist auch die Unterstadt rund um Place Royale und Hafen.

Startpunkt der Kreuzfahrt ist Québec City: Bevor das Schiff ablegt, empfiehlt sich eine Stadtbesichtigung.
Startpunkt der Kreuzfahrt ist Québec City: Bevor das Schiff ablegt, empfiehlt sich eine Stadtbesichtigung. © Jeff Frenette/Destination Canada/dpa-tmn

2. Charlottetown, Prince Edward Island, Kanada

Nachdem das Passagierschiff der Reederei NCL seine Fahrt Richtung Osten fortgesetzt hat, das Gewässer nicht mehr Strom, sondern Sankt-Lorenz-Golf heißt, wird PEI erreicht. So nennen die Kanadier Prince Edward Island, kleinste kanadische Provinz - und die einzige, die eine Insel ist.

Für einen Tag geht die „Norwegian Pearl“ in der Hauptstadt vor Anker. Ein gleichsam geschichtsträchtiger Landgang: In Charlottetown wurde bei einer Konferenz im Jahr 1864 das heutige Kanada gegründet. Ein mächtiges Bauwerk erinnert an diesen Beschluss vor fast 160 Jahren: die Confederation Bridge. Sie ist fast 13 Kilometer lang und verbindet PEI mit dem Festland.

Weniger politisch, aber für die touristische Entwicklung der Insel bedeutsam, ist das Denkmal, das die Autorin Lucy Maud Montgomery PEI gesetzt hat. Für ihr Kinderbuch „Anne of Green Gables“, erschienen 1908, ließ sie sich von den Landschaften und den Menschen ihrer Heimatprovinz inspirieren lassen. Vielerorts auf der Insel werden die Autorin und ihr Werk gewürdigt. In Cavendish, wo sie jahrelang lebte und begraben liegt, steht eine Statue von Montgomery.

3. Sydney, Cape Breton Island, Nova Scotia, Kanada

Der erste Stopp in Neuschottland bringt laute Klänge. Jeff Ward, der sich Dancing Sun nennt, steht in der strahlenden Herbstsonne vor dem Membertou Heritage Park in Sydney. Er hält eine lederbespannte Trommel in der Hand und schlägt damit einen eingehenden Rhythmus.

Dancing Sun - Federkopfschmuck, perlenbestickte Lederkleidung - erzählt dabei von der Geschichte seines Volkes der Mi’kmaq. Seit Jahrhunderten leben die Mi’kmaq in dem Gebiet, das als Cape Breton Island vor allem für seine Wanderwege am Atlantik und als Heimat des Erfinders Alexander Graham Bell bekannt ist.

Sydney, Cape Breton Island: Im Membertou Heritage Park erzählt Jeff Ward alias Dancing Sun von der Geschichte seines Volkes der Mi’kmaq, die seit Jahrhunderten im Gebiet von Cape Breton Island leben.
Sydney, Cape Breton Island: Im Membertou Heritage Park erzählt Jeff Ward alias Dancing Sun von der Geschichte seines Volkes der Mi’kmaq, die seit Jahrhunderten im Gebiet von Cape Breton Island leben. © Verena Wolff/dpa-tmn

Membertou heißt ein Ortsteil von Sydney, in dem die Mi’kmaq eigenregiert leben. In ihrem Heritage Center geben sie Kreuzfahrern und anderen Interessierten Einblicke in das Leben ihrer Vorväter.

Austausch mit den Gästen im Membertou Heritage Center: Jeff Ward alias Dancing Sun.
Austausch mit den Gästen im Membertou Heritage Center: Jeff Ward alias Dancing Sun. © Destination Cape Breton Association/dpa-tmn

4. Halifax, Nova Scotia, Kanada

Noch einmal macht die „Norwegian Pearl“ halt in der Provinz Nova Scotia. Die Hauptstadt Halifax mit ihrem schottischen Erbe steht auf dem Programm. Halifax spielte auch eine wichtige Rolle nach dem Untergang der „Titanic“ im April 1912, bis heute verarbeitet man vor Ort die Schiffskatastrophe.

Von Halifax aus sind Schiffe aufgebrochen, um auf See Menschen zu retten und Opfer zu bergen. Auf drei Friedhöfen in der Stadt liegen Passagiere und Besatzungsmitglieder begraben. Im Maritime Museum of the Atlantic sind Artefakte des vermeintlich unsinkbaren Schiffs ausgestellt, darunter ein Liegestuhl.

Museum of the Atlantic: In Halifax lässt sich viel über die Schifffahrtsgeschichte Nova Scotias erfahren.
Museum of the Atlantic: In Halifax lässt sich viel über die Schifffahrtsgeschichte Nova Scotias erfahren. © Acorn Art & Photography/Tourism Nova Scotia/dpa-tmn

Wer aus der Stadt hinausfährt hat die Wahl zwischen zahlreichen kleinen Orten - etwa entlang der Lighthouse Route, auf der mehr als 20 Leuchttürme zu sehen sind. Als schönster Spot von ihnen gilt das Fischerdorf Peggy’s Cove. Der dortige Turm ist etwa 15 Meter hoch, beeindruckend ist vor allem seine Lage auf einem weitläufigen Felsen in der St. Margaret’s Bay.

Ein scheinbar beschauliches Fischerdorf an der Küste Nova Scotias ist Peggys Cove.
Ein scheinbar beschauliches Fischerdorf an der Küste Nova Scotias ist Peggys Cove. © Verena Wolff/dpa-tmn

Ebenfalls ein Postkartenmotiv: Lunenburg, die älteste deutsche Siedlung in Kanada. Gegründet wurde das Örtchen 1753 von Siedlern, die aus dem Süd-Rheinland, der Schweiz und dem protestantisch-französischen Fürstentum Montbéliard kamen. Auch Lunenburg ist Unesco-Welterbe, hier haben es die bunten Holzhäuser im Stadtkern den Juroren angetan.

Ein Postkartenmotiv: Lunenburg, die älteste deutsche Siedlung in Kanada. Gegründet wurde das Örtchen, heute wegen der bunten Holzhäuser im Stadtkern Teil des Unesco-Welterbes, 1753.
Ein Postkartenmotiv: Lunenburg, die älteste deutsche Siedlung in Kanada. Gegründet wurde das Örtchen, heute wegen der bunten Holzhäuser im Stadtkern Teil des Unesco-Welterbes, 1753. © Acorn Art & Photography/Tourism Nova Scotia/dpa-tmn

5. Portland, Maine, USA

Auch an der US-Ostküste gibt es ein Portland, nicht nur die Hipster-Town im Staat Oregon. Dieses Portland, die größte Stadt in Maine, neuenglischer US-Bundesstaat am Atlantik, hat aber nur etwa ein Zehntel der rund 660.000 Einwohner des Namensvetters an der Westküste.

Wer Peggys Cove besucht, der wird wohl auch über die weitläufige Felsenlandschaft kraxeln, in die der bekannte Leuchtturm gebaut wurde.
Wer Peggys Cove besucht, der wird wohl auch über die weitläufige Felsenlandschaft kraxeln, in die der bekannte Leuchtturm gebaut wurde. © Verena Wolff/dpa-tmn

Die „Norwegian Pearl“ legt, wie fast an allen Häfen dieser Reise, in Laufnähe zur Innenstadt an, so dass die Passagiere eine Runde durch den Ort mit Seehafen und Bebauung aus viktorianischer Zeit drehen können. Manche entscheiden sich für ein Leihrad - perfekt, um auch hier die Leuchttürme der Umgebung anzuschauen.

Das Portland in Oregon ist viel bekannter, aber auch an der US-Ostküste gibt es ein Portland. Nur: Unter Skippern scheint auch die 70.000-Einwohner-Stadt mit ihrem betriebsamen Hafen kein Geheimtipp mehr zu sein.
Das Portland in Oregon ist viel bekannter, aber auch an der US-Ostküste gibt es ein Portland. Nur: Unter Skippern scheint auch die 70.000-Einwohner-Stadt mit ihrem betriebsamen Hafen kein Geheimtipp mehr zu sein. © Visit Maine/dpa-tmn

Zwar gibt es keine ausgewiesene Lighthouse Route wie in Nova Scotia. Doch allein das Portland Breakwater Lighthouse am nahen Greenbelt Walkway lohnt: Es ist elegant und aufwendig gestaltet, aber der kleinste Leuchtturm weit und breit und wird deshalb liebevoll-spöttisch „Bug Light“ genannt.

Am Cape Elizabeth liegt Portland Head Light, der älteste Leuchtturm im Staat Maine.
Am Cape Elizabeth liegt Portland Head Light, der älteste Leuchtturm im Staat Maine. © Verena Wolff/dpa-tmn

Ein paar Meilen weiter am Cape Elizabeth liegt Portland Head Light, der älteste Leuchtturm im Staate. Am 10. Januar 1791 wurden die 16 Walöl-Lampen im Turm zum ersten Mal entzündet. Ein Museum mit stark eingeschränkten Öffnungszeiten ist in der früheren Wohnung des Wärters untergebracht: Die 85 Stufen auf den Turm dürfen Besucher nur ein Mal im Jahr erklimmen.

Weil er so klein ist, nennt man ihn Bug Light. Doch eigentlich heißt der aufwendig gestaltete Leichtturm am Greenbelt Walkway in Portland Breakwater Lighthouse.
Weil er so klein ist, nennt man ihn Bug Light. Doch eigentlich heißt der aufwendig gestaltete Leichtturm am Greenbelt Walkway in Portland Breakwater Lighthouse. © Verena Wolff/dpa-tmn

6. Boston, USA

Auch Boston, Endpunkt der NCL-Kreuzfahrt „Kanada und Neuengland“, ist wie ihr Starthafen Québec eine der ältesten Städte auf dem nordamerikanischen Kontinent. Auch hier: kopfsteingepflasterte Straßen, opulente historische Gebäude, charmante Plätze.

Damit zählt Boston zu den europäischsten Städten in Nordamerika. Boston wurde 1630 und damit ein paar Jahre später als Québec gegründet. 1620 war die „Mayflower“ mit den Pilgervätern an Bord am Cape Cod vor Anker gegangen.

Boston besitzt zwar keinen Unesco-Titel, dafür aber liegt die älteste Universität der USA (Harvard)vor den Toren der Stadt. Boston spielte auch eine wichtige Rolle bei der späteren Unabhängigkeit der Amerikaner von der britischen Krone.

Entlang des Freedom Trails, einer etwa vier Kilometer langen roten Linie, die durch die Stadt führt, können Besucher die 16 wichtigsten Stationen der Geschichte ablaufen, darunter das Old State House: Hier wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten proklamiert.

Mitten in der größten Stadt Neuenglands spielt der Indian Summer eine untergeordnete Rolle - doch in die Stadtparks, darunter der Boston Common als ältester seiner Art in den ganzen USA, streckt er seine Fühler aus.

Endpunkt der Kreuzfahrt ist Boston.
Endpunkt der Kreuzfahrt ist Boston. © Tim Grafft/MOTT/dpa-tmn

Übrigens:

Die siebentägige Kreuzfahrt mit der „Norwegian Pearl“ nennt sich „Kanada und Neuengland“ und kostet im „Fly & Cruise“-Paket derzeit ab 1437 Euro pro Person, Ausflüge werden zusätzlich berechnet.

Weitere Informationen: www.ncl.com

(dpa)