Gutes Gewissen auf See

"Aida Nova" ist das erste Flüssiggas-Schiff

Lissabon   Die "Aida Nova" ist das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das beim Antrieb auf Flüssigerdgas setzt. Was Urlauber auf dem Aida-Flaggschiff erwartet.

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Kapitän Boris Becker ist erleichtert. Die Überfahrt von Bremerhaven über Rotterdam nach Portugal verlief ohne Probleme, auch das Anlegen in Lissabon - obwohl der Wind von vorne mit 40 Knoten kam. Das Anlegemanöver wäre eigentlich nicht der Rede wert. Doch der Kapitän steuert ein besonderes Kreuzfahrtschiff. Die "Aida Nova" ist das erste Kreuzfahrtschiff, das hauptsächlich mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben wird - sowohl im Hafen als auch auf See. Marinediesel kommt nur unterstützend zum Einsatz.

Das Schiff ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer saubereren Kreuzfahrt. Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden werden nahezu vollständig vermieden. Der Ausstoß von Stickoxiden und CO2 ist geringer. Schweröl wird nicht verfeuert. Auch der Nabu hält LNG aus Luftreinhaltungssicht für einen großen Gewinn. Beim Anlegen würden keine giftigen Dieselabgase mehr in die Luft gepustet, erklärt der Verband auf Anfrage. LNG bleibe jedoch ein fossiler Kraftstoff und sei aus Klimaschutzsicht daher nicht zu begrüßen.

16 Restaurants, ein Streetfood-Bereich und 23 Bars

Die "Aida Nova" ist gemessen an der Passagierzahl auch eines der größten Schiffe der Welt. Die 2626 Kabinen bieten Platz für 6600 Gäste. Die Auslieferung des Neubaus musste um einige Wochen verschoben werden. Nun ist das Schiff in Dienst gestellt worden. Die Reederei setzt dabei ein Konzept fort, das mit «Prima» und «Perla» begann: Urlaub für alle. Das Schiff als eigentliche Destination will viele Zielgruppen ansprechen: Familien, Paare, Aktive, Genießer, Jüngere. Das Angebot muss entsprechend vielfältig sein. Und das geht nur auf einem besonders großen Schiff.

An Bord gibt es fünf im Reisepreis inkludierte Buffetrestaurants, fünf Spezialitätenrestaurants, in denen Getränke extra kosten, und sechs Restaurants à la carte, wo für Speisen und Drinks bezahlt werden muss. Hinzu kommt ein Street-Food-Bereich mit Döner, Currywurst und Stullen. Darüber hinaus befinden sich an Bord 23 Bars, darunter die neue Rock Box Bar: Backstein-Optik, Pub-Feeling - und eine ziemlich laute Band.

Gastronomie als Zeitmaschine

Einige Lokale wie das Markt Restaurant und Rossini sind altbekannte Klassiker. Neu im Buffetbereich ist das Yachtclub Restaurant - mit Service kommen ein Burgerrestaurant, das Churrascaria Steakhouse, das Fischrestaurant Ocean's im maritimen Stil und der Teppanyaki Asia Grill. Hier bereitet ein Koch das japanische Essen vor den Augen der Gäste zu, mit viel Dampf und einigen Scherzen. Im Asia-Bereich gibt es nun Tandoori-Öfen zum Garen von Fleischspießen.

In Sachen Entertainment gibt es ebenfalls Neues: Das Restaurant Time Machine führt in eine Zeitmaschine, Schauspieler treten auf. Der Eintritt führt durch einen Raum, der durch Ruckeln und Soundeffekte einen Aufzug simuliert.

Das Theatrium wurde weiterentwickelt. Die 360-Grad-Bühne in der Mitte des Schiffes hat nun einen sogenannten Magic Tunnel, eine Art Fahrstuhl für Auftritte der Artisten. Elf LED-Wände und weitere Effekte setzen die neuen Shows an Bord in Szene. Außerdem neu ist ein voll ausgestattetes TV-Studio für Klassiker wie "Wer wird Millionär?", aber auch eigene Formate.

Penthouse-Suite über zwei Decks

Wieder dabei sind der Beach Club mit Live-Musik am Abend, der Klettergarten, die Doppelrutsche für Rennen und natürlich die Kinderbetreuung, gestaffelt nach Altersstufen. Die komplett in Weiß gehaltene Champagnerbar von der "Perla" ist dagegen verschwunden, ebenso wie die Glasaufzüge. Der Spa-Bereich auf der "Nova" misst 3545 Quadratmeter, der Tagespreis beträgt 35 Euro. Der Zugang ist auf maximal 189 Gäste limitiert, rund die Hälfte der Plätze lässt sich vorbuchen. Erstmals gibt es ein Outdoor-Fitnessstudio.

Auf der "Nova" gibt es erstmals Einzelkabinen (mit schmalen Betten), je zwölf innen und außen. Neu sind zudem eine Penthouse-Suite über zwei Decks und mit 73 Quadratmetern und Sonnendeck sowie Junior-Suiten mit Wintergarten. 21 Kabinentypen stehen zur Auswahl. Das Design der Kabinen ist modern, klar und zeitgemäß. Viele öffentliche Bereiche an Bord sind betont gemütlich. Aida will den Eindruck vermeiden, ein Riesenschiff sei unpersönlich. Auch die einzelnen Restaurants sind zum Beispiel nicht größer geworden.

Zwei weitere Schiffe für 2021 und 2023 geplant

In der Premierensaison ist die "Aida Nova" auf siebentägigen Kreuzfahrten rund um die Kanaren und nach Madeira unterwegs: ab/bis Gran Canaria oder Teneriffa. Im April geht es dann ins westliche Mittelmeer mit den Zielen Mallorca, Barcelona, Marseille, Livorno/Florenz und Civitavechia/Rom.

Zwei weitere Schiffe mit LNG-Antrieb will Aida 2021 und 2023 in Dienst stellen. Dann sollen schon mehr als die Hälfte der Aida-Gäste auf LNG-Schiffen unterwegs sein. Der Kraftstoff sei derzeit der beste Weg, um die Kreuzfahrt umweltfreundlicher zu gestalten, sagt Aida-Präsident Felix Eichhorn. "Wir glauben aber, dass man langfristig auch noch andere Antriebsformen finden kann." (dpa)

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