Handicap

Zehntausende Jobs für Schwerbehinderte fehlen in NRW

Christopher Krug hat einen Arbeitsplatz für Schwerbehinderte bei der Stadtverwaltung Unna

Christopher Krug hat einen Arbeitsplatz für Schwerbehinderte bei der Stadtverwaltung Unna

Foto: Dittrich

Im Rheinland.   In NRW fehlen laut LVR-Inklusionsamt immer noch Zehntausende Jobs für Schwerbehinderte - und das obwohl viele Bewerber gut qualifiziert sind.

Die gute Nachricht: Mit öffentlicher Förderung haben öffentliche und private Arbeitgeber im Jahr 2017 im Rheinland 156 neue Arbeitsplätze für Schwerbehinderte geschaffen; zudem konnten 64 bestehende Jobs, die betriebsbedingt oder wegen der Behinderung des Mitarbeiters gefährdet waren, durch die Einrichtung neuer behindertengerechter Beschäftigungsmöglichkeiten gesichert werden.

Das geht aus dem neuen Jahresbericht des Inklusionsamtes beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) hervor. Die schlechte Nachricht: NRW-weit fehlen immer noch Zehntausende Jobs für Schwerbehinderte.

Breite Förderpalette

Von Oktober 2016 bis September 2017 waren in NRW im Schnitt 47.784 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet, berichtet die Regionalagentur für Arbeit. Das waren zwar 571 weniger als im Jahresdurchschnitt 2016. Weil aber die Arbeitslosenzahl insgesamt noch deutlicher abnahm, stieg der Anteil der Schwerbehinderten an den Erwerbslosen. Als schwerbehindert gilt, wer laut ärztlicher Begutachtung mit einem Grad von 50% und mehr beeinträchtigt ist.

„Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, welche Förderungen alles möglich sind“, sagt Emel Ugur vom LVR-Inklusionsamt. Dass der Staat bei schwerbehinderten Azubis bis zu 80% des Lehrlingslohn übernimmt, und bis zu 80% Eingliederungszuschuss möglich sind, hat sich ebenso wenig herum gesprochen wie, dass die behindertengerechte Einrichtung eines Arbeitsplatzes vollständig übernommen werden kann. Was Ugur freut: „Viele Arbeitgeber berichten, dass sich nach der Einstellung und durch den Umgang mit Schwerbehinderten das Arbeitsklima im Betrieb positiv verändert hat.“

60% suchen Fachkraft-Job

Bemerkenswertes berichtet die Regionalagentur für Arbeit: Knapp 60% aller Arbeitslosen mit Schwerbehinderung suchen eine Tätigkeit als Fachkraft. Bei Arbeitslosen ohne Schwerbehinderung seien es nur etwa 43%. Die von schwerbehinderten Arbeitslosen am stärksten nachgefragten Tätigkeiten auf Fachkraft-Niveau gehörten den Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufen an. Mehr als 7.300 schwerbehinderte Personen suchen laut Agentur in dem Bereich einen Arbeitsplatz.

Ein Agentursprecher sagte: Bei schwerbehinderten Menschen, die Helfertätigkeiten anstreben, ist es aufgrund der großen Konkurrenz umso wichtiger, dass sie sich für Tätigkeiten zur Verfügung stellen, die auch nachgefragt werden – etwa im Bereich Verkehr und Logistik – wurden in der Zeit vom Oktober 2016 bis September 2017 immerhin mehr als ein Viertel aller freien Arbeitsplätze auf dem Helfer-Arbeitsmarkt gemeldet, rund 27.500. Vom 3. bis 7. Dezember wird die Arbeitsagentur wieder mit einer landesweiten Aktionswoche für die Einstellung Schwerbehinderter werben.

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