Nahverkehr

VRR rechnet bei neuer Ticket-App nach Kilometern ab

VRR testet digitales Ticket im Nahverkehr

Der VRR testet für 18 Monate im gesamten VRR-Gebiet das elektronische nextTicket.

Der VRR testet für 18 Monate im gesamten VRR-Gebiet das elektronische nextTicket.

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An Rhein und Ruhr.   Für Nutzer des neuen VRR-Nexttickets soll es keine Tarifzonen mehr geben. Ab dem Sommer rechnet der VRR dann 20 Cent pro Kilometer ab.

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Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) kommt dem Taxifahren ein Stückchen näher: Der Mitarbeiter der Rheinbahn zeigt’s auf dem Smartphone. Gerade eben ist die Straßenbahn am Betriebshof Lierenfeld in Düsseldorf losgefahren, hat die ersten Haltestellen Richtung Innenstadt passiert, da springt der Betrag auf dem Bildschirm um: Statt der Kurzstrecke für 1,60 Euro wird jetzt die Preisstufe A für 2,80 Euro fällig. Stiege der Kunde mit dem elektronischen Ticket jetzt in den RE5 nach Wesel, würde die Anzeige hochwandern bis in zur teuersten Preisstufe D für 15,30 Euro

Einchecken und Auschecken per App

Das alles aber soll die neuen Kunden im Verkehrsbund gar nicht zwingend interessieren müssen: Wer sich für das „NextTicket“ registriert, muss nur per App einchecken, ehe er in Bus, Bahn oder Zug steigt – und wieder auschecken, wenn er am Ziel angekommen ist.

Noch in dieser Wahlperiode – also bis 2022 – soll das in ganz Nordrhein-Westfalen möglich sein: Mit elektronischen Tickets den Nahverkehr verbundüberschreitend nutzen. Die Fahrt wird anschließend zum günstigsten möglichen Tarif punktgenau abgerechnet. Das kündigte Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gestern bei der Vorstellung des „NextTickets“ in Düsseldorf an.

Der VRR startet im März die erste Stufe seines neuen Ticketsystems „NextTicket“ mit bis zu 9000 Testkunden, 3200 Nutzer hätten sich bereits für das System, das auf Smartphones und Tablets basiert, angemeldet, so der VRR. Im Juni soll die zweite Stufe des Ticketsystems eingeführt werden.

Für bisherige Abo-Kunden ist das Nextticket wohl nicht attraktiv

Das Versprechen des Verkehrsverbundes: Am Ende des Monats wird der bestmögliche Tarif abgerechnet. Heißt: aus den 15,30 Euro für die Einzelfahrt von Düsseldorf nach Wesel können Vierertickets oder gar Zehnertickets werden – mit entsprechendem Preisnachlass. Heißt aber auch: für den bisherigen Abo-Kunden, der jeden Tag im VRR unterwegs ist, so wie drei von vier VRR-Nutzern, ist das neue Angebot nicht attraktiv.

„Der Kunde muss sich nicht mit dem Tarif befassen, er muss ihn auch nicht kennen. Wir hoffen damit vor allem auf mehr Nutzer im Freizeitbereich und wollen so die Verkehrswende angehen“, sagt denn auch José Luis Castrillo, VRR-Vorstandschef. Und die Gelegenheitskunden sollen ihre Hemmungen vorm Rätselraten am Automaten genauso verlieren können wie die Befürchtung, mit dem falschen Ticket im Tarifdschungel des VRR verloren zu gehen.

„Die Menschen in Nordrhein-Westfalen wollen mit dem ÖPNV schnell, unkompliziert und günstig von A nach B kommen. Die Digitalisierung bietet der ÖPNV-Branche die Chance, den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr zu erleichtern. Der Praxistest ist dabei der Anfang eines Prozesses. Ziel muss ein verbundübergreifender eTarif sein“, so NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst.

Noch in dieser Wahlperiode, also bis zum Frühjahr 2022, soll dann in ganz NRW möglich sein, was ab Juni bereits mit dem VRR-NextTicket funktioniert: Statt Waben- und Zonen gibt es dann – Kilometer! Das erinnert noch mehr als Taxifahren: Neben einem Grundpreis (ca 1,40 Euro pro Fahrt) wird kilometergenau abgerechnet: 20 Cent soll der Kilometer kosten, zu Grunde gelegt wird dabei der kürzeste Linienweg.

Beim Nextticket können bis zu fünf Leuten mitfahren

Heißt: Wer zum Beispiel von Meerbusch nach Essen-Kettwig reist, könnte über Duisburg fahren, abgerechnet wird aber der kürzere Weg über Düsseldorf. Ebenfalls attraktiv: in der Ticket-App lässt sich einstellen, dass man bis zu vier Mitfahrer mitnimmt und auch die erste Klasse in Zügen lässt sich zubuchen. Das Smartphone wird gewissermaßen zum Taxameter in der Hosentasche – und ist ziemlich intuitiv zu bedienen.

Bisher haben sich 3200 Nutzer für das neue „NextTicket“ registrieren lassen, die Pilotphase, in der sowohl technische Umsetzung wie auch Kundenzufriedenheit ermittelt werden sollen, ist mit 18 Monaten angesetzt, bis zu 9000 Menschen können in dieser Phase beim neuen Ticket zusteigen. Ach ja: Einen Zwangsumstieg ins neue Tarifsystem wird es nicht geben: Die bisherigen Fahrscheine auf Papier oder elektronisch soll es weiterhin geben, so der VRR.

>>>SO FUNKTIONIERT ES MIT NEXTTICKET

Wer die bisherige App des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) schon auf dem Smartphone oder dem Tablet hat, muss sich für die „NextTicket“-Version gar nicht groß umgewöhnen: Das Programm liefert Fahrtverbindungen zwischen Standort und gewünschtem Ziel.

Dann muss sich der Kunde nur noch per Knopfdruck einchecken an der Starthaltestelle und wieder auschecken, wenn er am Zielort aussteigt. Die App errechnet automatisch das günstigste Ticket (monatsweise) ab.

Ab Juni werden die Fahrten dann sogar nach Kilometern abgerechnet. Ob und wieviele Tarifgrenzen zwischen Start und Ziel liegen, ist dann nicht mehr interessant. Info: www.nextTicket.de

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