Wildtiere

Verbot für gefährliche Tiere in NRW soll noch 2015 kommen

Eine schwarze Mamba hat einen 26-jährigen Mülheimer gebissen. Sollte das Gesetz zur Haltung von Gefahrentieren Ende des Jahres in Kraft treten, wäre die Haltung einer solchen Giftschlange verboten.

Eine schwarze Mamba hat einen 26-jährigen Mülheimer gebissen. Sollte das Gesetz zur Haltung von Gefahrentieren Ende des Jahres in Kraft treten, wäre die Haltung einer solchen Giftschlange verboten.

Foto: dpa

Düsseldorf/Mülheim.  Sechs Unfälle mit Giftschlangen hat es in NRW in den vergangenen zwei Jahren gegeben. Noch 2015 soll ein Gesetz die Haltung solcher Tiere verbieten.

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Der Fall des Mülheimers, der den giftigen Biss seiner schwarzen Mamba nur knapp überlebte, zeigt nach Ansicht des NRW-Umweltministeriums, wie dringlich die Umsetzung des lange geplanten Gesetztes zur Haltung gefährlicher Tiere ist. Tierschützer verlangen gar eine bundesweite Regelung: Der Unfall in Mülheim sei kein Einzelfall und sollte die Bundesregierung alarmieren, die Haltung von gefährlichen Tieren in allen Ländern einheitlich zu regeln.

Die private Haltung von Tieren wie einer schwarzen Mamba sei nicht nur riskant. Unfälle wie in Mülheim stellten ebenso eine finanzielle Belastung für die Allgemeinheit dar, so Frank Seidlitz, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Um den 26-jährigen Mülheimer zu retten, musste ein Hubschrauber zum Einsatz kommen, der das Gegengift vom Uniklinikum Düsseldorf zum Patienten brachte.

Verbot noch in diesem Jahr

Um Vorfälle wie in Mülheim zu vermeiden, hatte das Landeskabinett im Oktober 2014 einen Gesetzesentwurf zur Haltung gefährlicher Tiere beschlossen. Nach einer Expertenanhörung musste der Entwurf ein zweites Mal durch das Kabinett. "Noch in diesem Jahr soll der Landtag dem Gesetz zustimmen", kündigt Seidlitz an. Bis zum Ende des Jahres wird die Haltung von Giftskorpionen, Krokodilen oder Raubkatzen dann voraussichtlich verboten sein (die Liste mit allen Tieren gibt es hier).

Allerdings werden Halter gefährlicher Arten nicht gezwungen, ihre Tiere direkt abzugeben. Für sie soll eine Übergangsfrist bis zum Tod der Tiere gelten. Aber die Exoten müssen angemeldet werden - gleiches gilt für weniger gefährliche Tiere wie Vogelspinne oder Würgeschlangen.

Tierschützer begrüßen Gesetz

Aus Sicht des Landestierschutzverbandes NRW ist das geplante Gesetz ein Schritt in die richtige Richtung. Verbandssprecher Dr. Ralf Unna hofft, dass die Neuregelung dazu führt, dass der nicht artgerechte Handel einiger exotischen Arten in NRW eingedämmt werde.

"Mit vielen dieser Tiere, gerade mit Reptilien, wird auf Börsen gehandelt", sagt der Tierarzt. "Ein Teil des Klientels, das sich dort bedient, ist nicht besonders zuverlässig. Wenn die Tiere größer werden und womöglich außer Kontrolle geraten, landen sie dann im Teich oder bei den Tierheimen."

Letztere müssten immer mehr Exoten aufnehmen, obwohl das Personal überhaupt nicht im Umgang mit ihnen geschult sei. In den vergangenen fünf Jahren haben die mehr als 700 Mitgliedstierschutzvereine des Deutschen Tierschutzbundes nach eigenen Angaben rund 30 000 Reptilien aufgenommen.

Tierschutzbund verlangt bundesweite Regelung

Nordrhein-Westfalen wäre das neunte Bundesland, das eine Regelung für Gefahrentiere schaffen will. Nur Hessen und Berlin haben bisher die Haltung besonders gefährlicher Tiere grundsätzlich untersagt. Andere Bundesländer sehen hier Ausnahmeregelungen oder Erlaubnispflichten vor. Um in allen Ländern die gleichen Tierschutz-Standards geltend zu machen, verlangt der Deutsche Tierschutzbund, dass die Haltung exotischer Tiere auf Bundesebene reglementiert wird.

„Wir brauchen dringend Regelungen für Zucht, Handel und Haltung von Wildtieren, denn Tausende Tiere leiden in deutschen Wohnzimmern und viele sind lebensgefährlich, wie der Fall in Mülheim belegt", sagte Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes. Es sei wichtig, dass die Bundesregierung ihre Ankündigung aus dem Koalitionsvertrag realisiere und demnach etwa ein Einfuhrverbot von Wildfängen sowie ein Verbot gewerblicher Tierbörsen durchsetzte.

Sechs Vorfälle in zwei Jahren

Das jüngste Unglück in Mülheim ist der sechste Giftschlangenunfall in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zwei Jahren. Im April 2015 wurde ein 48-jähriger Halter aus der Gemeinde Extertal von seiner Gabunviper gebissen, als er ihr beim Häuten helfen wollte. Im Juli 2014 traf es einen 43-jährigen Schlangenbesitzer aus Kerken, der das Wasser im Terrarium seiner Puffotter wechseln wollte.

Im Juni 2014 und kurz vor Weihnachten 2013 wurden zwei Duisburger jeweils von ihren Klapperschlangen vergiftet. Das Gegengift musste in beiden Fällen aus München eingeflogen werden. In Köln erwischte es im Juli 2013 einen 22-Jährigen, der beim Füttern einen Biss seiner Klapperschlange erlitt.

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