Terrorfahndung

Syrer soll Anschläge in Essen und Dortmund geplant haben

Hugo Müller, Landespolizeivizepräsident, und Margot Burmeister, Generalstaatsanwältin, geben bei der Pressekonferenz Auskunft zum Fall des festgenommenen Syrers.

Hugo Müller, Landespolizeivizepräsident, und Margot Burmeister, Generalstaatsanwältin, geben bei der Pressekonferenz Auskunft zum Fall des festgenommenen Syrers.

Essen/Dortmund.   Ein in Saarbrücken gefasster Syrer soll über Bombenanschläge fantasiert haben - auch in Essen und Dortmund. Vom IS soll er Geld gefordert haben.

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In Saarbrücken hat die Polizei einen Syrer festgenommen, der Anschläge mit Autobomben in mehreren deutschen Städten und in Nachbarländern geplant haben soll. Der an Silvester festgenommene 38-jährige Mann bestreite die Vorwürfe, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag. Er habe aber eingeräumt, 180.000 Euro von der Terrororganisation "Islamischer Staat" gefordert zu haben, und behauptet, damit seine in Damaskus lebende Familie unterstützen zu wollen. Der anerkannte Flüchtling sitzt in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken, die Ermittlungen dauern an.

Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) betonte, die Sicherheitsbehörden hätten "vermeintliche Anschlagsabsichten im Keim erstickt". Die Vernetzung der Sicherheitsbehörden müsse weiter ausgebaut werden, sagte Bouillon. Ebenso müssten die rechtlichen Möglichkeiten zur Überwachung von Messenger-Diensten erweitert werden. Über einen solchen hatte sich der Verdächtige nach Polizeiangaben mit einem mutmaßlichen IS-Kontaktmann in Syrien ausgetauscht. Der saarländische SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Pauluhn lobte die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft in dem Fall als "vorbildlich, professionell und konsequent".

Hinweis kam von einem Informanten

Der Hinweis auf den Verdächtigen kam den Angaben zufolge von einem Informanten des Bundeskriminalamtes (BKA). Nach Überprüfung der Informationen habe ein Spezialkommando am frühen Samstagmorgen die Wohnung des Verdächtigen im Saarbrücker Stadtteil Burbach gestürmt, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft. Am Sonntag habe ein Richter Haftbefehl erlassen.

Bei der Aktion am Samstag sei das Handy des Verdächtigen sichergestellt worden, berichtete der stellvertretende Landespolizeipräsident Hugo Müller. Nach dem Chatverlauf eines darauf installierten Messenger-Dienstes habe der Syrer mehrfach Kontakt zu einem "A. aus R." gehabt und vom IS 180.000 Euro gefordert. Mit dem Geld wollte der Syrer angeblich acht Autos kaufen, umlackieren und mit jeweils 400 und 500 Kilogramm Sprengstoff für Selbstmordanschläge in Berlin, München, Stuttgart, Essen und Dortmund sowie in Frankreich, Belgien und den Niederlanden präparieren. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es noch keine konkreten Anschlagspläne gab. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass bereits Geld geflossen sei, hieß es.

Geld vom IS angeblich zur Unterstützung der Familie gefordert

Den Angaben zufolge sagte der Verdächtige bei seiner Vernehmung aus, er habe das Geld zur Unterstützung seiner in Damaskus lebenden Familie verwenden wollen. Die Ermittler zweifeln an dieser Version. Müller sagte, es sei schwer zu glauben, dass der Mann, der in dem Chat seine Identität samt Wohnort preisgegeben habe, den IS habe "prellen" wollen.

Der Terrorverdächtige stammt nach eigenen Angaben aus Damaskus und hatte dort als Friseur gearbeitet. Einzelheiten zu seiner Familie wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. Nach Angaben von Generalstaatsanwältin Margot Burmeister war der Syrer über die Balkan-Route im Dezember 2014 nach Deutschland gekommen. Zunächst hatte er in Gießen gelebt und war im vergangenen August nach Burbach gezogen. (epd)

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