Winterberg

Wie das Sauerland jetzt um Touristen aus China buhlt

Fachwerkhäuser, wie es sie im Sauerland gibt, dürften ein beliebtes Foto-Motiv für Gäste aus Fernost sein. Chinesen, sagt Marketing-Professor Jonas Polfuß, sind neugierig und lernen gerne die lokale Kultur kennen.

Fachwerkhäuser, wie es sie im Sauerland gibt, dürften ein beliebtes Foto-Motiv für Gäste aus Fernost sein. Chinesen, sagt Marketing-Professor Jonas Polfuß, sind neugierig und lernen gerne die lokale Kultur kennen.

Foto: Hendrik Schulz

Winterberg.   Das Sauerland und gerade Winterberg bemühen sich stark um Gäste aus China. Ein Vorteil: Berge werden für Fotos immer interessanter.

Die Reiseplattform Travelcircus hat Winterberg zur zweit-fotogensten Kleinstadt Deutschlands gekürt. Nur Füssen (Bayern) hatte mehr Hashtags bei Instagram. Womöglich ändert sich die Reihenfolge, wenn chinesische Reisende den Kahlen Asten statt Schloss Neuschwanstein als Foto-Motiv entdecken. Winterberg jedenfalls schielt vermehrt auf Gäste aus Fernost.

„Schon jetzt reisen Chinesen in das Sauerland“, sagt Prof. Jonas Polfuß, China-Berater und Marketing-Professor an der EBC-Hochschule Düsseldorf, „das liegt u.a. an der guten Erreichbarkeit“. Zum Beispiel für Chinesen, die im Ruhrgebiet und im Rheinland studieren und arbeiten oder auf Geschäftsreisen sind.

Vorteil Sauerland: Berge werden für Fotos immer interessanter

Wang Fei (24) war vor zwei Jahren erstmals im Sauerland. „Eine deutsche Kommilitonin hat mich mitgenommen“, sagt die BWL-Studentin aus Düsseldorf, „sonst hätte ich es vielleicht nie kennengelernt.“ Seitdem war sie mehrmals dort – „weil ich die Natur und das Wandern liebe und das Sauerland viel näher liegt als die Schweiz oder Österreich“.

Polfuß zufolge zeigten Individualreisende aus China ein starkes Interesse an unberührter Natur, kleineren Orten mit besonderen Sehenswürdigkeiten und lokalen Spezialitäten. „Ein aktueller Trend“ seien Flitterwochen im Ausland, „die auch fotografisch dokumentiert werden. Hier gibt es in den Bergen immer schöne Motive.“

Junge Chinesen bevorzugen Individualtourismus

„China ist ein Hoffnungsmarkt für uns“, sagt Tourismusdirektor Michael Beckmann. Die Zahl der reisenden Chinesen wachse im Verhältnis zu der Reiseintensität anderer Nationen überproportional: „Noch nie waren so viele Chinesen in der Welt unterwegs wie heute.“ Derzeit würde z.B. Österreich von ihnen überrannt. Eine bergige Landschaft – da kann es doch vom Land des Lächelns zum Land der tausend Berge gar nicht mehr so weit sein.

Zumal junge Chinesen nach Beckmanns Beobachtungen den Individualtourismus bevorzugten. „Sie wollen an Orte, an denen noch nicht so viele Landsleute waren.“ Und: Sie seien reisefreudig, abenteuerlustig, sportlich aktiv und auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Beckmann kann sich auf Unterstützung von höchster Stelle berufen.

Präsident fordert: Chinesen sollen Skifahren lernen

Der chinesische Präsident habe im Zuge der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking gefordert, dass 300 Millionen Chinesen bis zum Jahr 2030 Skifahren sollen: „Da bieten wir mit dem modernsten Skigebiet Deutschlands ideale Bedingungen.“

Und die Bedürfnisse der Chinesen? Die Zielorte müssten auch kombinierbar sein: „Die Chinesen wollen möglichst zahlreiche Highlights in relativ kurzer Zeit besuchen“, sagt Polfuß. Und Einkaufen. Gewünscht würden chinesischsprachige Informationen über das bislang unbekannte Land, „sei es eine Webpräsenz oder der Tourguide, der auch Mandarin beherrscht“.

Fokus bei Angeboten liegt auf Fun-Sport

Vor einiger Zeit haben Winterberger Touristiker die Ferienregion bei einem internationalen Tourismus-Treffen in Düsseldorf vorgestellt. „Wir tauschen uns gerade mit chinesischen Reiseveranstaltern aus und erarbeiten Pakete, die an die Bedürfnisse der Chinesen angepasst sind“, sagt Michael Beckmann.

Der Fokus liege dabei auf Fun-Sport und Skifahren in Verbindung mit typischer Sauerländer Küche. Auch der Blick in Handwerksbetriebe sei für Chinesen hochinteressant, weil es solche Strukturen in ihrer Heimat nicht gebe. „Chinesen sind sehr neugierig und möchten gerne die lokale Kultur kennenlernen und probieren“, ergänzt China-Berater Jonas Polfuß.

Auf chinesiche Gewohnheiten einstellen

Bei den Mahlzeiten freilich gebe es etwas zu beachten: „Sie freuen sich im Ausland, wenn sich die Küche ein wenig auf ihre Gewohnheiten einstellt, da ihr Magen sich nur langsam an die europäische Küche gewöhnt.“ Daneben tränken chinesische Gäste ständig heißes Wasser – „mit Tee, aber auch ohne, und sie frühstücken gerne warm“, so Polfuß weiter. Die Gewohnheiten haben die Winterberger durchaus auf dem Radar. Beckmann: „Wir werden unseren Gastgebern noch ein interkulturelles Training anbieten.“

Bis die Chinesen in Scharen ins Sauerland reisen, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen. In den ersten sieben Monaten 2018 waren von den 1,3 Millionen Gästen im Sauerland 1564 aus China. Aber es gab immerhin ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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