Energie

Wie Industriebetriebe in Südwestfalen Strom sparen können

Nico Castelli (l.) Projektleiter sustainKMU der Uni Siegen und Marcus Adler, Prokurist der Firma Slawinski & Co. GmbH, besprechen Energieverbrauch-Muster vor der Kümpelpresse.

Nico Castelli (l.) Projektleiter sustainKMU der Uni Siegen und Marcus Adler, Prokurist der Firma Slawinski & Co. GmbH, besprechen Energieverbrauch-Muster vor der Kümpelpresse.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Siegen.  Forscher der Uni Siegen unterstützen Unternehmen in Südwestfalen beim Stromsparen. Das Potenzial ist erheblich, wie erste Tests belegen.

Die Slawinski & Co. GmbH ist ein typisch südwestfälisches Unternehmen: mittelständisch, familiengeführt seit mehr als 100 Jahren, in der Metallindustrie tätig als Hersteller von maßgeschneiderten Böden für den Apparate-, Behälter- und Anlagenbau. In erster Linie geht es um Tanks und Kessel. Metallscheiben werden dafür kalt umgeformt. Dazu ist viel Energie notwendig. Wenn Slawinski von der etwas einspart, hilft das dem Klima und der eigenen Bilanz. Und dabei bietet das Projekt sustainKMU kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung an. Die Uni Siegen arbeitet dafür mit Industriepartnern zusammen. Slawinski ist einer davon.

„Wir erforschen, wie wir digitale Technologie einsetzen können, um das Energiemanagement für KMU zu vereinfachen. Dadurch möchten wir etablierte Verfahren effizienter machen und unterstützen“, erklärt Projektleiter Nico Castelli. Dazu gehen die Forscher in die Betriebe, um passgenaue Lösungsansätze zu entwickeln und die Mitarbeiter fortzubilden. NRW fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt.

Bauchgefühl reicht nicht

Bei Slawinski kennt sich Nico Castelli schon aus. Es gab bereits eine frühere Zusammenarbeit, vermittelt vom Zentrum für die Digitalisierung der Wirtschaft Südwestfalen (ZDW). Auch dabei ging es um Energieeinsparung. Warum eigentlich bekommt ein Unternehmen so etwas nicht selbst auf die Reihe? Die Frage geht an den Prokuristen Marcus Adler. Der erklärt: „Das ist nicht viel anders als bei Ihnen zu Hause. Sie haben wahrscheinlich ein Bauchgefühl, welches Gerät wie viel Strom verbraucht. Aber genau wissen sie es eben nicht.“ Deshalb geht es in einem ersten Schritt darum, Transparenz zu schaffen: Wann verbraucht welche Maschine wie viel?

Das klingt nun noch nicht so kompliziert, dass man dafür zwingend alles digitalisieren müsste. Aber wenn man erfährt, dass eine Maschine mit 180 Sensoren ausgestattet wird, dass Energie nur ein Baustein der Analyse ist, dass ein steigender Verbrauch beispielsweise auch auf einen bevorstehenden Defekt hindeuten kann, dann versteht man, wenn Adler erklärt, dass die Fülle der Daten für einen mittelständischen 140-Mann-Betrieb unmöglich zu analysieren wäre. Denn der Stromverbrauch wird kombiniert mit einer Menge anderer Daten: Was wird gerade produziert? Wie ist die Temperatur? Wie fällt der Vergleich zu gestern aus, zur vergangenen Woche oder zum vergangenen Monat? „Vielleicht können wir auch in fünf Jahren schauen, was sich verändert hat“, meint Adler. „Nicht jede Spielerei liefert nutzbare Erkenntnisse, aber die Möglichkeiten sind vorhanden, die Anlagen nachzubessern.“

Hohes Einsparpotenzial

Und wie hat Slawinski bislang praktisch profitiert? Marcus Adler zieht wieder die Parallele zum Privathaushalt: „Da ist es auch nicht nötig, den Fernseher ständig auf Standby zu lassen.“ Ähnlich im Unternehmen: „Wir haben entschieden, eine Anlage in bestimmten Modi abzuschalten und haben eine sofortige Verbesserung erreicht.“ Kann man die beziffern? Adler bleibt beim Vergleich: „Wir sparen den Verbrauch von mehreren Vier-Familien-Häusern ein.“ Wenn man das auf alle Maschinen überträgt, ergibt sich ein Einsparpotenzial von fünf bis acht Prozent des gesamten Energieverbrauchs.

Nico Castelli denkt weiter: „Standby ist relativ trivial. Aber wir können uns auch fragen, ob die vier Heizstäbe einer Anlage alle gleichzeitig laufen müssen oder vielleicht nur zeitversetzt. Da gibt es viele Möglichkeiten.“ Auf die setzt Slawinski: „Wir haben schon im ersten Projekt etwas erreicht. Deshalb sind wir gern weiter dabei.“ Die Unternehmen brauchen für die Umsetzung keine IT-Experten, versichert Castelli: „Die Technologie soll die Komplexität aus der Sache herausnehmen.“

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