Attraktion

Wie aus 1700 Fichten der größte Weihnachtsbaum der Welt wird

Stefan Schulte-Brinker zieht eine frisch geschlagene Rotfichte aus einer seiner Weihnachtsbaum-Kulturen in Oberhundem im Kreis Olpe. Etwa 1700 davon schickt er nach Dortmund.

Stefan Schulte-Brinker zieht eine frisch geschlagene Rotfichte aus einer seiner Weihnachtsbaum-Kulturen in Oberhundem im Kreis Olpe. Etwa 1700 davon schickt er nach Dortmund.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Dortmund/Oberhundem.  Der Weihnachtsbaum in Dortmund ist jedes Jahr Ziel vieler Touristen. Was viele nicht wissen: Die einzelnen Nadelbäume kommen aus dem Kreis Olpe.

Bäume, überall Bäume. Tannen und Fichten, Fichten und Tannen. Hinter ihnen zieht sich langsam der Nebel zurück. Es ist angenehm mild. Und ruhig, nein still. Auf mehr als 700 Höhenmeter kriecht der Lärm der Straßen nicht hinauf. Die Bäume, die hier oben im sauerländischen Oberhundem stehen, sind nicht irgendwelche. Etwa 1700 von ihnen bilden in Dortmund den größten Weihnachtsbaum der Welt.

„Das dürfen keine Gurken sein“, sagt Stefan Schulte-Brinker (48) mit einem Lachen, während er eine eben frisch abgesägte Fichte hinter sich herschleift. Genauer gesagt ist es eine Rotfichte. „Die kann sich gut an das Stahlgerüst schmiegen“, erklärt er und meint damit die kegelförmige Alu-Konstruktion, die schon seit zwei Wochen auf dem Dortmunder Hansaplatz steht. Unterschiede im Anschmiegfaktor bei Bäumen. Sachen gibt’s.

Die Arbeit für den Weihnachtsbaum beginnt schon im August

Von Anfang an, seit 23 Jahren, liefert der Hof Schulte-Brinker die Bäume für die Touristenattraktion, die jedes Jahr von zwei Millionen Besuchern aus aller Welt bestaunt wird. „Mein Vater hat immer schon in Dortmund Bäume verkauft. Ich vermute, dass es so zu dem Kontakt kam“, erzählt der Sohn. Er hat den elterlichen Betrieb 2007 übernommen.

Schmal und 3,50 bis 4,50 Meter lang müssen die Rotfichten sein. „Eine Nordmanntanne wäre viel zu breit und zu schwer“, so Stefan Schulte-Brinker weiter. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Fichten sehr anfällig für Borkenkäfer sind. Doch seine Kulturen hätten keinen Schaden genommen.

Bereits im August geht Schulte-Brinker seine Kulturen ab und markiert die geeigneten Bäume am oberen Zipfel mit einem weißen Etikett. Er habe inzwischen ein Auge dafür, sagt er. „Aber wir schneiden sie erst kurz vorher.“ Händisch. Mit der Motorsäge, 1700 Fichten. Dafür beschäftigt der gelernte Steuerfachangestellte mehrere osteuropäische Saisonarbeitskräfte. „Wir roden nicht, sondern entnehmen die Bäume nach und nach aus den Beständen. Die stehen bleiben, haben dann Platz und können sich entwickeln“, darauf legt der Naturfreund Wert.

In 30 Sekunden sind die Bäume im Netz

Sobald es hell ist, fährt er mit seinen Helfern in den Bestand. Nach dem Absägen schleppen sie die Bäume (einer wiegt um die 30, 40 Kilogramm) zu einer automatischen Netzmaschine. „Im Akkord“ schieben sie die Fichten mit dem Stamm voran in den Trichter. Der Greifer der Maschine packt zu und zieht den Baum durchs Netz. Eine Sache von 30 Sekunden. „Wir könnten alle 1700 Bäume an einem Tag einnetzen“, berichtet Stefan Schulte-Brinker. Doch gibt es im Weihnachtsgeschäft noch andere Aufträge von Großhändlern, die erledigt werden müssen.

Für die erste große Lieferung haben sie am Samstag etwa 500 Bäume gesägt, eingenetzt und am Sonntag in zwei Container verladen. Behutsam wohlbemerkt, damit nicht noch ein Ast abbricht. Eine Spedition holt sie im Morgengrauen des Montags mit einem Sattelzug ab. Nach fast zwei Stunden Fahrt kommen die Fichten in Dortmund an.

Gerüstbauer montieren die Fichten am Stahlgerüst

Dort steht das speziell konstruierte Stahlgerüst schon seit zwei Wochen. Fünf bis zehn Gerüstbauer der örtlichen Firma bringen die Bäume nun Reihe für Reihe an – bis hoch auf 41 Meter. Dafür transportieren sie die Fichten per Kran nach oben. Über eine Treppe im Inneren des Gerüsts können die Arbeiter jede Etage erreichen und die Bäume montieren. Mit einer sogenannten Anspitzmaschine schneiden sie die Stämme vorher auf Maß, „damit sie in die speziellen Kupplungen passen“, erklärt Vorarbeiter Peter Buchta. Weil die Äste bei der Montage stören würden, bleiben die Fichten zunächst einmal in den Netzen.

„Ich mache das seit mehr als 20 Jahren, das ist inzwischen Routine“, sagt Buchta. Für die Passanten aber ist es etwas Besonderes, einige bleiben stehen und schauen den Männern in der roten Arbeitskleidung neugierig zu.

Am Dienstag schickt Stefan Schulte-Brinker zwei weitere Container auf die Reise. Ende dieser Woche, spätestens Anfang der nächsten, sollen alle Bäume an ihrem Platz sein. Dann werden 48.000 Lämpchen sowie Schmuck angebracht.

Die Dekoration bleibt noch ein Geheimnis

Wie der weltweit größte Weihnachtsbaum genau aussehen wird, wird aber noch nicht verraten. „Das bleibt bis zur offiziellen Illumination durch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau am 25. November um 18 Uhr ein Geheimnis“, teilt Thomas Winkler, Pressesprecher Dortmunder Weihnachtsstadt mit. Klar ist aber, dass an der Spitze wieder der vier Meter hohe Engel thronen wird. Mit ihm kommt der Baum auf eine Höhe von 45 Meter.

Stefan Schulte-Brinker erinnert sich an die ersten Jahre, als oben noch eine einzelne, zehn bis zwölf Meter hohe Fichte aufgesetzt wurde. „Zwei-, dreimal ist im Sturm die Spitze abgebrochen und wir mussten einen neuen Baum anliefern. Da haben wir eine Nordmanntanne genommen, die ist elastischer.“

Im Dezember steht er selbst mit einem Stand auf dem Hansaplatz und verkauft Weihnachtsbäume. Dabei hat er immer ein Auge auf das übergroße Exemplar: „Ich schaue schon, ob die Fichten alle noch gut aussehen.“

Eine Übersicht über alle Weihnachtsmärkte in der Region finden Sie hier.

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