Holocaust

Thalia wirft Buch von Holocaustleugner aus dem E-Shop

Buchhandelsfilialist Thalia

Buchhandelsfilialist Thalia

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Soziale Medien schlagen Alarm – thalia.de verkauft Bücher, die verboten sind. Die Buchhandelskette entschuldigt sich bei den Kunden.

Thalia wirft Holocaust-Leugner aus dem Online-Shop. „Trotz sorgfältiger und regelmäßiger manueller Prüfung von Publikationen, die auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stehen, sind verschiedene Holocaust leugnende Bücher, darunter der indizierte Titel „Wilhelm Stäglich: Der Auschwitz-Mythos“, in deutscher und englischer Sprache von uns übersehen worden und so in den Thalia Online-Shop gelangt“, entschuldigt sich der Buchfilialist mit Sitz in Hagen dafür, dass er solche Titel in englischer Sprache als E-Buch verkaufte. Die Facebook-Gemeinde hatte den Marktführer im deutschsprachigen Sortimentsbuchhandel auf die problematischen Werke aufmerksam gemacht, das Portal ruhrbarone.de hatte darüber berichtet.

Der Hagener Buchhändler reagierte sofort und entfernte besagte Titel. „Kritische und indizierte E-Books sind zwischenzeitlich aus unseren Online-Shops entfernt worden oder werden, aufgrund von neuen Hinweisen, aktuell entfernt“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Thalia: "Bestände werden regelmäßig überprüft"

Doch wie konnten diese Schriften überhaupt ins Sortiment von thalia.de gelangen? Thalia versichert, dass die Verkaufsbestände regelmäßig überprüft werden. Offenbar greifen die Kontrollen aber im fremdsprachigen E-Buch-Sektor nicht. Das Unternehmen verspricht Besserung: „Wir bitten um Entschuldigung und bedanken uns sehr für die vielen Hinweise, die maßgeblich dazu beigetragen haben, unseren Fehler zu entdecken und zu beheben. In Folge des Vorfalls werden wir unsere internen Kontrollmechanismen überprüfen, so dass wir solche ernsten Vorkommnisse zukünftig ausschließen können.“

Bereits in der Vergangenheit war kritisiert worden, dass einzelne Thalia-Filialen Werke rechtspopulistischer Autoren führen. Thalia hatte die Sortimentsauswahl einzelner Filialleiter stets mit dem Argument der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt verteidigt.

Die Leugnung des Massenmords an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten ist allerdings keine Meinungsfrage, sondern eine Straftat. Viele europäische Staaten haben erweiterte Gesetze, die Holocaustleugnung als Verleumdung, als Rassismus oder zusammen mit der Leugnung von weiteren Völkermorden verbieten. Seit 2008 sind die EU-Mitgliedsländer per Rahmenbeschluss verpflichtet, „das öffentliche Billigen, Leugnen oder gröbliche Verharmlosen von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen“ unter Strafandrohung zu stellen, wenn diese Verbrechen „nach den Kriterien der Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Herkunft“ begangen wurden.

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