Gesundheit

Soester Pollenfalle hilft Allergikern im Alltag

Britt Tüngler, medizinisch-technische Assistentin,

Britt Tüngler, medizinisch-technische Assistentin,

Foto: Funke Foto Services

Soest.   Auf dem Dach des Marienkrankenhauses in Soest befindet sich Südwestfalens einzige Pollenfalle. Das Ufo-ähnliche Gerät ist eine Hilfe für Allergiker.

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Sie sind so winzig, dass man sie nicht sehen kann. Und doch sind Pollen so massenhaft präsent, dass sie für entzündete Augen und schniefende Nasen sorgen. Im Soester Marienkrankenhaus werden aus den unbekannten Flugobjekten bekannte Flugobjekte. Dank der Pollenfalle, die wie ein Ufo aussieht und grün ist, wie die Männchen, die außerirdischen ­Erzählungen nach aus den fliegenden Untertassen steigen.

Apropos steigen: Man steigt dem Marienkrankenhaus buchstäblich aufs Dach (in zehn, zwölf Metern Höhe), um die Pollenfalle in Aktion zu ­sehen. Nach dem Aufstieg über Treppen­stufen und dem Ausstieg durch ein Fenster ist der Blick frei auf ein etwa ein Meter hohes Gerät (inklusive ­Segel), das ein ­wenig an einen ­großen Gaskocher erinnert. „24 Stunden am Tag, an allen sieben ­Tagen der Woche und zwei Millimeter pro Stunde dreht sich konti­nuierlich eine Trommel in einem Gehäuse“, erklärt Hansjörg Schulze. Der Oberarzt ist der Pollen-Beauftragte der Klinik.

Ist er so etwas wie ein Pollen­detektiv?

Pollenfilm wird im Labor ausgewertet

„Das kann man so sagen“, freundet sich der Mediziner mit dieser Beschreibung an. Es sei spannend zu verfolgen, was sich in dieser Pollenfalle so alles verfängt, sagt er und kommt auf den berühmten Ausbruch des isländischen Vulkans „Eyjafjallajökull“ 2010 zu sprechen: „Wir hatten viel mehr Dreck auf dem Film als sonst.“

Der „Film“ ist ein dünner Plastikstreifen, vergleichbar einem Tesa-Film, der sich auf der Trommel befindet. Pollen gelangen durch einen schmalen Einfüllstutzen über angesaugte Luft auf den Klebefilm. Im Labor wird der Pollenfilm ausgewertet. Das geschieht mit Hilfe eines Mikroskops: Der Streifen kommt auf einen Objektträger, darauf wird Farbe aufgetragen und ein Deckglas gesetzt. Dann geht es ans Zählen der Pollen. Britt Tüngler, medizinisch-technische Assistentin, blättert durch das Pollenbestimmungsbuch. „Wir können fast 40 Pollenarten und deren aktuelle Tagesbelastung pro Kubikmeter Luft fast ganzjährig nachweisen.“

In diesen Tagen sind besonders viele Birkenpollen unterwegs. Unter dem Mikroskop sehen sie mit viel Fantasie aus wie Fischlaich oder Kaviar. „Pollen unterscheiden sich anhand der Morphologie“ (Struktur und Form), sagt Oberarzt Schulze.

Eine von 55 Fallen in Deutschland

Sein Chefarzt Dr. Matthias Elbers vom Fachbereich Innere Medizin rief 1998 die Pollenfalle – die einzige in Südwestfalen und eine von 55 in Deutschland – auf dem Dach des Marienkrankenhauses ins Leben. Die Ergebnisse jeder Pollenzählung werden an die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst und an den Deutschen Wetterdienst weitergeben – zwecks Pollenflug-Vorhersage.

Die mikroskopische Analyse im Labor ist aufwendig. „Wir sehen dies als Dienstleistung für unsere Patienten und die ­Menschen im Kreis Soest“, sagt Hansjörg Schulze. Vorab zu ­erfahren, wann „seine“ Pollen hoch konzentriert in der Luft umherschwirren, kann im Alltag eines Allergikers sehr helfen.

Haselpollen schon im Dezember nachgewiesen

Auch in der Zukunft. Denn eines können Experten wie der Oberarzt bestätigen. „Allergien sind zur Volkskrankheit geworden, die mit Ausfallzeiten und verminderter Leistungsfähigkeit einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen.“ Die Flugzeiten weiten sich immer mehr aus: „In diesem milden Winter ­haben wir zum ersten Mal Haselpollen bereits im Dezember nachgewiesen.“

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