Elektrogeräte

Severin setzt auf Innovationen made in China

Severin-Geschäftsführer Ulrich Cramer setzt auf Innovationen und Design, um die Marke höherpreisig positionieren zu können.

Severin-Geschäftsführer Ulrich Cramer setzt auf Innovationen und Design, um die Marke höherpreisig positionieren zu können.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Sundern.  Der Elektrogerätehersteller Severin aus Sundern im Sauerland setzt voll auf den Produktionsstandort China und Innovationen. Ein Firmenbesuch.

Der Elektrogerätehersteller Severin aus Sundern im Sauerland will sich in Zukunft „in einem mittleren bis höheren Preissegment“ positionieren. Das kündigt der kaufmännische Geschäftsführer Ulrich Cramer gegenüber der WESTFALENPOST an. Gleichzeitig wird „made in Germany schweren Herzens aufgegeben“. Gefertigt wird ab Frühjahr 2020 ausschließlich im Ausland, überwiegend in den eigenen Werken im chinesischen Shenzhen.

Was wie ein Widerspruch klingt, ist es aus Sicht von Cramer und Marketingdirektor Sascha Steinberg nicht. „Die Elektrokleingerätewelt findet heute in China statt“, versichert der Kaufmann Cramer mit Blick auf die gesamte Branche. Severin selbst ist bereits seit Mitte der 90er Jahre dort. Produktion und Montage im sauerländischen Sundern machen heute nur noch fünf bis zehn Prozent aus. Am 30. April 2020 ist damit ganz Schluss. Dabei bleibt Deutschland Severins wichtigster Markt. Von gut 133 Millionen Euro Umsatz wurden knapp 80 Millionen Euro im Inland erzielt (Geschäftsjahr 2017/18).

Akzeptanz durch Innovation

Akzeptanz für höhere Preise bei den Kunden will man in Sundern beziehungsweise Shenzhen über Innovationen bei gleichzeitig hoher Produktqualität erreichen. 20 bis 30 Prozent Produktneuheiten pro Jahr seien das Ziel. Daran werde gearbeitet, und zwar insbesondere im Sauerland, wo auch in Zukunft neue Produkte erdacht und Marketing, Vertrieb und Logistik beheimatet bleiben sollen. „Beinahe die komplette Führungsmannschaft ist im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern zu Hause“, erklärt Cramer.

Severin hat eine neue, einheitliche Designsprache entwickelt. Die Strategie: „Mehr Optik und Haptik statt auf den letzten Cent zu schauen“, sagt Marketingdirektor Sascha Steinberg. Dazu gehört beispielsweise ein Drehregler, der sich im Prinzip von der Kaffeemaschine bis zum neuen Elektro-Barbecue-Grill, mit dem Severin ab kommenden Frühjahr die Herzen der Steak-Fans erobern will.

Entwickler versprechen hohe Grillqualität

„Elektrogrillen ist Öko“, sieht Steinberg das Sauerländer Unternehmen auch hier voll im Trend: „Kein Gas, keine Kohle, kein CO2“, argumentiert er ganz aus dem Marketingblickwinkel – es kommt halt noch darauf an, woher der Strom stammt. Von der Grillqualität versprechen die Entwickler jedenfalls 500 Grad an der Fleischoberfläche und somit garantiertes Karamellisieren. „Besser als jeder Gasgrill“, macht Steinberg das neue Produkt schmackhaft, das erst im Frühjahr nach der Messe Ambiente in den Verkauf kommen wird.

Mit Produkten dieser Art oder auch der veredelten Variante der Erfolgskaffeemaschine „Caprice“ sieht sich Severin genau dort, wo das Unternehmen hin möchte. Innovativ sein. Nicht Trends nachlaufen, sondern sie setzen.

Die im kommenden Jahr frei werdenden Hallen am Firmensitz in Sundern, in denen heute noch 21 Arbeitsplätze in der Produktion und Montage angesiedelt sind, könnten zumindest kurzfristig als Zwischenlager und für Kundendienste genutzt werden, lässt die Severin-Geschäftsführung durchblicken. Ganz im Sinne der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte sollen Severin-Geräte schließlich so wertig oder wertvoll sein, dass sich im Zweifel auch eine Reparatur lohnt, denn der Standard von „made in Germany“ soll in jedem Fall gehalten werden.

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