Reitsport

Coronavirus: Müller über das „Geisterturnier“ in Dortmund

Ungewohnt für die Teilnehmer. Der Dortmunder Signal Iduna Cup ist das erste internationale Turnier in Deutschland, das ohne Zuschauer stattfindet. 

Ungewohnt für die Teilnehmer. Der Dortmunder Signal Iduna Cup ist das erste internationale Turnier in Deutschland, das ohne Zuschauer stattfindet. 

Foto: Brüske / pegamo

Dortmund.  Wie fühlt es sich an, bei einer der letzten Sportveranstaltungen in Deutschland dabei gewesen zu sein? Wir haben bei Reiterin Kathrin Müller nachgefragt.

Um 10.08 Uhr zog die Stadt Dortmund am Sonntagmorgen die Reißleine – und ließ den Signal Iduna Cup nach der S-Dressur abbrechen. Das international besetzte Reitturnier in der Westfalenhalle war in der Region die wohl letzte Sportveranstaltung, die trotz der Coronavirus-Maßnahmen durchgezogen werden sollte. Aber auch in Dortmund kam es anders. Wir sprachen mit Kathrin Müller, die einen Reitbetrieb in Wickede-Wimbern betreibt und für den ZRFV Voßwinkel startet, über dieses besondere Turnier.

Kathrin Müller, wann war der Signal Iduna Cup für Sie beendet?

Ehrlich gesagt schon am Samstagabend. Ich bin nach meinem letzten Springen nach Hause gefahren und am Sonntagmorgen kam da ja auch schon die Nachricht von dem Abbruch. Danach haben wir die Pferde mit den Pflegern aus Dortmund abgeholt.

Die Bilder aus der leeren Westfalenhalle waren gewöhnungsbedürftig. Wie haben Sie die Atmosphäre dort erlebt?

Es war schon ein Geisterturnier. Wobei man sagen muss: Wenn wir mit unseren jungen Pferden zu solchen Springen fahren, da sind die Zuschauerzahlen immer sehr überschaubar. Für die Pferde war es sogar ganz angenehm, dass es keinen großen Trubel auf den Rängen gab (lacht). Zum Teil war es aber schon ein bisschen beklemmend. So als würde man ein Trainingsturnier reiten – das allerdings in der riesigen Westfalenhalle. Und die sportlichen Top-Leistungen passten auch nicht so richtig zu dieser Stimmung. Über meinen dritten Platz im Stechen um die Baker-Tilly-Trophy habe ich mich dann eben für mich alleine gefreut (lacht).

Nicht nur die späte Absage der Fußball-Bundesliga hat für Gesprächsstoff gesorgt, auch das lange Festhalten der Veranstalter am Signal Iduna Cup wurde diskutiert. Hatten Sie Bedenken, dort anzutreten?

Es ist ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen steht die Gesundheit aller Beteiligten über allem. Auf der anderen Seite ist der sportliche Stellenwert des Signal Iduna Cups für uns als Team enorm. Und man hat nicht nur das Startgeld bezahlt, sondern auch auf dieses Turnier hingearbeitet. Da wir selbst mit dem ZRFV Voßwinkel ein Turnier ausrichten, weiß ich auch, wie viel Arbeit und Herzblut in solch einer Veranstaltung stecken – leichtfertig sagt man sowas dann nicht ab. Während des ganzen Turniers hatte ich immer das Gefühl, dass sehr umsichtig und vernünftig mit der Situation umgegangen wurde und ein Infektionsrisiko wirklich so gut es geht, ausgeschlossen wurde. Am Ende ist es wohl wahrscheinlicher, sich beim Einkaufen im Supermarkt anzustecken als es bei diesem Turnier war. Das war auch der Tenor bei allen Beteiligten: Dass es die Veranstalter da nicht verantwortungslos gehandelt haben.

Welchem Risiko sind die Pferde ausgesetzt? Dem Vernehmen nach stellt Covid 19 für Tiere keine Gefahr dar.

Das ist auch mein Kenntnisstand, wir haben uns natürlich auch umfassend informiert. Die Pferde können sich mit dem Corona-Virus weder infizieren, noch das Virus übertragen.

Wie geht es nun für Sie weiter? Der Turnierbetrieb dürfte komplett ruhen, oder?

Ja, alle Turniere in den nächsten Wochen, an denen wir teilnehmen wollten, fallen aus: Das nächste Turnier wäre für uns in Kronenberg in den Niederlanden gewesen und ist abgesagt worden. Das Gleiche gilt für Werne Mitte April und unmittelbar darauf in Hagen am Teutoburger Wald.

Und der Betrieb auf dem Hof, wie geht der weiter?

Corona-Ferien haben wir nicht, die Pferde wollen natürlich wie jeden Tag betreut werden. Wir versuchen uns natürlich fit zu halten – für den Zeitpunkt, wenn es irgendwann wieder losgeht. Der Betrieb geht hier einigermaßen normal weiter. Es sei denn, einer unserer Mitarbeiter infiziert sich – dann ist die Lage natürlich noch mal eine ganz andere.

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