Kirchenserie

Propst Norbert Dudek: „Die Kirche wird sich verändern“

Norbert Dudek ist Propst der St. Mariengemeinde in Schwelm.

Norbert Dudek ist Propst der St. Mariengemeinde in Schwelm.

Foto: Christian Werth

Schwelm.   Norbert Dudek ist Seelsorger. Aber als Propst der St. Mariengemeinde in Schwelm ist er auch ein hoher Verwaltungsbeamter des Bistums Essen.

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In seiner Funktion als Verwaltungsbeamter des Bistums Essen muss der 49-Jährige Kirchen schließen, statt sie aufzubauen. „Es gab Nächte, in denen ich nicht geschlafen habe, in der Phase, wo wir gemerkt haben, worauf es hinausläuft“, sagt er.

Die Liebfrauenkirche in Gevelsberg, St. Martin und die Herz-Jesu-Kirche in Ennepetal trifft es besonders hart. Obwohl es an allen drei Kirchenorten auch weiterhin Raumangebote geben wird, sollen dort die Gotteshäuser geschlossen werden. Keine frohe Botschaft für die Gläubigen. Norbert Dudek kann die Notwendigkeit nicht verleugnen. Das Bistum Essen hat die Hälfte seiner Katholiken verloren, der Prozess setzt sich fort. Und doch treffen geplante Kirchenschließungen die Christen vor Ort mitten ins Mark.

Seelsorge im Internet

„Die Infrastruktur so zu verändern, das ist ein Schritt, der uns sehr schwer fällt, zumal Herz Jesu eine funktionierende Gemeinde ist. Wir haben mit der evangelischen Kirche in Milspe vereinbart, dass wir uns für die Gottesdienste einmieten können. Aber den Schritt, was könnte sein, den kann Herz Jesu noch nicht gehen, weil die Gemeinde noch zu sehr mit der Trauerarbeit beschäftigt ist.“

Der Priester kennt die Diaspora, er ist im überwiegend evangelischen Wiblingwerde aufgewachsen. Und er ist überzeugt, dass sich die katholische Kirche in den kommenden Jahren erheblich wandeln muss. „Wir werden weniger Leute haben, die das Gemeindeleben gestalten. Das Gros der Jugendlichen hat mit uns nichts zu tun. Das Internet wird für Seelsorge und Spiritualität eine viel größere Bedeutung gewinnen.“ Diese Vision ist beängstigend, erschüttert sie doch die Gewissheit, dass die Kirche immer im Dorf bleibt. Die Pfarrfamilie herkömmlicher Prägung wird es künftig vermutlich nicht mehr geben.

Selbst in Irland werden Kirchen verkauft

„Manchmal fehlt es uns an Phantasie“, überlegt Norbert Dudek. „Ich bin nicht pessimistisch. Die Kirche wird sich verändern, und die Gemeinden werden sich verändern, aber nicht untergehen. Selbst in Irland werden Kirchen verkauft, und trotzdem geht die Welt nicht unter.“ Dass dieser Prozess weh tun wird, ist dem Pfarrer bewusst. „Wir haben als Kirche immer so getan, als ob wir die Stabilität im Leben wären. Das ist deine Kirche, das ist dein Pastor, das war so und das bleibt auch so. Und jetzt haben wir den Salat.“ Auch für die Weltkirche zeichnet er ein ungewöhnliches Bild: „Wir sollten uns davor hüten, Fassaden zu erhalten, wo nichts dahinter ist“, betont er und ergänzt: „Das betrifft keine konkrete Gemeinde, aber ich glaube, wir machen uns manchmal etwas vor. Wir sind nicht mehr so viele, wie wir einmal waren.“

Als weit gereister Mann weiß Dudek, dass es Katholiken gibt, die zwei Stunden fahren, um einen Gottesdienst zu besuchen. „Gott ist die Stabilität im Leben“, sagt er, „nicht die Gebäude, nicht die Gemeinde.“ Über eine Sache kann sich der Geistliche dennoch aufregen. „Schwierig finde ich es, wenn Kirchen nur als Show aufgebaut werden, so wie die Frauenkirche in Dresden. Das ist optisch ein toller Effekt, aber es ist ein leeres Gebäude, weil es keine Gemeinde gibt.“

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