Kirchensterben

Kirche zu verkaufen: St. Paulus in Altena wird versteigert

Ultima Ratio: Pfarrer Ulrich Schmalenbach hofft, dass die Kirche St. Paulus in Altena nach vielen Jahren nun endlich verkauft werden kann.

Ultima Ratio: Pfarrer Ulrich Schmalenbach hofft, dass die Kirche St. Paulus in Altena nach vielen Jahren nun endlich verkauft werden kann.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Altena.  99.000 Euro beträgt das Mindestgebot für das Gebäude aus dem Jahr 1925. Pfarr- und Gemeindehaus sind auf 3000 Quadratmetern inklusive.

Draußen krabbelt das Moos die Grenzmäuerchen hoch. Grünspan verdunkelt das Licht der Außenleuchten. Drinnen bröckelt an manchen Stellen der Putz von der Wand und landet in den dichten Spinnweben der hohen, schmalen Kirchenfenster. Vier längst erloschene Teelichte stehen unter einem Marienbild. Falls jemand mit diesen Lichtern die besten Wünsche für die St-Paulus-Kirche in Altena hinterlegen wollte, sind diese nicht erhört worden. Seit 2005 ist das Gotteshaus entweiht und geschlossen. Alle Versuche, die 1925 erbaute Kirche zu veräußern, scheiterten. Am Samstag nun soll sie in Köln versteigert werden. Mindestgebot: 99.000 Euro.

„Es ist schmerzhaft, wenn eine Kirche nicht mehr als solche genutzt werden kann“, sagt Ulrich Schmalenbach. Der 63-Jährige ist Pfarrer der Matthäus-Gemeinde, mit der die katholische Pfarrgemeinde St.-Paulus seit 2005 vereint ist. Schmalenbach blickt hinauf. Die Orgel ist noch da und soll separat veräußert werden. Das Kreuz, das vorn beim Altar hing, ist schon entfernt. Schmalenbach kam 2006 in die Gemeinde, hat keine Gottesdienste mehr in der St.-Paulus-Kirche abgehalten. „Aber für die Menschen, die hier Kinder getauft, Erstkommunion gefeiert oder Abschied von nahen Verwandten genommen haben, ist das schlimm.“ Wie groß ist der Widerstand? Nicht mehr nennenswert, sagt Schmalenbach.

Fast 10.000 Euro jährlich

Zu lang ist das Schicksal von Gemeinde und Gebäude besiegelt. Die Mitglieder schwanden, wie an so vielen anderen Orten auch. Das ohnehin nicht auf Rosen gebettete Bistum Essen setzte St.-Paulus auf eine Liste von Gotteshäusern, die keine Zukunft mehr haben würden. 480 Christen waren es damals nur noch. Kirche zu. Seitdem steckt die Gemeinde jährlich knapp 10.000 Euro in den Unterhalt. Das Gebäude und Grundstück müssen zumindest verkehrssicher gehalten werden.

„Wir haben die Kirche durch einen Makler europaweit zum Kauf angeboten, aber passiert ist nichts“, sagt Schmalenbach und schüttelt den Kopf. Ein paar lose Interessenten, ja, aber nichts Substanzielles. „Die Versteigerung ist Ultima Ratio, aber es ging nicht anders“, sagt er. Zwei, drei Jahre, sagt er, habe er mit dem Bistum über die Entscheidung gerungen. Eine Klausel im Grundbuch regelt, dass der neue Besitzer das Gebäude nur auf eine Weise nutzen darf, die den Werten der Kirche nicht widerspricht. Kneipe, Spielhalle oder Bordell, sagt Schmalenbach, wird St.-Paulus daher nicht werden. Wer auch immer die Kirche am Samstag ersteigert, wird ein Nutzungskonzept vorlegen müssen, das vom Bistum Essen geprüft wird. Erst wenn von dort grünes Licht kommt, wird der Verkauf rechtskräftig.

Ausreichend Interessenten

Interessenten gibt es offenbar genug. Vergangene Woche waren acht von ihnen zum Sammeltermin vor Ort. Sechs andere Interessenten schauten sich das Objekt an einem anderen Tag an. Zwei weitere kommen gerade zur Tür hinein. „Wir interessieren uns für die Kirche...“, sagt einer der beiden Männer, die aus Paderborn angereist sind.

Schmalenbach führt sie herum. Zum Ensemble gehört neben der Kirche auch das ehemalige Pfarrhaus, das Gemeindehaus (Baujahr 1948), ein großer Parkplatz. Fast 3000 Quadratmeter. Die Fußbodenheizung in der Kirche ist seit 2009 defekt. Ein Malheur eines Mitarbeiters. Schimmel breitet sich seither an manchen Wänden aus. „Das ist kein Problem, das kriegt man in den Griff“, sagt Dirk Langner, Kurzarmhemd, Brille in der Brusttasche. Mit seinem Arbeitskollegen Jörg Volmari, der das graue Haar zum Zopf gebunden hat, hat er bereits mehrere Objekte umgebaut.

Irgendwo im Nirgendwo

„Die Substanz ist gut, aber man muss viel reinstecken“, sagt Volmari und bläst vor der Tür den Qualm seiner Zigarette in die Luft. Und wie nutzen? Ein Nachbar zieht den Vorhang zur Seite und beäugt die Interessenten. Eine Kirche als Restaurant wäre cool, so etwas gäbe es in Bielefeld, sagt Langner. Aber hier? Irgendwo im Nirgendwo zwischen Wohngebäuden im Ortsteil Rahmede? „Hier kommt ja höchstens mal ein Hund vorbei“, sagt Volmari. „Vielleicht auch mal ein Reh“, ergänzt Langner und deutet auf den Wald direkt hinter der Kirche, der aber der Gemeinde bleibt. Also eher: Thema Entspannung. Erholung für Manager? Ein kleines Hotel? Wohnnutzung? Oder doch eine Pflegeeinrichtung? „Das wird heute immer mehr gebraucht“, murmelt Langner.

„Ich hoffe, dass das jemand in die Hände kriegt, der es in unserem Sinne weiterführt. Mit einer Nutzung, die nah am Menschen ist“, sagt Pfarrer Ulrich Schmalenbach. Dann wäre die Messe endlich gelesen. Und wenn es nicht klappt? Wenn niemand die Kirche haben will? Der Geistliche überlegt. „Keine Ahnung“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben