Mutmacher

Ein Missverständnis bringt Claudia Wehberg zur Musik

Mit Karl Emde (Bass), Gereon Tölle (Schlagzeug) und Freddy Rödiger (Gitarre) taucht Claudia Wehberg regelmäßig im „Mikrokosmos“ der Musik ab. In einigen Wochen soll die eigene Platte der vielleicht ältesten Newcomer der Region auf dem Markt kommen. Live werden sie Ende November (27.) auf dem Hagener Weihnachtsmarkt zu hören sein.

Mit Karl Emde (Bass), Gereon Tölle (Schlagzeug) und Freddy Rödiger (Gitarre) taucht Claudia Wehberg regelmäßig im „Mikrokosmos“ der Musik ab. In einigen Wochen soll die eigene Platte der vielleicht ältesten Newcomer der Region auf dem Markt kommen. Live werden sie Ende November (27.) auf dem Hagener Weihnachtsmarkt zu hören sein.

Foto: mikrokosmos

Hagen.  Die frühere Spitzensportlerin Claudia Wehberg (53) hat ihren Traum verwirklicht. Jetzt steht sie im Rampenlicht und nimmt eine Platte auf.

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Wenn man jung ist, hat man so manchen Traum. Wenn man älter wird, verblasst die Erinnerung daran. Es gibt ja tausend große Wenns, Hättes und Abers als vortreffliche Begründung, warum aus einem Wunsch keine Wirklichkeit wird.

Es klingt so simpel und ist ziemlich schnell geschrieben: Die Zeit für die eigenen Träume fehlt so lange, wie man sie sich nicht nimmt. Es ist also nie zu spät, neue Schritte zu wagen, nur braucht es etwas Mut.

In der Welt des Hochleistungssports

Den hat Claudia Wehberg. Die 53-jährige Hagenerin überlässt üblicherweise wenig dem Zufall. Eine Frage der Sozialisation: Als ehemalige Spitzensportlerin geht sie bei Entscheidungen gern strategisch logisch vor. Das gilt für sie seit früher Jugend, seitdem sie für den Volleyballsport entdeckt wurde. Für den VC Schwerte spielte sie elf Jahre in der Bundesliga auf höchstem Niveau, schnupperte an einer internationalen Karriere mit der Nationalmannschaft. Neben herausragendem Talent braucht es dafür einen absolut klaren Fokus, die Bereitschaft, sich für den Erfolg zu quälen und auf vieles zu verzichten.

Die Volleyball-Karriere ist jüngere Geschichte, dennoch dreht sich bis heute bei Claudia Wehberg vieles weiter um Fitness und Sport.

Täglich hat sie es mit Menschen zu tun, die ihren inneren Schweinehund besiegen. Claudia Wehberg hilft denjenigen, die ein Hätte, Wenn und Aber hinter sich lassen - als Fitness- und Gesundheitsberaterin in einem großen Sportstudio.

Aber immer nur Sport? Als junge Frau hat sie in die so ganz andere Welt der Kreativen hineingeschnuppert. „Meine Jugendliebe war Sänger in einer Band. Ich fand die ganze Szene damals aufregend, spannend, inspirierend“, erinnert sie sich. „Auch wenn ich auf mancher Party damals nur Zuschauerin war.“

Leistungssport, tägliches Training und ausschweifender Lebensstil, das passte nicht zusammen. Also Verzicht.

Keine Bange vor der Blamage

„Ich habe Musik schon damals geliebt, aber ich hatte null Zeit dafür.“ Selbst wenn sie ihr Freund damals gefragt hätte, vielleicht im Background zu singen.

Wenn Claudia Wehberg heute über damals erzählt, schwingt ein wenig mit, dass sie schon gerne gefragt worden wäre. Ist sie aber nicht.

Der Traum blieb Traum. Lange. Jahrzehnte. Bis ein Missverständnis hilft. Die lange vergessene Gitarre ihres Sohnes wollte sie bei der Musiklehrerin in der Nachbarschaft eigentlich nur stimmen lassen. Daraus wird eine Probestunde. „Es war also eigentlich alles Zufall.“ Ein Abenteuer, auf das sie sich gerne und dauerhaft einlässt. Ohne große Pläne, ohne festes Ziel. Aber mit Leidenschaft und Selbstbewusstsein.

Als gestandene Hagener Musiker eine neue Sängerin suchten, ermutigte die Gitarrenlehrerin aus der Nachbarschaft Claudia Wehberg, auf die Reise in die andere, kreative Welt zu gehen, die sie als Zuschauerin ein Vierteljahrhundert zuvor bereits kennengelernt hatte.

„Mein Lebensprinzip ist: Ich habe nichts zu verlieren.“ Und beim Kennenlernen mit dem Gitarristen Freddy Rödiger und dem Bassisten Karl Emde blieb ein Gedanke fest im Hinterkopf: „Entspann dich. Die haben dich eingeladen.“ Und die Frage: „Was könnte dir im schlimmsten Fall passieren?“ Ihre Antwort: „Gar nichts. Wenn die Jungs gesagt hätten, ,nein, danke’. Na und? Das hältst Du aus, habe ich mir gedacht.“

Ein bisschen Mut, keine Bange vor der Blamage – das gehört dazu, wenn ein Traum nicht nur Traum bleiben soll, egal ob mit 15 oder 50.

Schritt für Schritt, Ton um Ton

Claudia Wehberg hat so ihr Leben 2016 um „Mikrokosmos“ erweitert. So heißt die Band, mit der sie, nach einem Jahr proben, seit zweieinhalb Jahren regelmäßig im Rampenlicht steht und nun gerade eine Platte aufnimmt. „Das erste Jahr war ein echtes Durchbeißen für mich.“ Sie singt die deutschen Texte, die überwiegend aus ihrer Feder stammen. Das Ziel: „Eine gute Zeit mit der Band und dem Publikum haben, Emotionen übertragen und Menschen mit auf eine musikalische Reise nehmen, egal ob es 5 oder 500 sind.“

Manchmal wirkt Claudia Wehberg auf der Bühne wie eine 17-Jährige – ganz ausgelassen, offen, zwischen Lebensfreude und Nachdenklichkeit, die ihre Texte widerspiegeln. „Alles, was man sich vorstellen kann, kann man schaffen“, glaubt sie.

Der früheren Leistungssportlerin hat eine gute Taktik dabei geholfen. „Es ist wie bei einem Kind. Es sind die gleichen Ängste, etwas nicht zu schaffen. Also würde ich logisch und Schritt für Schritt vorgehen, wie beispielsweise beim Erlernen des neuen Schulwegs“, lautet ihr Tipp, um den Weg vom Wunsch zur Wirklichkeit zu gehen. Stiefelt man in noch so kleinen Schritten los, nähert man sich nach einer Weile einer neuen Welt. „Du musst dich nur entscheiden.“ Klingt einfach – und gut.

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