Oldtimer-Rallye

Im Oktober startet die zweite Auflage der Sauerland Klassik

Walter Röhrl und Christian Geistdörfer im Porsche bei der Zieldurchfahrt in Attendorn.

Walter Röhrl und Christian Geistdörfer im Porsche bei der Zieldurchfahrt in Attendorn.

Foto: Lena Barthelmess

Attendorn.   Die zweite Sauerland Klassik startet am 4. Oktober in Attendorn. Erinnerungen an durchgeknallte Konstrukteure einer verrückten Zeit werden wach.

Die Oldtimer-Rallye Sauerland Klassik erlebt Anfang Oktober ihre zweite Auflage. Dreh- und Angelpunkt ist wieder die Hansestadt Attendorn, von wo sich eine internationale Karawane von 120 Oldtimern in drei Schleifen ihren Weg durch Südwestfalen sucht. Stand heute mit einem Starterfeld, das sich durch einen außergewöhnlich hohen Anteil von Vorkriegsfahrzeugen auszeichnet und darüber hinaus ein paar automobile Schätze beherbergt, die an 360 Tagen im Jahr ihren Platz in den Museen der großen Werke haben.

Auf schmalen Landstraßen

Im Herbst 2015, bei der ersten Ausgabe, wurden Teilnehmer wie Organisatoren vom Erfolg der Veranstaltung überrascht. So gab es für die Navigatoren der Teams auf den schmalen Landstraßen zwischen Attendorn, Plettenberg und Meschede, Bad Berleburg und Bad Laasphe einen untrüglichen Indikator dafür, ob man noch „auf Kurs“ war, oder sich verfahren hatte: Wer zwei Kilometer gefahren und an keinem winkenden Fotografen vorbei gekommen war, lag falsch: kleine Grüppchen, große Grüppchen, Garagenfeten an der Strecke und zu guter Letzt eine Wertungsprüfung, die abgebrochen werden musste, weil einfach zu viele Zuschauer an der Strecke standen.

Woher die Begeisterung für Oldtimer? Sie sind laut, sie stinken, sind komplett aus der Zeit gefallen - und deshalb eine Art Urlaub von der Gegenwart. Eine Erinnerung an (aus heutiger Sicht) durchgeknallte Konstrukteure und noch durchgeknalltere Fahrer in einer verrückten Zeit.

Abenteuer und harte Arbeit

Das Wichtigste in den frühen Jahren des Automobilbaus war der Motor, die Kraft, die irgendwie auf die Straße gebracht werden musste. Der Motor brauchte Benzin, also baute man einen Tank ein, und dazu Bremsen, damit das Ding auch anhalten konnte. Wenn alles fertig war, suchte man einen Platz für den Fahrer, der war meistens irgendwo zwischen Motor und Tank - die Techniker heute nennen das Prallkörper. Diese Autos zu fahren, war Abenteuer und harte Arbeit. Und heute?

Keine Autos mehr im Sinne eines Enzo Ferrari oder Colin Chapman, sondern klimatisierte Lebensversicherungspolicen mit Allradantrieb und Spurwechselwarner. Ist das schlecht? Nein! Auch wenn moderne Autos verwechselbar und langweilig sind, gebaut unter dem Diktat der Kostenminimierung und den Gesetzen des Marketings (Paragraf 1: Der Kunde hat immer Recht).

Von jedermann beherrschbar

Sie sind für viele unverzichtbar, dürfen deshalb auch nichts Abenteuerliches mehr an sich haben, sondern müssen von jedermann beherrschbar sein. Das sind sie: Note 1 für den Assist, aber keine Wertung für Emotion, wirklich keine, Null.

Ein Teilnehmer, der auf 0 Assist, aber viel Emotion setzt, ist Paul Sanders aus Wellington bei Birmingham. Er reist mit einem Austin Seven Ulster von 1930 an. Ein 14-PS-Geschoss, mit dem er in britischer Gelassenheit die Berge des Sauerlands in Angriff nehmen will. Sein Start ist eine Liebeserklärung an die Region: „Sie ist wunderschön, aber das weiß hier in England niemand“, so Sanders, der als junger Mann bei der Firma Kostal eine Lehre absolviert hat.

Teilnehmer aus Norwegen

Favorit für den Teilnehmer mit der längsten Anreise ist Helge Holck Dykesteen aus Stavanger in Norwegen. Sein Programm: 1300 Kilometer Anreise (auf eigener Achse), 650 Kilometer Rallye, 1300 Kilometer Abreise. Das macht er immer so. Helge Holck Dykesteen war auch 2015 schon dabei und kommt bei der nächsten mit Sicherheit wieder, denn die Begeisterung von 2015 hat er konserviert: „Das war unheimlich schön.“

Aber nicht nur durch die Unerschrockenheit eines Paul Sanders wird die Sauerland Klassik in diesem Jahr einen starken britischen Touch haben: Jaguar / Landrover sind offizieller Partner und restaurieren eigens für die Rallye im Sauerland einen Landrover der Serie I aus den 50er Jahren. Ein Auto, das den Ferrari, Maserati, Bizzarini und Stars der Autostadt im Parc fermé nicht die Schau stehlen, aber dessen große Stunde kommen wird. Der erste Rallyetag endet bei den Karl-May-Festspielen in Elspe. Mal sehen, wer es auf die Bühne schafft.

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