Neuheit in NRW

„Haha“ zum Mitnehmen: In Dortmund steht ein Witzeautomat

Sebastian Everding und der Witzeautomat in Dortmund-Hombruch. Gerade hat er eine Plastik-Kapsel mit einer Scherzfrage gezogen.

Sebastian Everding und der Witzeautomat in Dortmund-Hombruch. Gerade hat er eine Plastik-Kapsel mit einer Scherzfrage gezogen.

Foto: André Hirtz

Im Dortmunder Stadtteil Hombruch befindet sich Nordrhein-Westfalens erster Witzautomat, der zweite seiner Art auf der ganzen Welt.

Dortmund. Kommt ein Mann an einen Kaugummi-Automat. Sagt er: „Das ist aber eine zähe Angelegenheit.“ Sebastian Everding steht an einer Hauswand im Dortmunder Stadtteil Hombruch und lächelt. Er mag diese Art von Humor, „die flachen Witze, bis zu einer geringen Steigung“, wie er sagt. Kein Scherz: Der 36-Jährige hat Nordrhein-Westfalens ersten Witzeautomaten an eben jener Hauswand angebracht. Für 20 Cent kommt eine Plastikkapsel aus dem Inneren des Geräts – darin ein Zettel mit einem Witz.

„Ich bin der Herr der Witze.“ Mit diesen Worten hatte Sebastian Everding die Reporter begrüßt. Ob er ein lustiger Typ sei? „Ja“, kurz und prägnant wie seine Witze antwortet er und schiebt hinterher: „Es mag vielleicht Menschen geben, die das anders sehen.“ Der gelernte Computertechniker hat sich in die analoge Automaten-Welt begeben, nachdem er einen Bericht über Oliver Tissot gelesen hatte. Der Kabarettist hat in Nürnberg den ersten Witzeautomaten der Welt aufgestellt. „Ich habe mir bei ihm Tipps eingeholt, einen alten Kaugummi-Automat bei Ebay ersteigert, in dem einst saure Drops mit Ananas-Geschmack waren, und ihn neu beklebt“, sagt der Mann, der das Leid vieler Witze-Konsumenten teilt: „Ich kann mir die schlecht merken.“

Jetzt prangen die Aufschriften „Witzeautomat“, „Lachen ist die beste Medizin“ und „Witze to go“ auf Sebastian Everdings roter Scherz-Kiste, daneben ein alter Briefkasten, in den man die Plastik-Kapsel mit dem Witz nach dem Öffnen werfen kann („Recycling, also eine Mehrwegverpackung“). Seit dem der Automat am 1. Juli an den Start gegangen ist, hat ihr Besitzer nach seiner Aussage fast ausschließlich positive Reaktionen von Passanten erhalten. „Einer lobte mich, dass ich das bedrohte Kulturgut Kaugummi-Automat vor dem Verfall rette.“ Das angrenzende Sanitätshaus nimmt es übrigens mit Humor, dass Nicht-Kunden den Laden auf der Suche nach 20-Cent-Stücken betreten. „Sie haben ihren Wechselgeld-Bestand deutlich erhöht.“

200 Witze-Kapseln passen in den Automaten. Im Schnitt gehen 100 dieser Plastik-Teile pro Woche an den Mann bzw. die Frau – aus allen Altersschichten. „Die Leute sollen ein bisschen Spaß haben, sich ein wenig auflockern“, sagt Everding, „der kleine Scherz zwischendurch ist in Deutschland etwas verloren gegangen.“ Er bekommt Unterstützung von André René Krüger (25), der gerade auf dem Weg in die Fußgängerzone ist und vor dem Automaten stehen bleibt. „In diesen unruhigen Zeiten gibt es wenig zu lachen. Da ist es gut, wenn die Menschen einen Moment wegen eines Witzes schmunzeln können.“

Sebastian Everding schöpft aus einem Fundus von 250 bis 300 Witzen, die er für gut befindet. Grundbedingung: „Sie dürfen nicht rassistisch, sexistisch und diskriminierend sein.“ Dafür dürfen sie gerne tiefgründig und alt sein. Dass Witze mit einem langen Bart (nicht Barth) dabei sind, ist nicht ausgeschlossen. Womöglich sogar ganz nach dem Geschmack der Konsumenten. Fips Asmussen, der Hohesänger des Altherrenwitzes aus dem flachen Norden, der böser Zungen zufolge mit seinen 81 Jahren das Alter seiner Witze erreicht hat, gab zu dieser Frage einst eine simple Antwort: „Die Menschen wollen die alten Sachen hören.“

Ein Witzeautomat in Zeiten, in denen unzählige kostenlose Witze und lustige Videoclips das Internet heimsuchen. Kann das funktionieren? „Ja“, sagt Sebastian Everding, „bei einem Kaugummi- oder Witzeautomaten hat man einen Überraschungseffekt wie bei einem Ü-Ei. Und man schwelgt in Nostalgie, wenn man Geld in einen Schlitz wirft, dreht und es klackert und rappelt wie in der Kindheit.“

Eva Ullmann ist Leiterin des Deutschen Instituts für Humor in Leipzig. „Super“, sagt sie auf den Witzeautomat angesprochen. „Ein wichtiger Beitrag zur Pflege der Humorkultur.“ Apropos: Wie sieht es denn mit dem Humor der Deutschen aus? „Der hat sich in den vergangenen Jahren zum Positiven verändert.“ Früher hätten sich die Bundesbürger von dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ leiten lassen. In der heutigen Sehnsucht nach Work-Life-Balance sei auch durchaus mal ein Scherz möglich.

Und doch: Ein guter Witz brauche zwei Dinge, so Eva Ullmann: eine unerwartete Wendung und einen guten Erzähler. Was offenbar gar nicht so einfach ist: „Viele Menschen werden humorlos, wenn sie Witze erzählen.“ Dann schon lieber einen Witz aus dem Automaten lesen.

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