Kommentar

Fragen bleiben offen

Die Einen freuen sich über seine Rückkehr, die anderen fürchten sie: Warum der Wolf spaltet

Als vernünftiger, umweltbewusster Erwachsener mit landwirtschaftlichem Hintergrund ist man ganz zerrissen, wenn es um den Wolf geht. Bei diesem Thema spielen viele Aspekte eine Rolle, dazu kommt die politische Instrumentalisierung durch die Rechten. Rechnet man die einmal ab, bleiben dennoch Fragen: Wird die wachsende Wolfspopulation sich so verhalten, wie die Biologen es voraussagen? Beim Wisent hat das schon mal nicht funktioniert. Soll man nicht ein Auge auf die Rudel halten und notfalls Tiere entnehmen, oder müssen erst Menschen zu Schaden kommen?

Jenseits aller Hysterie für oder gegen das Raubtier muss unsere Gesellschaft diskutieren, wieviel Wolf unsere dicht besiedelte, ganz und gar durchökonomisierte Landschaft verträgt.

Viele Menschen, die täglich in ihren Büros eingesperrt sind, sehnen sich heute nach mehr Wildheit. Der Wolf wird zur Projektionsfläche, zum Seelentier. Hochintelligent, neugierig, frei, sozialkompetent: So möchte man ebenfalls sein.

Andererseits sind die Zeiten vorbei, in denen ein gerissenes Schaf für eine Familie den Unterschied zwischen Überleben und Verhungern bedeutete. Tierfleisch ist Wegwerfware, das hat sich in den Köpfen festgesetzt. Schafe haben keine Lobby. Das muss sich ändern. Wir brauchen mehr Respekt gegenüber Nutztieren. Denn auch das Schaf ist ein Geschöpf.

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