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Festival Kultur Pur auf dem Giller eröffnet

Das Evolution Dance Theater eröffnet mit Night Garden die 29. Ausgabe von Kultur Pur auf dem Giller

Das Evolution Dance Theater eröffnet mit Night Garden die 29. Ausgabe von Kultur Pur auf dem Giller

Foto: Hendrik Schulz / WP

Hilchenbach.  Das Festival Kultur Pur ist am Donnerstag vor begeistertem Publikum eröffnet worden. Bis Montag gibt es Töne, Tanz, Theater und Kleinkunst

Kalt wird es wohl nicht an diesem Pfingstwochenende auf der Ginsberger Heide — Kultur Pur, das früher auch schon mal im Schnee startete, rückt mit der 29. Ausgabe auf dem Kalender so nahe an den Sommer wie selten. Ob der Rekord von 68.000 Besuchern von 2017 gebrochen wird oder ob es „nur“ 58.000 wie im vorigen Jahr werden, dürfte vor allem von der zeitlichen Verteilung der Regenschauer abhängen: Wer einmal die Reise hoch hinauf auf die Ginsberger Heide, fast genau auf die Grenze zwischen Siegerland und Wittgenstein, geschafft hat, kommt da auch so schnell nicht wieder weg. Die Karawane der Pendelbusse fährt wetterunabhängig nach Plan, die Zahl der Parkplätze ist begrenzt.

Ein grünes Festival

Nicht jeder ist so drauf wie Charming Jay: Der Zauberer reist aus Südkorea an — einer der vielen Künstler, Gaukler, Akrobaten und sonstigen Spaßmacher, die von Samstag bis Montag umsonst und draußen dem Kultur-Volksfest ein buntes Gesicht geben. Shuttle vom Flughafen? Nicht nötig, es gibt doch die Bahn. In Siegen abholen? Wieso, Lützel hat doch auch eine Haltestelle. Dann unten im Dorf? Nein, die paar hundert Meter bergauf schafft der Zauberer auch noch allein. Dass Kultur Pur als „grünes Festival“ mit dem Green Music Award der Energieagentur NRW ausgezeichnet wurde, hat mit dem Gast aus Korea allerdings nichts zu tun: Die Zelttheaterstadt, die da – wie Bob Geldof einmal anmerkte — „in the middle of nowhere“ für fünf Tage Programm mit 200 Künstlern aus zwölf Nationen aus dem Boden gestampft wird, spart halt mit Energie und macht so wenig Müll wie möglich. Für die, die mit dem E-Bike, auf den Giller kommen, werden erstmals 120 Fahrradständer aufgestellt, damit die Zweiräder sicher und bäumeschonend angebunden werden können. Ladesäulen gibt es nicht. Nach Hause geht’s nur bergab — die schaffen das.

Zurück zu den Wurzeln

Der Donnerstagmorgen gehört den Kleinsten. 560 Schul- und Kindergartenkinder haben ihren Ausflug auf den Giller gemacht und dort „O wie schön ist Panama“ erlebt. Der Abend mit der offiziellen Eröffnung bot tolle Bilder: Das Evolution Dance Theater aus Rom zauberte einen „Night Garden“ auf die 240 Quadratmeter große Bühne. Eine für Kultur-Pur-Verhältnisse eher kleine Show mit 950 begeisterten Zuschauern – zugleich aber auch ein Signal des Teams um den neuen Festivalleiter Jens von Heyden, der Kultur Pur zurück zu seinen Wurzeln als Musik- und Theaterfestival führt.

Katharina Thalbach mit Familie

„Natürlich steht Kultur Pur vor allem für Rock-Pop-Highlights“, sagt Jens von Heyden. Und die sind auch diesmal dabei. Am Freitagabend dreht das Festival voll auf: „Feuerwerk“-Mann Wincent Weiss singt im ausverkauften großen Zelt. Am Samstagabend stehen die Mittelalter-Rocker „In Extremo“ auf der Bühne, am Montagabend die legendären – und auch schon ausverkauften — „Status Quo“. Den Top Act am Sonntag bestreitet die in Hilchenbach beheimatete Philharmonie Südwestfalen. Eine Nummer kleiner, aber keineswegs leiser sind die Shows im kleinen Zelt: Samstagnacht machen „Willer Watz“ dort Party mit (Elektro-„Kosmonautenklang“), Sonntagnacht gibt es Afrobeat mit Seun Kuti und seiner Band Egypt 80. Stefanie Heinzmann ist schon am späten Samstagnachmittag da: Pop und Soul vor dem nächsten lautstarken Top Act.

Und dann gibt es noch die Perlen im Programm: Anna, Nellie und Katharina Thalbach mit ihren „Witwendramen“, Oma, Tochter und Enkelin, sind schon am Freitag-Vorabend auf der Bühne. Bei den „Includers“ aus Siegen singen und spielen Menschen mit und ohne Behinderung. Und die „Rayquasa“ aus Wittgenstein, Durchschnittsalter: 13, für die Kultur Pur nur eine Zwischenstation ist. Eigentlich, hat einer von den kleinen Hardrockern neulich gesagt, wollen sie zu Rock am Ring.

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