Tiere

Dressur: Familie Antoine trainiert tierische Filmdarsteller

Diana Antoine trainiert seit über 20 Jahren Tiere für TV-Shows, Filmproduktionen und andere Aufführungen. Affe Fritz ist im aktuellen Benjamin Blümchen Film zu sehen.

Diana Antoine trainiert seit über 20 Jahren Tiere für TV-Shows, Filmproduktionen und andere Aufführungen. Affe Fritz ist im aktuellen Benjamin Blümchen Film zu sehen.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Wickede.  Vogelspinnen, Kamele, Affen: Familie Antoine aus Echthausen trainiert Tiere für Filmproduktionen. Einige von ihnen sind aktuell im Kino zu sehen.

Unscheinbar wirkt das Haus in Echthausen, einem kleinen Ortsteil von Wickede. Hier lebt und arbeitet die Familie Antoine. Ein paar alte Transporter stehen auf dem Hof. Ein Stall, eine große Wiese und ein großer Holzschuppen – nichts Ungewöhnliches in einem Dorf. Doch auf der Wiese steht ein großes, dunkelbraunes Kamel. Es ist eines von vielen Tieren, die auf dem Hof der Antoines lebt. Und es ist eines von vielen Filmstars, die derzeit im Benjamin-Blümchen-Film auf der Kinoleinwand zu sehen sind.

Seit über 20 Jahren trainiert die 53-jährige Diana Antoine gemeinsam mit ihren Eltern Rita und Karl Tiere für Kinoproduktionen, TV-Sendungen und diverse Shows weltweit. Von Alligatoren über Pinguine und Ziegen bis hin zur Vogelspinne – es gibt kaum eine Tierart, die die Antoines noch nicht dressiert haben. Tierdressur ist für die Antoines ein Vollzeitjob. Dabei wollte Karl Antoine, das Familien-Oberhaupt, eigentlich Dompteur werden. „Ich hatte einen guten Lehrer. Der sagte: ‘Karl, lauf nicht weg in den Zirkus! Dort wirst du nichts.’ Und er hatte recht.“ Stattdessen lernte Karl Antoine Tierpfleger. Bereut habe er diese Entscheidung nie. Denn Tiere, so sagt er, seien sein Leben.

Tierische Familienmitglieder

Was für einige Menschen ein Haustier ist, ist für die Antoines ein Familienmitglied. „Haben wir uns einmal ein Tier angeschafft, geben wir es nicht wieder her. Außer, wir können ihm keinen geeigneten Unterschlupf bieten“, sagt Karl Antoine. Das Wohl des Tieres stehe immer im Vordergrund. Und das werde regelmäßig überprüft. Nicht nur für den Transport der Tiere hat Familie Antoine eine Genehmigung – auch für die Haltung einiger spezieller Tiere.

So kam es, dass Diana Antoine für eine TV-Show mehrere Klapperschlangen besorgen musste. „Der Weltrekordhalter im Klapperschlangen-Badewannenliegen war gerade in Europa in diversen Talk-Shows zu Gast. Da wir die Genehmigung haben, auch giftige Tierarten zu halten und zu transportieren, mussten wir die Schlangen für die Show besorgen“, sagt sie und ist froh, dass sie danach für die Schlangen ein anderes Zuhause fanden. „Ich habe keine Angst vor Tieren, aber ich habe Respekt vor allem, was giftig ist.“

Ziege Mia ist im Münsteraner Tatort zu sehen

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Von ihren Alligatoren hingegen habe sie sich nur schweren Herzens getrennt. Und noch ein Abschied bereitete den Antoines Herzschmerz: Ihre Elefantendame musste nach 23 Jahren den Hof verlassen. „Sie hätte ein größeren Schlafplatz gebraucht und das konnten wir uns nicht leisten“, sagt Karl Antoine mit zittriger Stimmer. Dann lächelt er. „Ich weiß, dass es ihr gut geht.“ Heute lebt sie in einem Elefantenpark in Mecklenburg-Vorpommern. „Sie erkennt uns an dem Motor unseres Autos, wenn wir dort auf den Hof fahren. Dann höre ich ihre Laute im Stall.“

Gut scheint es auch dem Berber-Affen Fritz zu gehen. Er sitzt fröhlich auf dem kleinen Holzschaukelpferd, das auf dem Tisch im Aufenthaltsraum der Antoines steht. Schaukeln – das übt der kleine Affe aktuell regelmäßig. Schon bald soll er auf einem Esel reiten können. Diana Antoine gibt „Fritzchen“ ein Leckerli als Belohnung. Danach nimmt sie ihn auf ihre Schultern.

Gemeinsam mit Ziege Mia hat Fritzchen bereits einige Film- und Werbeproduktionen hinter sich. „Mia hat sogar in einem Münsteraner Tatort mitgespielt und dort die Beweisstücke gefressen. Das war an der Seite von Jan Josef Liefers“, sagt Karl Antoine und holt eine Mappe mit Erinnerungsfotos hervor. Stolz zeigt er auf die Bilder, die am Set entstanden sind.

Filmstudio zerlegt

Aufgeregt seien die Antoines mittlerweile nicht mehr, wenn ihre Schützlinge vor der Kamera stehen. Und auch die Tiere haben Spaß beim Dreh. Das sei wichtig. Aber: „Eine gewisse Anspannung ist immer mit dabei. Jede Drehminute kostet Geld. Da sind wir froh, wenn alles reibungslos klappt.“ Umso ärgerlicher sei es, wenn die Fehler aufgrund falscher Lichteinstellungen geschehen. Handzeichen, Befehle und die Nähe der Antoines – das ist es, was die kleinen Darsteller am Set benötigen.

Größere Probleme habe es beim Dreh noch nicht gegeben. „Die Filmemacher sagen uns in der Regel rechtzeitig Bescheid, damit wir genügend Zeit für die Dressur haben.“ Ein gezieltes Training gebe es nicht. „Das kommt immer auf den Charakter des Tieres an“, erklärt Diana Antoine. „Wenn sie Teil einer Show sind, versuche ich Licht und Musik langsam zu steigern. So geraten die Tiere nicht in Stress.“

Die Darsteller von „Rennschwein Rudi Rüssel“ wurden sogar in ihrem Haus groß gezogen. 1996 gewann der Film mit Iris Berben und Ulrich Mühe in den Hauptrollen, den Bayerischen Filmpreis als Bester Kinderfilm. „Bei einer so großen Filmproduktion können wir die Schweine nicht in den Stall stecken und dann eine Stunde am Tag mit ihnen trainieren“, sagt Karl Antoine. Und an noch etwas kann er sich gut erinnern: „Es gibt eine Fußball-Szene, in der Rudi Rüssel dem Schiedsrichter die Hose herunter zieht. Keiner der Schauspieler hat sich getraut. Daher musste ich den Schiedsrichter spielen.“ Für den gelernten Tierpfleger ein lustiges Unterfangen. Für gewöhnlich aber bleiben die Antoines hinter der Kamera und überlassen das Schauspielern lieber den Tieren.

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