Wolf

Agrarexperte: „Der Wolf lässt sich nicht steuern“

Wieviel Wolf verträgt Deutschland?

Wieviel Wolf verträgt Deutschland?

Foto: Swen Pförtner / dpa

Hagen.   Seit 20 Jahren ist der Wolf zurück. Aber erst jetzt wird über sein Bleiberecht diskutiert, und zwar erbittert.

Die Rückkehr des Wolfes führt zu großer Verunsicherung bei Landwirten und Wanderern. Der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Matthias Schick sieht Biohöfe, Familienbetriebe und Nebenerwerbs-Landwirte besonders betroffen von möglichen Wolfsrissen. Effektive Schutzmaßnahmen seien so personal- und kostenintensiv, dass sie für kleine Betriebe nicht zu realisieren seien, sagt Schick im Interview. Der Wissenschaftler befürchtet Probleme, wenn sich die Wolfspopulation weiter rasch und unkontrolliert vermehre. „Wir denken in unserer Arroganz als Menschen tatsächlich, dass wir den Wolf steuern können“, so Schick.

Die Bundesregierung reagiert auf die kontroversen Diskussionen mit einer Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes. Das soll einen neuen Umgang mit Wölfen regeln. Danach ist künftig das Füttern von Wölfen verboten. Außerdem erlaubt das Gesetz, Wölfe zu jagen, wenn sie im Verdacht stehen, Schafe oder andere Nutztiere gerissen zu haben.

Mehr als 80 Rudel in Deutschland

Laut Schick leben derzeit mehr als 80 Rudel und mehr als 30 Paare in Deutschland. Seit 2016 würden jährlich über 1000 Wolfsrisse bestätigt. Die Population hätte sich schneller vermehrt als erwartet. Um Südwestfalen scheint der Wolf derzeit noch einen Bogen zu machen. Einzelne Wölfe wurden gesichtet, so vor wenigen Tagen im Märkischen Kreis. In Rheinland-Pfalz an der Grenze zum Siegerland scheint sich eine Wölfin niederzulassen. Doch bislang hat sich kein verendetes Tier als Wolfsriss nachweisen lassen.

Die nordrhein-wissenschaftliche Landesregierung hat einen Wolfs-Informationsdienst eingerichtet, um interessierte Bürger über die bislang bestätigten Wolfssichtungen zu informieren. Ein Netzwerk von über 70 Wolfsberatern informiert Landwirte und Schäfer über Schutzmaßnahmen.

Wolfsberater Werner Schubert von der biologischen Station HSK in Brilon fordert, dass die NRW-Landesregierung vorbeugende Schutzmaßnahmen unterstützen solle, statt Landwirte nur für gerissene Tiere zu entschädigen. Es dauere allein zwei Jahre, einen Herdenschutzhund auszubilden.

Agrarwissenschaftler Schick ist sicher, dass es auch in touristisch genutzten Wäldern einen Platz für den Wolf gibt. Wölfe könnten sogar helfen, den Wildschweinbestand einzudämmen.

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