Corona

Depression während Corona: "Ich sitze zu Hause und weine"

Die Corona-Krise ist eine Herausforderung für viele Menschen. Besonders für jene, die schon vorher Probleme hatten.

Die Corona-Krise ist eine Herausforderung für viele Menschen. Besonders für jene, die schon vorher Probleme hatten.

Foto: dpa

Arnsberg.  Die Corona-Krise trifft viele Menschen hart. Dazu zählen auch jene, die schon vorher psychisch erkrankt waren. Eine junge Frau erzählt.

Kontaktsperre, wegfallende Strukturen, Einsamkeit: Die Corona-Krise war und ist eine große Herausforderung für viele Menschen. Besonders aber für jene, die vorher schon psychische Probleme hatten. Monika Meier (geänderter Name) ist 24 Jahre alt und kommt aus Arnsberg. Sie leidet an seit vier Jahren an einer mittelschweren Depression. Wie blickt sie auf diese Zeit? Darüber spricht sie, anonym, weil längst nicht jeder in ihrem Umfeld von ihrer Krankheit weiß. Weil sie weiß, dass es Menschen gibt, die Vorurteile haben. „Ich habe negative Erfahrungen gemacht“, sagt die arbeitssuchende Kinderpflegerin. „Traurig, aber es ist so. Auch heute noch. Es gibt Menschen, die einem keine Chance geben.“

Wie lässt sich ihr Krankheitsbild beschreiben?

Ich hatte vor etwa vier Jahren eine schwere depressive Phase. In dieser Zeit ist die Krankheit diagnostiziert worden. Man sagte mir, dass mich diese Krankheit immer begleiten wird. Ich war einen Monat lang in stationärer Behandlung und befand mich in den drei Jahren danach in ambulanter Therapie. Zum Krankheitsbild gehört auch ADHS und eine Anpassungsstörung. Das heißt: Ich kann mich schlecht auf neue Situationen einstellen und mich mit ihnen zurechtfinden. Seit einem Jahr bin ich nun nicht mehr in Behandlung, nehme aber weiterhin meine Medikamente.

Wie äußert sich Ihre Krankheit für gewöhnlich?

Ich habe selten ein Tief, das wirklich lang andauert. Bei mir geschieht das immer schubweise, mal für einige Stunden, mal für einen Tag oder etwas länger. An normalen Tagen geht es mir sehr gut. Seit einigen Monaten war ich sehr stabil.

Und in Zeiten von Corona?

Durch die Ausgangsbeschränkungen sind mir viele Strukturen in meinem Leben vorerst weggebrochen. Strukturen sind für mich sehr wichtig, denn sie geben mir Halt im Alltag. Ohne bin ich schnell überfordert. Zu diesen Strukturen gehören zum Beispiel Treffen mit Freunden und Familie, aber auch regelmäßige Gesprächsangebote meine Krankheit betreffend. Ich musste feststellen, dass die Phasen, in denen ich ein Tief empfinde, wieder zunahmen.

Wie äußerte sich das?

Ich kann dann sehr unausgeglichen sein. Ich bin ohnehin ein emotionaler Typ. Ich reagiere dann schnell gereizt, meine Stimmungen schwanken schnell. Und es ist so, dass ich dann nichts mit mir anzufangen weiß. Ich lebe in den Tag hinein, habe keine Kraft, mir Pläne zu machen. In der ersten Zeit war ich völlig überfordert.

Wie haben Sie das geändert?

In meiner Therapie habe ich gelernt, wie ich mir selbst Strukturen schaffe, wenn ich drohe, mich hängen zu lassen.

Wie sieht es aus, wenn Sie sich hängen lassen?

Ich sitze zu Hause, fühle mich einsam, weine.

Welche Strukturen haben Sie sich geschaffen?

Ich habe mir gezielt Aufgaben und Ziele vorgenommen. Banale Tätigkeiten im Haushalt wie Wäsche waschen oder putzen. Oder ich habe mich in mein Hobby vertieft, die Malerei. Oder mit Freunden telefoniert, das half gegen die Einsamkeit.

Hat sich Ihre Lage nach den Lockerungen wieder verbessert?

Ich bin raus aus dem depressiven Teufelskreis. Ich kann jetzt wieder jeden Tag unterwegs sein und mich mit Freunden treffen. Ich genieße diese Freiheit. Meine Mutter arbeitet in der Pflege, mein Großvater gehört zur Risikogruppe – ich habe sie lange nicht gesehen, aber jetzt haben wir wieder erste Treffen gewagt.

Wie blicken Sie auf diese Monate zurück?

Die erste Zeit war richtig, richtig schwierig. Aber je länger das öffentliche Leben still stand, desto mehr konnte ich die freie Zeit auch nutzen, um zu versuchen, zur Ruhe zu kommen und zu mir zu finden. Aber auch das war für mich ein schmaler Grat.

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