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Corona-Folgen: Mundschutz killt das Einkaufsgefühl

Der Mundschutz ist für viele beim Einkaufen ein Störfaktor.

Der Mundschutz ist für viele beim Einkaufen ein Störfaktor.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Hagen/Sauerland.  Der Handel klagt über zu wenig Umsätze. Und viele Kunden in der Region sagen klar: Der Mundschutz hält uns vom Einkauf ab. Was ist jetzt zu tun?

Es ist der Mundschutz – und immer wieder der Mundschutz. Wenn es etwas gibt, das die Menschen in unserer Region vom Einkaufen abhält, dann scheint es eben diese Maske zu sein. Wir haben nachgefragt – sowohl im Hochsauerlandkreis als auch in der Großstadt Hagen. Im Ennepe-Ruhr-Kreis, genauso wie in Olpe und Siegen-Wittgenstein.

Die Frage war offen formuliert: Was stört beim Einkaufen in Corona-Zeiten? Und obwohl die Frage über unsere lokalen Facebook-Accounts gestreut wurde, die Debatten in den Orten völlig unabhängig voneinander verlaufen sind, läuft es in rund 200 Beiträgen immer wieder auf den einen Punkt zu: Der gesetzlich vorgeschriebene Mundschutz hemmt die Einkaufslust.

Doch wie kann diese wieder geweckt werden, wenn uns die Masken doch wohl noch lange begleiten werden? Auch für Professor Hendrik Schröder, Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des Lehrstuhls für Marketing und Handel an der Universität Duisburg-Essen, keine leichte Frage: „Schwierig, wer das als unüberwindbares Hindernis ansieht, wird nicht einkaufen gehen.“ Aber er hat eine Reihe anderer Tipps für Einzelhändler parat, wie sie die Kunden binden können.

Die Kunden-Sicht

„Ich käme gar nicht auf die Idee, in die Umkleidekabine mit einer Maske zu gehen. Luft holen ist mir damit zu anstrengend“, sagt Petra Heil aus Hagen. „Shopping ist mein Ding, aber aktuell bin ich mit meinem vollen Kleiderschrank zufrieden.“ Und Dina Maria aus dem Altkreis Brilon sieht es ähnlich: „Es dämmt die Lust, man macht schnell, um schnell an die frische Luft zu kommen. Mit Geduld bummeln macht man nicht.“ Nicht nur eine Wahrnehmung bei Frauen, sondern auch bei Männern: „So lange die Maskenpflicht besteht, kaufe ich nur das Allernötigste ein“, sagt etwa Holger Krefting aus Sprockhövel. „Abstand gerne, aber mit Maske verzichte ich lieber auf Shoppen.“

Einzelne Aussagen, aber wohl keine Einzelfälle. Denn die Umsätze stimmen vielerorts noch lange nicht. Dazu trägt auch das Verhalten von Simone Mey bei: „Ich kaufe nur Waren des täglichen Bedarfs, alles andere bestelle ich.“

Die Verkäuferinnen-Sicht

Diese Kundensicht stößt bei Verkäuferinnen nicht immer auf Verständnis. „Was ist denn mit all den Leuten, die das Ding acht bis zehn Stunden im Gesicht haben?“, fragt Jaqueline Ernenputsch aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. „Ebenso macht es mich stinksauer, dass wir uns im Laden den ganzen Tag den Mund fusselig reden müssen, weil einige Leute der Meinung sind, sich nicht an Regeln halten zu müssen.“ Teresa Schulte aus Meschede sieht das auch so: „Die Einkaufszeit beträgt höchstens 15 bis 20 Minuten. Wir Verkäufer tragen sie bis zu acht Stunden.“

Die Experten-Sicht

Diese Empfindungen auszusprechen, sei richtig und vielleicht der erste Schritt für das Verkaufspersonal, mit kritischen Kunden ins Gespräch zu kommen, sagt Einzelhandels-Experte Prof. Henrik Schröder. „Der Satz könnte helfen: ,Wir haben Verständnis dafür, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Maske unangenehm ist. Wir, das Personal, müssen ihn den ganzen Tag tragen, wenn wir im Geschäft sind. Sie nur, wenn Sie das Geschäft betreten’.“

In der Kommunikation mit dem Kunden müsse ohnehin einiges verbessert werden, so Schröder. Mindestens bis ein Impfstoff gefunden sei, müsse man ja wohl mit Masken und Zugangsbeschränkungen leben. „Wenn Kunden draußen warten müssen, um in einen Laden zu kommen, oder nicht genau wissen, wie sie sich verhalten müssen, verunsichert sie das“, sagt er und hat den klaren Rat: „Händler müssen noch viel klarer kommunizieren. Ich sehe oft Hinweise in Geschäften, die viel zu klein geschrieben oder unverständlich sind. Die sollten gut lesbar und freundlich formuliert sein.“

Und auch wenn die Situation sehr anstrengend sei: „Es lohnt sich, wenn die Verkäuferinnen und Verkäufer noch freundlicher sind.“ Das Verkaufspersonal sei ohnehin äußerst wichtig in dieser Phase. „Es entscheidet, wie erfolgreich der Einzelhandel ist. Dasgroße Plus von Karstadt war immer das Fachpersonal. Als es dem Unternehmen schlecht zu gehen begann, wurde zuerst am Personal gespart. Der völlig falsche Weg.“

Und ein weiterer Rat: Die Einzelhändler vor Ort müssten ihre Bringdienste ausbauen. „Zum einen haben sich die Kunden daran in der Lockdown-Zeit noch mehr gewöhnt. Zum anderen gibt es Kunden, die nicht in Geschäfte gehen wollen oder können, weil sie zur Risikogruppe gehören. Wir sehen das gerade für Apotheken, die in sehr intensivem Wettbewerb mit Online-Apotheken stehen. Über Botendienste sind Vor-Ort-Apotheken schneller bei ihren Kunden als Versandapotheken. Das ist ein Ansatz für den stationären Handel.“

>> HINTERGRUND: Nicht auf Rabattschlacht setzen

  • Betont auf Billig-Preise zu setzen, um Kunden wieder zu gewinnen, hält Hendrik Schröder für den falschen Weg: „Viele Händler ziehen jetzt schon die Mehrwertsteuer-Entlastung vor, das heißt sie geben schon jetzt Vergünstigungen. Das sieht wie eine Rabattschlacht aus.“
  • Der NRW-Einzelhandel verbuchte im April einen preisbereinigten Umsatzrückgang von 5,1 Prozent. Kleidungs- und Schuhgeschäfte verloren im Vorjahresvergleich rund zwei Drittel ihres Umsatzes. Der Versand- und Internethandel wuchs dagegen um fast ein Drittel (31,2 Prozent).
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