Waldsterben

Billiarden Borkenkäfer fressen sich durch den Wald in NRW

So sieht der Wald aus, wenn der Borkenkäfer sein Unwesen getrieben hat.

So sieht der Wald aus, wenn der Borkenkäfer sein Unwesen getrieben hat.

Foto: Oliver Berg / dpa

Hagen.  NRW ist von der Borkenkäfer-Plage besonders stark betroffen. Die Schädlinge machen sich jetzt auch über andere Baumarten her.

Die Zahl klingt unvorstellbar groß: Mehrere Billiarden Borkenkäfer machen sich gerade in Nordrhein-Westfalen über die Wälder her. Das ist eine Zahl mit 15 Nullen. Schon im vergangenen Jahr hat der Schädling 15 Millionen Festmeter Fichte in NRW vernichtet, Experten fürchten, dass es dieses Jahr noch schlimmer wird. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagte Dr. Mathias Niesar, Leiter des Waldschutzmanagements beim Landesbetrieb Wald und Holz, am Freitag. Denn jetzt greift der Käfer auch andere Baumarten wie Kiefer und Douglasie an. Niesar: „Wo das endet, wissen wir nicht.“

Die Lebensbedingungen für die Käfer sind optimal: Je höher die Temperaturen steigen, desto aktiver werden sie. Und im bereits geschädigten Holz finden sie ideale Brutstätten. Nach Angaben von Wald und Holz tummeln sich in die Borkenkäfer-Fallen momentan zwölfmal so viele Tiere wie im Jahr 2018.

Jede Menge Buchdrucker am Möhnesee

Am Möhnesee tauchten jetzt in einem abgestorbenen Kiefernbestand „jede Menge Buchdrucker“ auf, deren Nachwuchs wächst und gedeiht. Die Douglasie werde ebenfalls attackiert, sagte Niesar. Allerdings sei dieser Baum noch stark genug, um die Eier zu verharzen und damit abzutöten. Ob der Käfer auch Laubbäume ins Visier nehmen könne, werde derzeit untersucht.

Zusätzlich macht die zunehmende Trockenheit den Wäldern zu schaffen. Auch bei der Buche gebe es erheblich Probleme. „Die Witterungsbedingungen setzen allen Arten zu, die Fichte leidet am meisten“, sagte Niesar.

Der großflächige Einsatz von Insektiziden sei als Maßnahme gegen Schädlinge nicht geeignet, erklärte der Experte. Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln per Hubschrauber bringe nichts, weil das Gift in den Baumkronen hängen bleibe. Zudem sei ein Großeinsatz der chemischen Keule aus ökologischen Gründen verboten.

Solidargemeinschaften klappen nicht

Wald und Holz hat deshalb bereits vor zwei Jahren angeregt, die gesunden Fichtenbestände ausfindig zu machen und dort in einem Umkreis von 500 Metern vom Käfer befallene Bäume umgehend zu fällen und abzutransportieren. Das scheitert an den Besitzstrukturen: Allein in NRW gibt es etwa 150.000 Waldbesitzer. Sie unter einen Hut zu bringen, sei „nicht leistbar“, sagte Niesar. Der Landesbetrieb hat vergangenes Jahr die Gründung von Solidargemeinschaften vorgeschlagen. Seitdem hat sich eine einzige Gemeinschaft in Lüdenscheid gegründet.

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