Oldtimer-Rallye

Urban Priol hat Benzin im Blut

Urban Priol mit einem Triumph TR6 unterwegs im Sauerland.

Urban Priol mit einem Triumph TR6 unterwegs im Sauerland.

Foto: WP

Attendorn.   Kabarettist Urban Priol startet bei der „Sauerland-Klassik“, der Oldtimer-Rallye, die an drei Tagen durch das Sauer-, Sieger und Wittgensteiner Land führt.

Ein Bentley „Open Tourer“ wird am 1. Oktober um ­14 Uhr vom Alten Markt in Attendorn aus als erster Teilnehmer der von der WESTFALENPOST mitpräsentierten „Sauerland Klassik“ auf die Reise geschickt. Der Koloss aus dem Jahr 1929, mit reichlich Hubraum, aber ohne Dach, rollt eigens aus der Schweiz an und wird mit einer gewaltigen Klangkulisse die größte Oldtimer Rallye des Sauerlands eröffnen.

Zu den rund 100 Teilnehmern gehört auch Kabarettist Urban ­Priol, bekennender Oldtimer-Fan und im Fall der ersten Sauerland Klassik auch Moderator des Gala-Abends, den er gemeinsam mit seinem Kabarettisten-Kollegen ­Jochen Malmsheimer gestaltet.

Wie für alle, die einen nicht unerheblichen Anteil Benzin im Blut haben, waren die ersten 18 Lebensjahre für ihn die schlimmsten. „Denn autoverrückt“, sagt Urban Priol, „war ich von Geburt an.“

Erste Linderung gab’s mit 16 in Form eines Mofas, aber richtig angefangen hat das Leben mit 18, mit dem Führerschein und einem Opel Kadett C Coupé: „Den hab’ ich von meiner Schwester übernommen.“

Traum vom Opel Kadett GT/E

Einen 52-PS-Kadett von der großen Schwester geerbt und von Stund an mit dem „Ein-Paar-PS-Mehr-Wären-Schön-Virus“ infiziert: „Geträumt habe ich damals vom Opel Kadett GT/E mit 110 PS. Heute habe ich ihn.“

Als einer von rund 100 Oldtimer-Fans startet Priol bei der Sauerland Klassik, die von Attendorn aus vom 1. bis 3. Oktober in drei großen Schleifen das Sauer- und Siegerland durchstreift. Der Kabarettist Priol kennt von seinen Auftritten in der Region zumindest schon die eine oder andere Bühne, für Karat-Sänger Claudius Dreilich, den Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl und andere Promis sind die kleinen Nebenstraßen, über die die Rallye führt, unbekanntes Gebiet.

Aber genau das ist es, was den Reiz einer Oldtimer-Rallye für ­Priol ausmacht: „Fahren, suchen, Fehler vermeiden und schimpfen“, sind für den 54-Jährigen die Essenz einer guten Rallye und beschreiben das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer/Navigator. Wobei man „Fehler vermeiden“ und „Schimpfen“ als Einheit begreifen muss.

Urban Priol fährt übrigens mit seinem Steuerberater als Beifahrer, „was den Vorteil hat, dass man sich auch mal freut, wenn man mit seinem Steuerberater spricht“, erklärt Priol, schränkt aber gleich ein: „Nicht immer“ und erzählt die Geschichte einer Rallye in Großbritannien, als die beiden nachts in Wales vergeblich auf und unter einer verschneiten Brücke herumgeturnt sind, um eine Durchfahrtkontrolle zu finden. Eine Übung, die man sich bei genauem Studium des Reglements hätte sparen können: „Da wurd’s dann warm im Auto“, erinnert er sich.

Bauschaum gegen Rost

Auto-Geschichten gehören zu Urban Priol wie seine Sturmfrisur auf der Kabarett-Bühne. Zum Beispiel die von dem alten VW Bulli, ein T2: „Den hab ich bekommen, weil ich ein halbes Jahr Nachhilfe gegeben habe.“ Tragendes soll mit Beton ausgegossen gewesen sein, bestimmte Karosseriebereiche erinnerten verdächtig an Bauschaum, was aber nicht mehr zu erkennen war, weil eine Kunststudentin sich auf dem Lack mit einem Sonnenuntergang ausgetobt hatte. Ziel: portugiesische Atlantikküste, Prognose: nicht mal Saarbrücken, Fazit: nach 48 Stunden der erste Einkauf in Portugal. „Da war der Wein so billig, dass er noch während der Anreise aus Zahnputzbechern getrunken wurde. Fahrer und Auto hatten dann in Sachen Verkehrssicherheit wenigstens einen vergleichbaren Level.“

Es sind solche Geschichten, die den Oldtimer-Fan Priol beschreiben, denn ohne eine kämpferische Grundeinstellung wären Erlebnisse wie die auf der Brücke in Wales oder die Teilnahme an der Histo-Monte schwer vorstellbar. Die fuhr er 2008 mit einem Mercedes 190 D, Baujahr 1959 (Ponton) und mit 50 PS ziemlich untermotorisiert.

Was den berühmten Col de Turini, ein Pass in den Seealpen, zu einer hoffnungslosen Angelegenheit gemacht hat, wäre im Sauerland noch allemal ausreichend. 50 Diesel-PS reichen sogar für den Weg neben der Bob-Bahn in Winterberg, allein deshalb, weil er bei der Sauerland Klassik bergab befahren wird. Auch sonst braucht’s keinen Abenteurer-Geist. Die Landschaft wird in Ruhe erfahren.

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