Campus-Symposium

Barroso: Europa muss illegale Zuwanderung gemeinsam stoppen

Engagierter Auftritt: José Manuel Barroso, ehemaliger Chef der EU-Kommission (2004 - 2014), beim Campus-Symposium in Iserlohn.

Engagierter Auftritt: José Manuel Barroso, ehemaliger Chef der EU-Kommission (2004 - 2014), beim Campus-Symposium in Iserlohn.

Foto: Olaf Fuhrmann

Iserlohn.   Der ehemalige Präsident der EU-Kommission Barroso macht sich in Iserlohn für ein gemeinsames Europa stark. Politiker sieht aber auch Probleme.

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Es ist keine Rede. Erst Recht kein Vortrag. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer. Nicht nur für die europäische Idee und die politische Union der (noch) 28 Mitgliedsstaaten, sondern für Freizügigkeit von Märkten und für Menschen, für Fortschritt – und für Freiheit: Der ehemalige Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, tritt, „ohne politisches Amt und Verantwortung“, aber als Überzeugungstäter auf der Wirtschaftskonferenz Campus-Symposium in Iserlohn auf.

Zehn Jahre, von 2004 bis 2014, und damit zwei Wahlzeiten stand der Portugiese an der Spitze der mächtigen EU-Kommission. Die Anfänge seiner politischen Laufbahn liegen in der Zeit der Nelken-Revolution Mitte der 1970er-Jahre, als sich Portugal von der drückenden Last der Diktatur befreit und seine Kolonialkriege beendet. Eine Zeitenwende in Europas südwestlichster Ecke – und letztlich der Eintritt Portugals als Demokratie in die Welt des modernen Europas. Barroso ist Vor- und Mitkämpfer.

Baroso: Europas Probleme sind lösbar

Ja, Europa habe Probleme und es laufe nicht alles gut in der Zusammenarbeit der 28 Staaten, gibt Barroso zu. Er lässt aber ebenso keine Zweifel aufkommen, dass die Probleme nicht lösbar wären. Er sagt das aus eigener Erfahrung; erinnert an die Probleme mit der Ratifizierung des EU-Verfassungsvertrags (2005) und des Vertrags von Lissabon (2007/2008), die den großen Rahmen für die EU bilden, in seiner ersten Amtszeit. „Wie sollte es weitergehen?“ Es ging weiter, „weil wir in der Lage waren, Kompromisse zu verhandeln“. Die Finanz- und Eurokrise, der Anfang des Ukrainekonflikts – auch sie vielen in Barrosos Zeit auf dem Chefposten in Brüssel.

Barroso beschreibt das Szenario eines Rückfalls in alte Zeiten als Alternative zur Zusammenarbeit in Europa: „Vor 30 Jahren wurde fast die Hälfte der europäischen Länder von Diktatoren regiert, die baltischen Staaten waren nicht einmal unabhängig. Wir sollten stolz, aber nicht arrogant auf den Fortschritt sein und das auch der jungen Generation sagen!“

Politiker wünscht sich weniger Grenzen innerhalb Europas

Barroso gibt den jetzt Verantwortlichen in den 28 Hauptstädten einen klaren Auftrag, ohne dass er sie direkt anspricht. Die illegale Zuwanderung müsse gemeinsam gestoppt werden: „Freizügigkeit zwischen den EU-Ländern bedeutet nicht, dass die Außengrenzen völlig offen stehen.“ Im Innern wünscht sich der konservative Portugiese mehr von einer „europäische Dimension“: weniger Grenzen, mehr Austausch in Wissenschaften und Kultur und die Akzeptanz von Unterschieden als Vielfalt.

Sein gewichtigstes Argument, neben der EU als Friedens- und Freiheitsgarant: „Kein Land der EU“ alleine könne mit den Wirtschaftsmächten USA oder China auf Augenhöhe verhandeln. Auch Großbritannien nicht: „Die Briten werden unter dem Austritt mehr leiden als die EU!“

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