Halbjahreszahlen

Automobilzulieferer Hella wächst weiter – Tempo nimmt ab

Fahrerassistenzsysteme gehören zu den Gewinnbringern: 77 Sensoren ermöglichen eine 360-Grad-Erkennung von sich bewegenden Objekten rund um das Fahrzeug.

Fahrerassistenzsysteme gehören zu den Gewinnbringern: 77 Sensoren ermöglichen eine 360-Grad-Erkennung von sich bewegenden Objekten rund um das Fahrzeug.

Foto: Hella

Lippstadt.   Der Licht- und Elektronikspezialist Hella aus Lippstadt wächst weiter über Marktniveau, hat aber auch unter Absatzeinbrüchen in China zu leiden.

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Der Licht- und Elektronikkonzern Hella aus Lippstadt konnte seinen Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr auf 3,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr (3,5 Milliarden Euro) leicht steigern und wächst weiter über dem Marktniveau, aber das Tempo hat zuletzt deutlich abgenommen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Rolf Breidenbach, führt vor allem den schwächelnden Absatz in China als Grund an: „Wir haben hier eine ganz neue Situation. China war in den letzten Dekaden der Wachstumsmotor für die Automobilindustrie.“

Auch in Europa waren die Absätze auf dem Automarkt zuletzt stark rückläufig, insbesondere in Deutschland, wo seit September für Neuzulassungen das neue Abgasprüfverfahren WLTP gilt. Dies hatte im August noch positiven Effekten geführt, weil mit hohen Rabatten viele Fahrzeuge in den Markt gedrückt wurden.

Ergebnis besser als Umsatzentwicklung

Die Folgen lassen sich am Ergebnis des zweiten Quartals ablesen, in dem sich das Wachstum des Lippstädter Konzerns deutlich abschwächte. Für das laufende Quartal rechnet Finanzchef Bernard Schäferbarthold weiter mit einer schwachen Entwicklung, danach sehe es nach einer Stabilisierung aus. „Wir stellen unsere strategischen Ziele deshalb nicht in Frage und halten an unserem Kurs fest“, betont Schäferbarthold. Dass das Konzernergebnis relativ besser ist als die Umsatzentwicklung, liege auch an einer strengen Kostenkontrolle in den letzten Monaten. Andererseits ist die Kasse bei den Lippstädtern nach dem Verkauf des Großhandelsgeschäftes für mehr als 250 Millionen Euro gut gefüllt. Die Eigenkapitalquote ist auf über 44 Prozent gestiegen, die Verschuldung liegt nahe null.

Noch Mehr Geld für Forschung und Entwicklung

Insofern ist die Steigerung bei den Investitionen für Forschung und Entwicklung von 305 auf 340 Millionen Euro in diesem Geschäftsjahr kaum übermütig, sondern eher ein Signal, konsequent Technologieführerschaften in den Bereichen Licht (LED, innen und außen) sowie Elektronik ausbauen zu wollen.

Hier spielen Energiemanagementsysteme insbesondere für Elektroantriebe eine Rolle, außerdem natürlich Weiterentwicklungen für Assistenzsysteme im Hard- und Softwarebereich. Hella ist hier mit seiner Radaratechnologie führend und setzt auch weiter auf Entwicklungen mit Partnern wie ZF Friedrichshafen. Dies gelte für alle vier Kernfelder, also autonomes Fahren, Digitalisierung, Elektrifizierung und Individualisierung, wie Breidenbach betont: „Wir müssen weiter in neue Technik investieren und tun dies auch.“ Dies gilt vor allem für den Automotivebereich, der mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro (Vorjahr 2,7 Milliarden) den Löwenanteil ausmacht.

Mehr Personal am Standort Lippstadt

Trotz aller Eintrübung des weltweiten Autoabsatzes, sei die Nachfrage nach Licht- und Elektroniksystemen (Fahrerassistenzsysteme und Energiemanagementkomponenten) weiterhin hoch. Insbesondere in Amerika, wo Hella zuletzt in neue Werke investiert hatte. Am Standort Lippstadt werde man das Team für Forschung und Entwicklung vor allem im Bereich Elektronik verstärken. Breidenbach rechnet mit etwa einhundert neuen Beschäftigten noch in diesem Jahr.

Obwohl der Konzern sich deutlich besser als der Markt entwickelt, hat die Hella-Aktie ist in den letzten Monaten durch die Entwicklung stark eingebüßt. Von knapp 60 Euro im Sommer sank das Papier zwischenzeitlich bis auf 32 Euro. Mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am heutigen Tag hat die Aktie (Stand 10 Uhr) auf über 38 Euro wieder zugelegt. Dies könnte auch daran liegen, dass Hella trotz aller Widrigkeiten eines schrumpfenden Marktes eine Wachstumsprognose von mindestens fünf Prozent bim Umsatz und zwischen 5 und 7,5 Prozent beim Ergebnis abgibt.

Ausgewählte Zahlen des 1. Geschäftshalbjahres (1. Juni bis 30. November 2018):

Umsatz: 3,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,5 Milliarden)
Davon 2,9 Milliarden im Bereich Automotive; 300 Millionen Aftermarket (Werkstattausrüstungen etc.); 200 Millionen „Special Applications“ (bspw. Parkbeleuchtungssysteme für Lkw-Anhänger und Lichttechnologie für Arbeitsfahrzeuge) und Ausrüstung für Land- und Baumaschinen.

EBIT: 302 Millionen Euro (plus 5,5 Prozent)

EBIT-Marge: 8,6 Prozent (minus 0,1) - ohne Einmaleffekt (Verkauf des Großhandelsgeschäftes)

Forschungsinvestitionen: 340 Millionen Euro (305); F&E-Quote: 9,6 Prozent (9,2)

Eigenkapitalquote: 44,7 Prozent (41,9).

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