Anklage nach Messerangriff

Andreas Hollstein: „Wir müssen über Hass im Internet reden“

Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein

Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein

Foto: Funke Foto Services

Altena.   Die Anklage gegen den Messerstecher von Altena steht. Aber wie geht es dem Opfer, Bürgermeister Andreas Hollstein, vier Monate nach der Tat?

Im Fall des Attentats auf Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU) strebt das Landgericht Hagen einen Prozessauftakt für den 22. Mai 2018 an. Wegen versuchten Mordes angeklagt ist ein 56-Jähriger aus Altena, der Andreas Hollstein am Abend des 27. November in einem Schnellimbiss mit einem Messer am Hals schwer verletzt hat.

Das Tatmotiv könnte im Zusammenhang mit der Integrationspolitik der Stadt stehen. Altena hatte in der Vergangenheit deutlich mehr Geflüchtete aufgenommen als vom Land verlangt. Mit Blick auf den bevorstehenden Prozess sprach die WESTFALENPOST mit Andreas Hollstein.

Herr Hollstein, wie geht es Ihnen aktuell?

Dr. Andreas Hollstein: Mir schien es zunächst recht schnell wieder gut zu gehen. Doch der Angriff, der Hass in den sozialen Medien und auch Mails mit Beleidigungen und Bedrohungen führten dann Mitte Dezember zu einem starken Hörsturz. 1800 ermunternde Zuschriften haben mir jedoch die notwendige Kraft gegeben, mich wieder mit voller Kraft meinem Amt zu widmen. Leider sah ich mich, auch mit Blick auf den Prozess, gezwungen, mein Ehrenamt als SGV-Präsident niederzulegen.

Die äußeren Wunden mögen verheilt sein, die Inneren wohl kaum. Werden Sie psychologisch betreut?

Hollstein: Ich habe mich mit einem Notfallseelsorger und dem Opferschutz beraten. Für weitergehende psychologische Maßnahmen sahen meine Familie und ich keine Notwendigkeit. Allerdings gibt es bis heute immer noch Drohanrufe und ähnliche Dinge.

Das Gericht hat einen ersten Verhandlungstermin. Was erwarten Sie von diesem Prozess?

Hollstein: Ich denke, dass jeder Prozess eine Aufarbeitung und Aufklärung über die Tat bringt und den Täter seiner Strafe zuführt. Ich hoffe der Prozess zeigt auch, dass wir über Hass und Bedrohungen im Internet reden müssen. Es kann nicht sein, dass ehrenamtliche Politiker, Polizei, Verwaltungsmitarbeiter und Feuerwehrangehörige angefeindet werden. Hier brauchen wir einen gesellschaftlichen Diskurs.

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