Demenz

Rudi-Assauer-Preis für junge Seniorenbegleiter aus Haltern

Der erste Preis der „Rudi Assauer Initiative“ geht in diesem Jahr an die Stadt Haltern, Bürgermeister Bodo Klimpel (2. v. l.), Mitarbeiter der Stadt und die engagierten Jugendlichen kamen zur Verleihung nach Gelsenkirchen.

Der erste Preis der „Rudi Assauer Initiative“ geht in diesem Jahr an die Stadt Haltern, Bürgermeister Bodo Klimpel (2. v. l.), Mitarbeiter der Stadt und die engagierten Jugendlichen kamen zur Verleihung nach Gelsenkirchen.

Foto: Kai Kitschenberg

Gelsenkirchen.  Die „Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft“ zeichnet Einsatz für Demenzpatienten aus. Erster Preis geht nach Haltern.

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Als Schalke-Manager mit dicker Zigarre, mit leicht getönter Brille, als Mann für deutliche Worte und lockere Sprüche wurde Rudi Assauer zu einer der Legenden im deutschen Fußballzirkus. Zehn Jahre ist es her, dass er das Geschäft hinter sich ließ. Assauer ist unvergessen; seit 2012 kämpft er gegen das Vergessen. Der damals 67-Jährige ging mit seiner Demenzerkrankung an die Öffentlichkeit. Kurz darauf nahm die „Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft“ ihre Arbeit auf, klärt seitdem über die Krankheit auf. Einmal im Jahr zeichnet die Initiative Menschen aus, die sich für Demenzpatienten und deren Angehörige engagieren. Der erste Preis geht in diesem Jahr an die Stadt Haltern am See, die Jugendliche zu Seniorenbegleitern ausbilden lässt.

Eine „Generationensolidarität“ erkennt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Gast des gestrigen Festaktes in der Schalke-Arena, in dem Halterner Projekt. „Leistungsansprüche an den Sozialstaat“ zu stellen, sagt Grohe, das greife zu kurz, „wenn nicht Menschen sagen: ,Es ist unsere Sache, dass unsere Gesellschaft eine demenzfreundlichere wird.’“ Dass ab dem 1. Januar 2017 Demenzerkrankte einen gleichberechtigten Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, sei ein wichtiger Schritt. Im Alltag sei es aber Aufgabe aller, Menschen mit Demenz nicht an den Rand der Gesellschaft zu drängen.

Den Betroffenen müsse vermittelt werden, dass sie verstanden und ernst genommen werden, wünscht sich der Minister. Die „leisen Momente des Zuhörens“, die das Projekt in Haltern ermöglicht, seien ein Beitrag dazu.

Schüler sollen sich in ältere Menschen hineinversetzen

Doch das Engagement der Jugendlichen geht oft noch darüber hinaus. Seit 2010 werden jährlich etwa 16 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse zunächst theoretisch ausgebildet. „Referenten erzählen vom Umgang mit Demenzerkrankten, erklären die Grunderkrankungen im Alter, sprechen über Tod und Abschied“, sagt Kursleiterin Magdalena Hovenjürgen. „Die Schüler sollen sich auch in die älteren Menschen hineinversetzen. Sie erfahren zum Beispiel wie es sich anfühlt, wenn man gefüttert wird.“

Die 15-jährige Anna Bauer hat nach dem theoretischen Unterricht 16 Stunden in einer Tagespflege mitgearbeitet, sie ist nun „zertifizierte Seniorenbegleiterin“. „Ich habe bei der Betreuung geholfen, nicht in der Pflege. Die Menschen waren nett“, sagt sie. „Ich habe gemerkt, dass sie manchmal einen guten Tag hatten, dann einen schlechten. Am Anfang war es ungewohnt, aber es hat Spaß gemacht.“

4000 Euro für Halterner Projekt

Die ersten Praxisstunden in einem Altenwohnhaus hat Felix Vofrei gerade hinter sich. Der 15-Jährige weiß jetzt schon, dass er danach ehrenamtlich weitermachen möchte. „Meine Oma wohnt mit uns in einem Haus, ich bekomme die Verwandlung beim Älterwerden mit. Mich interessiert generell der Umgang mit älteren Menschen: grundlegende Dinge wie Rollstuhl schieben oder Essen anreichen, aber auch, Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall schnell zu erkennen“, erklärt der Schüler.

Die Auszeichnung durch die „Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft“ ist mit einem Preisgeld in Höhe von 4000 Euro verbunden. Für eine Stadt wie Haltern, die gerade ihren Haushalt sanieren muss, ist das eine bedeutende Summe: Die Finanzierung von Angeboten wie dem nun ausgezeichneten gilt als freiwillige Ausgabe, bisher wurde die Ausbildung zu Seniorenbegleitern durch Spendengelder ermöglicht.

Preisträger aus ganz Deutschland

Neben der Stadt Haltern wurden in diesem Jahr die AOK Jülich, das Projekt „Demenz-Partner“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, der Marburger Poetry-Slammer Lars Ruppel, Kunstbegleiterin Susanne Böten sowie die Journalistin Sabine Gerlach für ihr Engagement ausgezeichnet.

Rudi Assauer selbst war am Montag zur Preisverleihung in der Arena, deren Bau er Ende der 90er angeschoben hatte, erschienen. Den Festakt verfolgte er gemeinsam mit seiner Tochter Bettina Michel, die sich auch während der Verleihung Zeit für ihn nahm. Als Sportreporter Werner Hansch, der durch den Festakt führte, Assauer von der Bühne aus begrüßte, stand der 72-Jährige unter dem Beifall der Gäste auf. Er sah alte Bekannte wie Weltmeister Olaf Thon, den ehemaligen BVB-Manager Michael Meier, Ex-Gladbach-Präsident Wilfried Jacobs – und an den Tischen viele Menschen, deren Arbeit er mit dem offensiven Umgang mit seiner Erkrankung zu mehr Öffentlichkeit verholfen hat.

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