Sicherheit

Zu gut gesichert - Häuser können zur Todesfalle werden

Essen/ Dortmund.   Viele Menschen sichern Haus und Wohnung immer aufwendiger gegen Einbrecher. Im Falle eines Feuers kann das unter Umständen gefährlich werden.

Viele Menschen sichern Haus und Wohnung immer aufwendiger gegen Einbrecher. Das macht es allerdings auch der Feuerwehr immer schwerer, im Notfall ins Haus zu gelangen. Welche Folgen das haben kann, zeigte jüngst ein Brand in Dortmund.

Der Alarm kommt am frühen Morgen. Feuer in einem Haus in der Dortmunder Nordstadt. Die Feuerwehr ist schnell vor Ort und kommt zunächst trotzdem nicht ins Haus. Denn die Eingangstür ist – offenbar aus Angst vor Einbruch – extrem gut gesichert. So klettern die Retter schließlich durch ein Fenster im Erdgeschoss – können zwei Bewohner des Hauses aber nur noch tot bergen. Offenbar war es dem 51-jährgen Mann und seiner 84-jährigen Mutter nicht gelungen, die Tür zu entriegeln und zu fliehen. Ein Einzelfall. Noch. „Das Problem“, ahnt Joachim Zündorf von der Pressestelle des Institutes der Feuerwehr in Münster, „fängt gerade erst an.“

Schwere Querriegel erfreuen sich großer Beliebtheit

Deshalb gibt es auch noch keine Zahlen, fehlen Statistiken. Aber Zündorf weiß: „Es wird immer schwieriger für die Feuerwehren, bei Notfällen ins Haus zu kommen.“ Brandamtmann Andreas Pisarski, Pressesprecher der Dortmunder Feuerwehr und Ausbilder an der Feuerwehrschule kann das bestätigen. „Der Türöffner Größe 44 funktioniert nicht mehr“, sagt er. Soll heißen: Heutige Wohnungstüren lassen sich nicht so einfach eintreten wie vor 30 Jahren – von Haustüren ganz zu schweigen. „Da brechen sie sich die Füße“, sagt Zündorf.

Nicht nur, weil die Türen, vom Blatt über die Zarge und das Schloss bis hin zum Beschlag hochwertiger geworden sind, sondern auch, weil sich schwere Querriegel immer größerer Beliebtheit erfreuen. „Über die ganze Breite der Tür, im Mauerwerk verankert und mit Zylinder in der Mitte“, erklärt Pisarski. „Das machen sie nicht mal eben im Vorbeigehen auf, da brauchen sie schon schweres Gerät. Auch bei den Fenstern hat sich einiges getan. „Die Zapfen werden immer hochwertiger, das Glas immer schwerer.“ So zuverlässig das auch gegen Attacken von außen schützen mag – „am Ende“, stellt Pisarski klar, „kommt die Feuerwehr natürlich überall rein, es dauert eben manchmal nur ein klein wenig länger“. Das macht das Problem kaum kleiner. „Manchmal“, weiß der Einsatzleiter, „kommt es auf Sekunden an.“

Im Rauch zählt jede Sekunde

Viel schlimmer, sagt Pisarski, sei es dann auch, dass Menschen in extrem gut gesicherten Häusern kaum noch fliehen können. „Die Flucht kann schon daran scheitern, dass die Bewohner im verrauchten Flur die Schlösser der Haustür nicht finden. Und je mehr Schlösser man aufmachen muss, desto knapper wird es.“ Weil es ja meistens nicht die Flammen sind, die den Tod bringen, sondern der Rauch. „Schon zwei oder drei Atemzüge können tödlich sein.“

Man habe natürlich „maximales Verständnis“ dafür, dass die Bürger ihre Häuser und Wohnungen sichern. „Aber man darf nicht vergessen, dass man im Notfall auch noch herauskommen muss“, gibt der Brandamtmann zu verstehen und rät deshalb bei Neubau wie bei Modernisierung zu ausführlicher Beratung auch durch die Polizei. „Wir kennen die Problematik“, sagt Kriminalhauptkommissar Olaf Rauscher von der Kriminalprävention der Kripo in Bochum. „Und wir gehen auch auf dieses Themenfeld ein.“

Experten raten zu Panikschlössern

Jeder Fall sei natürlich speziell, grundsätzlich aber rät der Experte dazu, die Schlüssel für Türen und Fenster von außen nicht erreichbar, aber dennoch nahe des möglichen Fluchtweges aufzuhängen. Und genau wie die Feuerwehr empfiehlt er so genannte Panikschlösser, wie man sie aus vielen öffentlichen Gebäuden kennt. Vereinfacht ausgedrückt soll die Tür bei einem Notfall jederzeit von innen geöffnet werden können, indem man einfach nur die Klinke drückt. Von außen ist das Panikschloss allerdings ganz normal abschließbar und sichert somit auch vor Einbrüchen.

Einbruchsschutz und schnelle Rettungswege, weiß Joachim Zündorf, seien zwei Interessen, die sich zunächst einmal widersprechen. „Diesen Widerspruch muss man lösen.“ Rauscher sieht das ähnlich. „Man muss“, sagt er, „einen Mittelweg finden.“

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